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Aus der Geschichte der Friedrichstadt
Auf dem westlich der Dresdner Altstadt - jenseits des früheren Weißeritz-Flussbettes - gelegenen Territorium der Friedrichstadt befand sich einst das kleine, aus einer sorbischen Siedlung hervorgegangene Bauerndorf Ostra. Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) ließ hier im Jahr 1568 das große Vorwerk (Kammergut) Ostra einrichten. Im Jahr 1730 gründete August der Starke (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, reg. 1694-1733) hier eine weitere Neustadt neben der rechtselbischen (heute kurz Neustadt genannten) Neuen Königstadt. Diese zweite Neustadt wurde im Jahr 1731 nach dem Sohn Augusts des Starken in Friedrichstadt umbenannt. Die Friedrichstadt gehört zu den ersten nach Dresden eingemeindeten Vorstädten (1835/36). Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einem Fabrikbezirk mit bedeutenden Verkehrseinrichtungen vor allem der Eisenbahn und des Schiffsverkehrs (Elbhafen). Die Friedrichstadt ist ohne Frage der außergewöhnlichste und kontrastreichste Dresdner Stadtteil. Einerseits besitzt sie eine bedeutende Geschichte, wertvolle historische Bauten, den prächtigsten Brunnen Dresdens (den Neptunbrunnen) und war Wirkstätte bedeutender Architekten, Wissenschaftler, Pädagogen und Künstler (z.B. der weltberühmten Künstlergruppe "Die Brücke"). Andererseits prägen diesen ehemaligen Fabrikbezirk und Arbeiterwohnort seit langem große soziale Probleme. Noch heute gibt es hier eine hohe Arbeitslosigkeit, besonders viele Sozialhilfeempfänger, eher bescheidene Einkaufsmöglichkeiten, sehr viel Brachland und zahlreiche verfallende Häuser. Bemerkenswert ist auch der Kontrast zwischen den technischen Großanlagen für den Bahn- und Schiffsverkehr, das Baugewerbe und städtische Aufgaben einerseits und den weiten landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Grünflächen im Bereich Großes Ostragehege/Flutgraben andererseits. Die Friedrichstädter Flur teilt sich in den weitgehend hochwasserfreien und dicht bebauten Bereich südlich der Magdeburger und Bremer Straße und den stark hochwassergefährdeten, vorwiegend als Wiesenland genutzten Weißeritz-Schwemmfächer nördlich davon. Der Fluss Weißeritz mündete bis zum Jahr 1893 westlich der Marienbrücke, also zwischen der Friedrichstadt und der Wilsdruffer Vorstadt in die Elbe. Der mächtige Schwemmfächer zwang den Elbestrom hier, im Westen des Dresdner Stadtgebietes, in eine große Nordschleife, in der sich heute das Große Ostragehege, die Flutrinne und der Elbhafen (Alberthafen) befinden. Nur die um 1905 künstlich aufgeschüttete Schlachthofinsel, das heutige Dresdner Messegelände, ist in diesem Gebiet hochwasserfrei. Sie wurde auch von der Rekordflut im August 2002 nicht überspült. Dorf und Flur Ostra Die Urkunde von 1206, in der Dresden erstmals erwähnt wird, nennt auch ein altes sorbisches Dorf Oztrov (altsorbisch: Flussinsel). Es befand sich auf einem hochwasserfreien Gelände im Westen der heutigen Friedrichstraße. Aus dieser sorbischen Siedlung ging das Bauerndorf Ostra hervor, das schon bald auf einen Herrenhof, elf Bauerngüter und einige kleine Ansiedlungen anwuchs. Westlich von Oztrov gab es in früher Zeit zwei weitere Dörfer: östlich der heutigen Flügelwegbrücke an der Elbe das erstmals im Jahr 1071 erwähnte Dorf Wirnotine oder Wernten (altsorbisch: Besitz des Vernota) und im