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Antonstadt (Äußere Neustadt)
Bis zum 18. Jahrhundert: "Auf dem Sande" Der Heidewald, der sich bis zum späten Mittelalter im Norden und Nordosten von Altendresden (der heutigen Inneren Neustadt) erstreckte, wurde nach und nach gerodet. Auf diesem Gelände legten die Altendresdner Ackerbürger Felder und Weingärten an. Die Übernutzung des Bodens, der Raubbau an den verbliebenen Waldflächen, besonders im Dreißigjährigen Krieg, und die intensive Waldnutzung durch Streurechen legten den sandigen Untergrund bloß, so dass die Äcker und Weinberge alsbald durch Winderosion versandeten. Um 1700 kam die Bezeichnung "Der Sand" für diese unfruchtbaren Flächen nördlich und östlich der Altendresdner Stadtmauer auf. Eine wesentliche Besiedlung dieses Gebietes begann erst nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Im Jahr 1687 wurde östlich von Altendresden ein kurfürstlicher Holzhof eingerichtet. Hier, auf dem Holzhofgelände, entstand im Jahr 1774 das Königliche Gymnasium. Um 1700 begann man das Gebiet um die Holzhofgasse zu besiedeln. Dabei entstanden auch einige Gaststätten wie das Ballhaus an der Bautzner Straße (das schon vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr existierte) und der Coselsche Garten (Altcosels Garten) an der Südseite der Holzhofgasse. Es waren beliebte Ausflugsziele der Dresdner. Die später Linckesches Bad genannte Einrichtung kam im Jahr 1734 hinzu, das Kurbad im Jahr 1764 und daneben im Jahr 1776 ein Sommertheater. Der Komponist und Dresdner Musikdirektor Carl Maria von Weber wohnte in den Sommermonaten häufig in Altcosels Garten und schuf hier im Jahr 1820 seine "Preziosa" sowie im Jahr 1825 die Ouvertüre und die Schlussfassung der Wolfsschluchtszene des "Freischütz". Das Weberhäuschen fiel den Bombenangriffen im Jahr 1945 zum Opfer. Auf dem nordöstlich von Altendresden gelegenen, etwa 350 ha großen "Anbau auf dem Sande" lebten um 1760 nur etwa 50 Hausbesitzer, die Hälfte davon nahe der Altendresdner Stadtmauer, wo die Einwohner dem Dresdner Rat unterstanden. Die entfernteren Ansiedlungen unterstanden dem kurfürstlichen Amt. Das Gebiet "auf dem Sande" war auch wegen der von 1750 bis 1764 hier stehenden Pulverhäuser und des bis 1732 genutzten Altendresdner Richtplatzes mit dem Galgen wenig attraktiv für Neuansiedlungen. Erst nach der Verlegung der Pulverhäuser entstanden in diesem Gebiet neue Straßen, aus denen unter anderem die Alaunstraße und die Louisenstraße hervorgingen. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), in dem Dresden erhebliche Zerstörungen erlitt, siedelten sich viele obdachlose Dresdner Bürger "auf dem Sande" vor den Toren der Neustadt an. Der Name der Böhmischen Straße erinnert an die aus den niedergebrannten Vorstädten stammenden böhmischen Gärtner, die sich ab 1760 hier neue Wohn- und Gewerbeplätze schufen. Neben den Gärtnereien entstanden hier zu dieser Zeit weitere Gewerbebetriebe wie z.B. die Alaunflusssiederei am Alaunplatz und eine Eisengießerei am Ende der Bautzner Straße. Am Ort der Eisengießerei ging im Jahr 1787 eine Meierei des Grafen Marcolini in Betrieb. Im Jahr 1777 richtete Oberkonsistorialrat Dr. Rädler in seinem Gartenhaus an der Louisenstraße die erste Schule "auf dem Sande" ein. Ab 1789 nutzte die Schule das (noch heute vorhandene) Haus Louisenstraße 59. Es handelte sich um eine Arbeitsschule, d.h., die Kinder, deren Eltern kein Schulgeld bezahlen konnten, mussten täglich von 13 bis 18 Uhr in einer von drei Arbeitsklassen (Flachsspinnerei, Schafwollspinnerei sowie Strick- und Nähklasse) arbeiten. Aus dieser Schule ging die ab 1823 bestehende Armenschule an der Louisenstraße 37 hervor. Hier richtete ein Kinderbeschäftigungsverein im Jahr 1857 eine Holzspalterei ein. Die Antonstadt im 19. Jahrhundert Der "Neue Anbau auf dem Sande" wurde im Jahr 1835 als Antonstadt - benannt nach König Anton von Sachsen (reg. 1827-1836) - nach Dresden eingemeindet. Zu dieser Zeit lebten hier etwa 3.800 Einwohner in etwa 350 Häusern. Bis zum Jahr 1910 stieg die Einwohnerzahl auf etwa 56.700. Die einstige Gartenvorstadt zwischen der Alaun- und der Prießnitzstraße entwickelte sich zu einem übervölkerten Arbeiterwohnviertel. Bis an den Bischofsweg im Norden heran erstreckten sich nun eintönige Häuserzeilen, in denen Arbeiter und kleine Angestellte dicht gedrängt lebten. Nur im Umfeld der im Jahr 1887 eingeweihten Martin-Luther-Kirche und an der Bautzner Straße wurden die Häuser auch gehobeneren Wohnansprüchen gerecht. Die Antonstadt wuchs recht planlos. So gab es bis 1869 keine Verbindung zwischen der Rothenburger Straße und der Louisenstraße. Der zwischen der Alaunstraße und der Martin-Luther-Straße geplante zentrale Marktplatz wurde nie verwirklicht. Die Jordanstraße und