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Augustusbrücke, Narrenhäusel
Die Augustusbrücke ist nach August dem Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen) benannt, dem Bauherrn des Vorgängerbauwerkes (Pöppelmanns Brücke von 1731). In der Zeit der DDR hieß sie Georgi-Dimitroff-Brücke. ![]() Der erste Wasserpfeiler auf der Altstädter Seite trägt den amtlichen Elbepegel. Das registrierende Schreibwerk befindet sich im kleinen Basteischlösschen auf dem alten Festungsmauerwerk unterhalb des Italienischen Dörfchens. Am benachbarten Landpfeiler ist eine im Jahr 1820 von Gottlob Christian Kühn geschaffene Nachbildung des Brückenmännchens - des sagenhaften Erbauers der ersten steinernen Dresdner Elbebrücke - zu sehen (im Bild links das heutige und rechts das historische Brückenmännchen). Das Original befand sich noch bis 1813, bis zur Zeit der napoleonischen Kriege, an der Brücke. Aus der Geschichte Die Augustusbrücke ist die älteste Brücke Dresdens und, wenn man ihre Vorgängerbauten mit einbezieht, sogar eine der ältesten größeren Steinbrücken Europas. Um 1287 entstand hier, am Elbübergang des wichtigen Handelsweges nach Böhmen, anstelle eines im Jahr 1275 zerstörten hölzernen Brückenbauwerkes die damals weithin gerühmte erste Steinbrücke der Oberen Elbe. ![]() Die mittelalterliche Dresdner Elbebrücke, die einst bis zum Elbtor der Stadtfestung (das sich im Bereich des späteren Georgentores befand) reichte, ruhte auf 25 Pfeilern und war zu ihrer Zeit eine der längsten deutschen Brücken (Bild: Dresdner Brücke und Residenzschloss um 1560; nach einer Grafik von H. van Cleef, verändert). Zwischen 1727 und 1731 errichtete Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre anstelle der inzwischen schadhaften und für den Verkehr zu eng gewordenen mittelalterlichen Brücke ein auf 11 m verbreitertes und 402 m langes, anmutig gekrümmtes Brückenbauwerk mit 17 Bogen und 18 Pfeilern, das man zu jener Zeit zu den bedeutendsten Brückenbauten Europas seit der Spät-Renaissance zählte. Der Entwurf stammte vom berühmten Dresdner Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, der damals bereits mehrere bedeutende Brücken (z.B. in Waldheim, Grimma, Nossen und Zwickau) entworfen hatte. Nach ihrem Bauherrn, August dem Starken, hieß die Dresdner Elbebrücke fortan Augustusbrücke. ![]() Bild: Augustusbrücke um 1865 (nach einem Gemälde von Franz Wilhelm Leuteritz, 1865, Stadtmuseum Dresden, verändert); im Hintergrund (von rechts nach links) das Narrenhäusel, die Türme der Dreikönigskirche und des Neustädter Rathauses, davor das Blockhaus, Häuser an der Großen Meißner Straße bis zum Japanischen Palais und ganz links die Marienbrücke Die Verbreiterung der Brücke auf 11 m geschah mit Hilfe von Kragsteinen, auf denen man Gangbahnen anlegte. Die bis zu diesen Gangbahnen erhöhten Pfeiler bekrönte man mit breiten Nischen, in denen Steinbänke und insgesamt 48 schmiedeeiserne Laternen aufgestellt wurden. Die Laternen beleuchteten das Bauwerk nachts in einer für damalige Verhältnisse sehr beeindruckenden Weise. Die Brücke erhielt außerdem schmiedeeiserne Geländer. Die Bauten, die auf der früheren Brücke standen (z.B. das Zollhaus, das nach der Einführung der Reformation anstelle der Alexiuskapelle errichtet worden war), stellte Johann Gottfried Fehre nicht wieder her. Ähnlich wie bei der Prager Karlsbrücke (Pöppelmann hatte sich für seinen Entwurf die Maße dieser Prager Moldaubrücke besorgt) sollten zahlreiche Skulpturen das Bauwerk schmücken. Und wie das Standbild von König Heinrich IV. auf der Brücke Pont Neuf in Paris oder wie das Standbild des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke in Berlin sollte das Reiterstandbild von August dem Starken, der Goldene Reiter, die Dresdner Brücke krönen. Das Standbild erwies sich aber als zu schwer für diesen Standort und fand schließlich auf dem Neustädter Markt seinen Platz. Auch der geplante Skulpturenschmuck der Brücke wurde nicht mehr verwirklicht. Nur das alte, neu vergoldete Kruzifix von Christoph Abraham Walther (zwischen 1658 und 1670 geschaffen) stellte man im Jahr 1732 auf dem fünften Pfeiler der Brücke auf. Den sechs Meter hohen Sockel aus Pirnaer Sandstein hatte Johann Christian Kirchner nach einem von 1730 stammenden Entwurf von Zacharias Longuelune geschaffen. (Im Jahr 1845 riss ein Elbehochwasser das Kruzifix nach einem Teileinsturz des Pfeilers fort.) Während des Brückenbaus, nach 1728, wurde das seit 1553 am Altstädter Brückenkopf stehende "Schöne Tor" von Melchior Trost abgebrochen. Für die Neugestaltung beider Brückenköpfe gab es großartige Entwürfe (für die Neustädter Seite von Zacharias Longuelune), doch außer Longuelunes Blockhaus gelangte davon nichts zur Ausführung. Mit der Aufschüttung und Planierung des Schlossplatzgeländes ab 1738 für den Bau der Katholischen Hofkirche wurden die Pläne für die Gestaltung der Altstadtseite dann ohnehin gegenstandslos. Weil die Augustusbrücke dem Schiffsverkehr keine ausreichende Durchlassweite mehr bot, wurde sie zwischen 1907 und 1910 nach einem Entwurf von Wilhelm Kreis neu aufgebaut. Die neue Brücke orientiert sich in ihrer Gestalt am Vorgängerbauwerk (zeigt allerdings nicht mehr Pöppelmanns geniale Gesamtkomposition). Der Durchlass der Terrassenufer-Straße, die den Theater- und den Schlossplatz vom Verkehr entlastet, besteht ebenfalls seit 1910. Kurz vor Kriegsende im Jahr 1945 wurden einige Bögen der Brücke gesprengt. Bis 1949 baute man die Augustusbrücke wieder auf. In der Zeit der DDR hieß sie "Georgi-Dimitroff-Brücke" (nach einem bulgarischen Kommunisten, der im Reichstagsbrandprozess von 1933 fälschlicherweise angeklagt worden war). Narrenhäusel ![]() Östlich neben dem Neustädter Brückenkopf der Augustusbrücke stand das (bei den Bombenangriffen im Februar 1945 zerstörte) Narrenhäusel - das Wohnhaus von Joseph Fröhlich (1694-1757), dem Hofnarren von August dem Starken und Friedrich August II. Später war es eine beliebte Gaststätte. Bild: Narrenhäusel im Winter 1848 (nach einem Gemälde von Robert Wehle, verändert); links im Bild das Blockhaus, im Hintergrund der Neustädter Markt mit dem Goldenen Reiter und dem Neustädter Rathaus ![]() An den Hofnarren Joseph Fröhlich und sein Haus erinnert heute eine im Jahr 1978 am Ort des "Narrenhäusels" errichtete Bronzeplastik von Heinrich Apel. ![]() nach oben |