Bereich der heutigen Bahnanlagen südlich der Hamburger Straße das erstmals im Jahr 1326 erwähnte Dorf Rostagk (altsorbisch: rostok = Flussgabel) oder Rodstok (deutsch: Rodestock). Die beiden Dörfer wurden schon im Mittelalter aufgelassen und dann nur noch als Wüstungen erwähnt. Um 1510, also kurz vor der Reformation, gelangte das Herrengut Ostra in den Besitz des Meißner Bischofs. Aus alten Dokumenten ist bekannt, dass die Bauern dem neuen Eigentümer die Huldigung verweigerten und daraufhin mit dem Bann belegt und solange auf der Burg Stolpen, die damals (bis 1559) den Meißner Bischöfen gehörte, gefangen gehalten wurden, bis sie sich unterwarfen. Vorwerk (Kammergut) Ostra Das in der Wilsdruffer Vorstadt zwischen dem Elbufer und dem Fahrweg (Ostra-Allee) von der Dresdner Altstadt nach Ostra gelegene Areal, wo heute das Kongresszentrum und das Kongresshotel stehen, wurde Kleines Ostragehege genannt. Hier befand sich einst das Vorwerk Klein-Ostra (Ostro minor, Ostrav Parvum). Der spätere Herzog (ab 1541) und Kurfürst (ab 1547) Moritz von Sachsen erwarb diesen "Baumgarten zu Klein-Ostra" im Jahr 1535 vom herzoglichen Rat Georg von Komerstädt unerachtet der bischöflichen Lehnsrechte. Der Nachfolger von Kurfürst Moritz, Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586; nicht mit August dem Starken verwechseln!), wollte eine bedeutende kurfürstliche Gutswirtschaft einrichten, für die das Vorwerk Klein-Ostra nicht ausreichte. Deshalb erwarb er im Jahr 1559 vom Meißner Bischof gegen Tausch die Flur Ostra und umliegende Ortschaften. Dort ließ er ab 1568 ein großes Vorwerk (Kammergut) für die Versorgung Dresdens anlegen. Die Ostraer Bauern und Gärtner mussten dem Vorwerk weichen. Vier Bauern und vier Gärtner siedelte der Landesherr auf dem Gut Zschertnitz an, das er im Jahr 1569 zu diesem Zweck erwarb, und elf Ostraer Bauern auf der Flur des aufgelösten Klostergutes Leubnitz, wo auf diese Weise das Dorf Neuostra entstand. Die übrigen Ostraer Bauern und Gärtner erhielten eine Abfindung durch Geld, auf das sie z.T. jahrelang warten mussten. Kurfürst August ließ im Vorwerk Ostra mehrere Wirtschaftsgebäude, einen Viehhof und einen Obstgarten anlegen. Er erwarb auch die Hofmühle in Plauen, die nun für das Vorwerk mahlte. Durch Enteignung von Cottaer und Löbtauer Bauern vergrößerte er die Vorwerks-Flur auf mehr als 600 ha. Bauern zahlreicher Dörfer um Dresden sowie der Ämter Moritzburg, Radeberg und Pirna hatten Frondienste für das Vorwerk zu leisten (insgesamt 2.500 Pflugtage, Spannfuhren und Handdienste jeweils von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang). Eine Möglichkeit zur Übernachtung fanden sie auf dem Frönerhof am Freiberger Platz und ab 1614 auf dem neuen Frönerhof am Anfang der Schäferstraße. Die hier gebaute Vorwerks-Schäferei bestand noch bis 1903. Um den großen Arbeitskräftebedarf des Vorwerks zu decken, führte der Kurfürst im Jahr 1568 den Gesindezwangsdienst ein. Die Kinder der Untertanen des Dresdner Amtes mussten nun zwei Jahre lang in Ostra als Knechte bzw. Mägde dienen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, ab 1648, wurden auch böhmische Auswanderer als Tagelöhner beschäftigt. Sie waren in den Drescherhäusern bei Löbtau untergebracht. Der kurfürstliche Hof betrieb auf der Flur Ostra auch eine Fasanerie und ab 1696 ein Tiergehege, auf das der Name Großes Ostragehege zurückzuführen ist. Die Fasanerie