die Timaeusstraße erinnern an die im Jahr 1833 gegründete Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus. Nachdem die Militärkaserne vom Osten der Inneren Neustadt an den Rand der Dresdner Heide, in die Albertstadt, verlegt worden war, diente der Alaunplatz als Exerzierplatz. An dessen Nordseite stand ab 1870 die (heute nicht mehr vorhandene) Schützenkaserne. Zwischen der Prießnitzstraße und der Pulsnitzer Straße befindet sich der von 1751 bis 1869 genutzte Alte Jüdische Friedhof mit mehr als 1.000 Gräbern. Die südlich der Bautzner Straße gelegenen Flächen der bis 1817 abgebrochenen Neustädter Stadtfestung wurden im Jahr 1824 versteigert. Auf ihnen und den sich ostwärts bis zur Prießnitzmündung erstreckenden Privatgrundstücken baute man zahlreiche Villen mit großen Gärten. ![]() Die Villa Rosa (s. Bild, nach einem alten Foto, verändert), von Gottfried Semper im Jahr 1839 an der Holzhofgasse 20 errichtet, war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Vorbild für viele Dresdner und deutsche Villenbauten. Das bei den Bombenangriffen im Februar 1945 zerstörte Haus wurde nicht wieder aufgebaut. Der Dresdner Frauenverein eröffnete im Jahr 1844 an der Böhmischen Gasse ein kleines Krankenhaus mit zwei Schwestern aus dem Diakonissen-Mutterhaus Kaiserswerth. Das Krankenhaus verlegte man im Jahr 1847 an die Bautzner Straße. Im Jahr 1858 wurde es um mehrere Gebäude erweitert. Durch den Anschluss des benachbarten Johanniterhospitals im Jahr 1879 und des Krankenhauses Holzhofgasse 29 im Jahr 1893 entstand die zwischen der Bautzner Straße und der Holzhofgasse gelegene Diakonissenanstalt. Im Jahr 1927 errichteten die Architekten Lossow & Kühne deren Kirche. Diese wurde im Februar 1945 zerstört, aber bis 1962 wieder aufgebaut. An der Bautzner Straße/Ecke Holzhofgasse stand der Gasthof "Zum Goldenen Löwen". An ihn erinnert der im Jahr 1921 von Paul Polte aus Granit geschaffene Pferdetränkebrunnen. Wie die Inschrift verkündet, wurde dieser vom "Alten Tierschutzverein" gestiftet.Das im Jahr 1837 vom Pädagogischen Verein in Löbtau gegründete Pestalozzi-Stift, das sich der Erziehung von Waisenkindern widmete, erhielt im Jahr 1876 einen Neubau an der Jägerstraße 34. Im Jahr 1880 bezog das zuvor an der Freiberger Straße gelegene Fletchersche Lehrerseminar (ebenfalls eine Stiftung) einen Neubau an der Marienallee 5. Nach der Inflation im Jahr 1923 stellten die beiden Einrichtungen ihre Tätigkeit ein. Heute sind in diesen Gebäuden Schulen eingerichtet. Die Antonstadt ab 1945 Die anglo-amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 hinterließen auch in einigen Bereichen der Antonstadt erhebliche Schäden. Auf dem Alaunplatz wurden Schuttmassen aus der enttrümmerten Neustadt gelagert. Später entstand hier eine großzügige Grünanlage. Das zwischen 1962 und 1964 an der Königsbrücker Straße gebaute Hauptpostamt gehörte zu den ersten bedeutenden Dresdner Neubauten nach dem Krieg. Die Rothenburger Straße wurde in der Zeit der DDR in ihrem ursprünglichen Aussehen wiederhergestellt. Die modernisierten Wohnquartiere an der Jordanstraße entstanden als Versuchsobjekte unter wissenschaftlicher Betreuung durch die Technische Universität Dresden. Mit ihnen wollte man Erfahrungen für die künftige Umgestaltung der Altbaugebiete gewinnen. Im Areal zwischen der Königsbrücker Straße, der Bautzner Straße und dem Bischofsweg entwickelte sich ab 1990 die "Bunte Republik Neustadt", ein Szeneviertel mit Kneipen, kleinen Geschäften, Bühnen und Treffs. Die zahlreichen Gründerzeithäuser, die in der Antonstadt den Krieg überstanden hatten, zeigten sich in der Zeit der DDR sehr vernachlässigt, wurden aber inzwischen umfassend saniert. Martin-Luther-Kirche ![]()
Am Chor der Martin-Luther-Kirche (im Bild um 1935; nach einem alten Foto, verändert) befindet sich ein von August Schreitmüller im Jahr 1928 geschaffenes Mahnmal für die Toten des Ersten Weltkrieges. Es zeigt einen knienden Krieger und eine betende Frau. Im Umfeld der Martin-Luther-Kirche stehen rekonstruierte Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Pfunds Molkerei ![]() Im Haus Bautzner Straße 79 besteht seit 1880 "der schönste Milchladen der Welt", das Geschäft "Pfunds Molkerei" mit seinem überaus prächtig mit farbig bemalten Majolikafliesen geschmückten Ladenraum. Die Darstellungen auf den Fliesen beschreiben das Molkereihandwerk. Diese im Jahr 1892 von der Dresdner Keramikfirma Villeroy & Boch geschaffene Inneneinrichtung wurde im Jahr 1995 restauriert. Über dem Laden ist ein Café eingerichtet, in dem auch Exponate eines kleinen Molkereimuseums zu sehen sind. Der einstige Molkereibetrieb Pfund, der in der Nähe des Jüdischen Friedhofes lag, stellte als erster in Deutschland Kondensmilch her.
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