wurde im Jahr 1716 in den Großen Garten verlegt. Nach der Abschaffung der Frondienste um 1830 betrieb das Ostra-Vorwerk vorrangig Milchwirtschaft. Die Vorwerkswirtschaft endete im Jahr 1917. Danach wurden die Gebäude und Flächen von der Dresdner Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft genutzt. Vorstädtische Bebauung, Gründung der Friedrichstadt Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen wollte ab 1670 durch großzügige Vergünstigungen wie z.B. unentgeltliche Baustellen und Gewerbefreiheit Handwerker zur Ansiedlung an der Ostra-Straße, dem Fahrweg nach Ostra, veranlassen. Dies wurde jedoch durch die Dresdner Innungen boykottiert. Noch zehn Jahre später siedelten hier nur drei Handwerker. Statt dessen hatten zahlreiche Edelleute, Hofbeamte und wohlhabende Dresdner Bürger die Vergünstigungen für sich genutzt und hier Sommergärten und Lusthäuser angelegt. Im Jahr 1722 zählte man etwa 60 Grundstücksbesitzer in Ostra. Um 1690 begann die vorstädtische Bebauung des Gebietes Ostra. Im Jahr 1692 entstand die kurfürstliche Salpeterhütte an der Schäferstraße, im Jahr 1718 die Wachsbleiche von Baron von Blumenthal an der Wachsbleichstraße und im Jahr 1720 das Brauhaus der Gräfin von Manteuffel an der Bräuergasse. Im Jahr 1730 erklärte August der Starke (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen, reg. 1694-1733) die Siedlung Ostra zur Neustadt. Somit gab es nun eine weitere Neustadt neben der ebenfalls von August dem Starken am Ort des im Jahr 1685 abgebrannten rechtselbischen Stadtteils Altendresden gegründeten Neuen Königsstadt (heute kurz Neustadt genannt). Die Neustädter Gemeinde legte im Jahr 1730 einen geräumigen Marktplatz an (jetzt Hohenthalplatz, ein kleiner Park) und ließ sich zwischen 1728 und 1732 an der Friedrichstraße, an dem seit 1725 bestehenden Inneren Matthäusfriedhof, die evangelische Matthäuskirche errichten. Mit dem Entwurf der Kirche war der berühmte Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann beauftragt. Im Jahr 1731 benannte sich die Neustadt nach dem damaligen Kurprinzen, dem späteren Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen, in Friedrichstadt um. Das begehrte Stadtrecht bekam sie damals allerdings nicht. Auch bis zur Eingemeindung nach Dresden im Jahr 1835 konnte sie es nicht mehr erlangen. Hatte es um 1722 im Gebiet Ostra nur etwa 60 Grundstücke gegeben, so nahm die Anzahl der Wohnhäuser nach der Gründung der Friedrichstadt im Jahr 1731 schnell zu. Hinter den Gärten an der Ostrastraße bis hin zur Schäferei entstand ein neues Wohnviertel mit niedrigen Vorstadthäusern und einem regelmäßigen Straßennetz. Zu dieser Zeit richteten sich außerdem zahlreiche Angehörige des Hofadels sowie Dresdner Künstler ihren Sommersitz in der Friedrichstadt ein. Bis 1734 durften die Häuser der Dresdner Vorstädte nur aus Holz gebaut werden, damit man sie im Falle einer Belagerung schnell abbrennen konnte, um ein freies Sicht- und Schussfeld herzustellen. Das erste aus Stein gebaute Wohnhaus der Friedrichstadt entstand im Jahr 1738. Kurz darauf errichtete man an der Friedrichstraße mehrere schöne Barockhäuser, von denen einige Fassaden bis heute erhalten blieben. Der kurfürstliche Küchengarten (Menagerie) des Kammergutes befand sich westlich neben dem Inneren Katholischen Friedhof, wo sich heute eine Kleingartenanlage erstreckt. Östlich neben dem Inneren Katholischen Friedhof errichtete der berühmte Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann für seinen Sohn, den Hofmaler Adolph Pöppelmann, einen kleinen Palast in dessen Garten. Auf diesem Grundstück (Friedrichstraße 56) entstand im Jahr 1820 eine Spirituosenfabrik, die Ludwig Bramsch im Jahr 1839 übernahm und die noch in der Zeit der DDR in Betrieb war. Daneben (auf dem Grundstück Friedrichstraße 50) hatte sich Hofzahlmeister August Franz Essenius im Jahr 1738 ein Wohnhaus errichten lassen - das bereits erwähnte erste steinerne Wohnhaus der Friedrichstadt. Von 1747 bis zur Zerstörung des Hauses durch die anglo-amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 war hier ein katholisches Krankenstift eingerichtet. Dahinter, im Garten an der Magdeburger Straße, stand ab 1749 die katholische Pfarrkirche St. Michael. Im großen Gartenhaus Friedrichstraße 44 wurde im Jahr 1803 der berühmte Maler der Romantik Ludwig Richter geboren. Städtische Entwicklung nach der Eingemeindung nach Dresden im Jahr 1835 Im Jahr 1835 verlor die Friedrichstadt trotz gegenteiliger Bemühungen ihre Selbstständigkeit und erfuhr zusammen mit der Wilsdruffer und der Pirnaischen Vorstadt die Eingemeindung nach Dresden. Im Jahr 1836 wurde an der Weißeritzstraße das im Dölzschener Eisenhammer gegossene, von Ernst Rietschel entworfene Denkmal für König Anton von Sachsen (reg. 1827-1836) aufgestellt. Heute ist es auf dem Hohenthalplatz zu finden. Am westlichen Ende der Schäferstraße, in einem damals noch sehr abgelegenen Gebiet, legte das Dresdner Militär unmittelbar nach der Eingemeindung der Friedrichstadt seine Pulvermagazine an. Nach der Eingemeindung wählten zahlreiche Intellektuelle und Künstler diesen Stadtteil zum Wohnort. Professor Andreas Schubert, der Konstrukteur der ersten deutschen Lokomotive und des ersten sächsischen Personendampfschiffes, wohnte im Haus Friedrichstraße 46. Sein Untermieter war Hofkapellmeister August Röckel, der dann wegen seiner Teilnahme am Maiaufstand 1849 eine dreizehnjährige Haftstrafe verbüßen musste. Im Ostragut wohnte Vermessungsdirektor Moritz Pressler, der entscheidend an der Friedrichstädter Stadtplanung mitwirkte. Das Elbehochwasser im März 1845 überschwemmte große Teile der Friedrichstadt (auch im August 2002 wurde der Stadtteil gleich zweimal schwer getroffen - erst durch das verheerende Weißeritz-Hochwasser und etwa eine Woche später durch das Jahrhundert-Hochwasser der Elbe). Nicht zuletzt unter dem Eindruck dieses Hochwassers von 1845 regte Vermessungsdirektor Moritz Pressler an, die Weißeritz nach Cotta umzuleiten, auf dem ehemaligen Flussbett den Bahnhof Dresden-Mitte anzulegen, einen Straßendurchbruch zwischen dem Postplatz und der Schäferstraße zu schaffen und einen großen Elbhafen im Ostragehege zu bauen. Diese Vorschläge wurden dann nach und nach bis zum Jahr 1901 umgesetzt. Die direkte Verbindung zwischen dem Postplatz und der Schäferstraße war nach dem zwischen 1873 und 1875 vorgenommenen Durchbruch der Wettiner Straße (heute Schweriner Straße) und dem Bau einer neuen Weißeritzbrücke hergestellt. Bis dahin war die Friedrichstadt von der Dresdner Altstadt nur über die Ostra-Allee und die Weißeritz-Brücke an der Maxstraße zu erreichen gewesen. Die Stadt Dresden nutzte die Ostrawiesen nach der Eingemeindung der Friedrichstadt für die Fäkalienentsorgung. Ansonsten schüttete man die aus den Dresdner Abortgruben geräumten Fäkalien auch einfach bei Cotta in die Elbe. Fabrikbezirk ab 1878 Im Jahr 1878 erklärte der Dresdner Stadtrat die Friedrichstadt zum Fabrikbezirk. Die Berliner Privatbahn hatte im Jahr 1875 an der Waltherstraße den Berliner Bahnhof gebaut (heute besteht hier nur noch die S-Bahn-Haltestelle Dresden-Friedrichstadt). Er war der Endpunkt der Privatbahnstrecke Berlin-Dresden, die über eine bei Niederwartha gebaute Elbbrücke verlief. Später übernahm der sächsische Staat die Berliner Bahn und schuf in der Friedrichstadt einen großen Güter- und Rangierbahnhof (Verschiebebahnhof) sowie Eisenbahnwerkstätten, die später als Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Betrieb waren. Zum Rangierbahnhof gehört ein 2,5 km langer und bis zu 17 m (über Straßenniveau) hoher Ablaufberg, der mit dem Aushub der im Großen Ostragehege angelegten Flutrinne aufgeschüttet worden war. Im Jahr 1884 ging in der Friedrichstadt die Nähmaschinenfabrik Seidel und Naumann in Betrieb. In der Zeit der DDR wurde sie als Schreibmaschinenwerk fortgeführt. Nach weiteren Überschwemmungen wie der von 1890 verlegte man das Flussbett der Weißeritz, den Plänen von Vermessungsdirektor Moritz Pressler folgend, zwischen 1891 und 1893 nach Cotta. Diese Gelegenheit nutzte man für einen bis etwa 1900 andauernden gründlichen Umbau der Friedrichstadt. Zu dieser Zeit entstanden unter anderem der Elbhafen, die Großmarkthalle und der Bahnhof Dresden-Mitte, zu dem ein im Jahr 1901 fertiggestellter Hochdamm gehört, der bis zu der damals ebenfalls neu errichteten Eisenbahnbrücke führt. Letztere befindet sich direkt westlich neben der Marienbrücke, wo einst die Weißeritz in die Elbe mündete. Im Jahr 1913 ging im Großen Ostragehege auf einem aufgeschütteten und dadurch hochwasserfreien Areal der neue Dresdner Vieh- und Schlachthof in Betrieb. ![]() Die Firma Bienert, die eine Wassermühle, dann eine Dampfmühle an der Weißeritz in Dresden-Plauen betrieben hatte, ließ sich von William Lossow und Hans Max Kühne neben dem Elbhafen eine Mühle in Eisenbetonbauweise mit einem 64 m hohen Siloturm errichten. In Bienerts Hafenmühle, die damals zu den modernsten Mühlen Deutschlands gehörte, wurde unter anderem das im benachbarten Elbhafen angelandete Getreide gemahlen. Heute dient das Gebäude als Städtische Mühle. Auf dem ehemaligen Flussbett der Weißeritz entstanden neben der Großmarkthalle, dem Bahnhof Dresden-Mitte und dem Hochdamm auch die Kühlhallen (1911) und die Yenidze (1919), eine pseudo-orientalische, moscheeartige Zigarettenfabrik. Im Süden, nahe des Kohlenbahnhofes, wurden auf dem ehemaligen Flussgelände der Straßenbauhof und Anlagen der städtischen Lagerwirtschaft geschaffen. Die Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft übernahm im Jahr 1917 auch die an der Magdeburger und der Bremer Straße gelegenen Flächen des alten Ostra-Vorwerks. Noch heute werden diese vorrangig gewerblich genutzt. Freimaurer-Institut, Lehrerseminar und Schulen Nach der Hungersnot von 1771/72 gründeten Freimaurerlogen in der Friedrichstadt eine Armenschule für die Unterrichtung und Verpflegung von 30 Jungen und Mädchen. Daraus entstand später eine höhere Heimschule - das Freimaurer-Institut an der Institutsgasse. Dieses wechselte im Jahr 1899 zur Eisenacher Straße in Striesen. Dort bezogen nach 1945 die Kreuzschule und der Kreuzchor, deren Gebäude den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer gefallen waren, ihr Ausweichquartier. In der sehr armen Gemeinde Friedrichstadt besuchten im Jahr 1782 etwa 340 Kinder nur bescheidene Winkelschulen und etwa 760 Kinder gar keine Schule. Mit Hilfe von Stiftungen konnte man im Jahr 1784 einige Räume für den Unterricht mieten, bevor dann im Jahr 1785 eine Armen- und Realschule eröffnete. Das im Jahr 1827 erneuerte Schulgebäude an der Seminarstraße 11 (ehem. Badergasse) blieb erhalten. Es zeigt sich mit Inschriften, einem Relief und einem Türmchen. In die Armen- und Realschule zog im Jahr 1787 auch das erste sächsische Lehrerseminar, damals eine der bedeutendsten Lehrer-Ausbildungseinrichtungen Sachsens, ein. Der bekannte Pädagoge Friedrich Dinter war von 1797 bis 1807 als Direktor dieser Einrichtung tätig. Von 1865 bis 1910 besaß das Lehrerseminar dann an der Waltherstraße, nördlich der Kreuzung Schäferstraße, ein Gebäude, danach an der Teplitzer Straße in Strehlen. Künstlervereinigung "Die Brücke" Im Jahr 1905 schlossen sich die Architekturstudenten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff zu der später weltbekannten expressionistischen Dresdner Künstlervereinigung "Die Brücke" zusammen. Ihr erstes Gemeinschafts-Atelier richteten sie in der Friedrichstadt in einem ehemaligen Schuhmacherladen (Berliner Straße 78) ein. Die Künstler der "Brücke" widmeten sich auch dem damaligen Friedrichstädter Lebensmilieu und den sozialen Problemen in diesem Arbeiterwohngebiet. Zerstörung der Friedrichstadt im Februar 1945, Wiederaufbau Ein Denkmal in den Grünanlagen Ecke Friedrichstraße/Weißeritzstraße erinnert an die Blutnacht vom 25. Januar 1933. Damals hatte ein Polizeiüberfall auf eine Versammlung der organisierten Arbeiterschaft im Keglerheim neun Todesopfer gefordert. Dies war die letzte Arbeiterversammlung dieser Art vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Das Keglerheim fiel den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer. Die anglo-amerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 legten große Teile der Friedrichstadt in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau begann zunächst mit den wichtigsten Verkehrs- und Industrieanlagen wie den Kühlhallen, der Markthalle, dem Hafen, dem Schlachthof, dem Straßenbahnhof Waltherstraße, dem Verschiebe- und Güterbahnhof und dem Bahnausbesserungswerk. Auch das aus dem Palais Brühl-Marcolini hervorgegangene Friedrichstädter Krankenhaus wurde bald wieder aufgebaut und mit mehreren Erweiterungsbauten ergänzt. Ab 1974 stellten die Denkmalpfleger die Matthäuskirche, die historischen Bauteile des Palais Brühl-Marcolini und einige Barockfassaden an der Friedrichstraße wieder her. Während der Grundriss der Friedrichstadt weitgehend erhalten blieb, erfuhr die Bausubstanz des alten Arbeiterwohnviertels ab 1976 - zunächst im Umfeld der Berliner und der Vorwerkstraße - eine umfassende Modernisierung. An der Schäferstraße baute man unschöne Wohnblöcke, die das Stadtbild seitdem sehr beeinträchtigen. Zur Bewahrung der nicht wenigen architektonischen Kostbarkeiten der Friedrichstadt wurde im Jahr 1993 ein Denkmalpflegeplan für diesen Stadtteil beschlossen. Bei seiner Umsetzung traten aber bislang erhebliche Probleme mit der Finanzierung sowie mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen und Zuständigkeiten auf. In der Friedrichstadt sind deshalb noch heute viele brachliegende Grundstücke und verfallende Gebäude zu sehen. nach oben |