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Dresden in der Spätgotik und Früh-Renaissance (bis 1530) Aus der Stadtentwicklung bis 1485 Aus dem Jahr 1309, der Regierungszeit Markgraf Friedrichs I. (reg. 1306-1324), ist ein Siegel des Dresdner Rates mit den Insignien der Wettiner als ältestes Dresdner Stadtsiegel überliefert. ![]() Bild: Erstes Dresdner Stadtsiegel von 1309 Bild: Ratssiegel von Altendresden 1403 (links) und Dresden 1401 (rechts)Um 1380 gaben sich die Tuchmacher, die damals Dresdens größte Handwerkerzunft bildeten, eine Zunftordnung. Im Jahr 1400 erhielt die Stadt eine Rechtssatzung - die "Dresdner Willkür". Markgraf Friedrich IV. erlangte im Jahr 1423 die Kurwürde und regierte nun als Kurfürst Friedrich I. von Sachsen in der kurfürstlichen Residenz Meißen. Dresden stand zu dieser Zeit in seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung noch hinter solchen Städten wie Meißen, Freiberg und Pirna zurück. Ab 1434 durfte Dresden mit kurfürstlicher Erlaubnis jährlich am 24. Dezember einen "freien Markt" abhalten (einen Vorgänger des Dresdner "Striezelmarktes"). Die Stadt, deren Einwohner nicht nur Handwerker und Ackerbürger, sondern auch erfolgreiche Kaufleute, vor allem Tuchhändler waren, erhielt im Jahr 1455 das Stapelrecht für den Elbhandel und das Niederlagerecht für Waren nach Böhmen. Die Kaufleute mussten ihre Waren nun eine Zeit lang in Dresden anbieten, bevor sie weiterziehen durften. Dresden begann hierdurch die ältere Handelsstadt Pirna zu überflügeln. Die gemeinsam regierenden Brüder Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht (reg. 1464-1486) verlegten ihre Residenz von Meißen nach Dresden. Als Residenzstadt der Wettiner erfuhr die Stadt einen enormen politischen und wirtschaftlichen Aufstieg. Das inzwischen schon 500-jährige Meißen blieb Bischofssitz und auch wirtschaftlich erfolgreich, büßte jedoch politisch sehr an Bedeutung ein. In der Residenzstadt Dresden waren nun auch - anders als in der bisherigen Ackerbürgerstadt Dresden - fürstliche Repräsentationsbauten notwendig. Baumeister Arnold von Westfalen, der auch die Albrechtsburg in Meißen schuf, erweiterte das Dresdner Schloss, das ab 1382 aus der alten Burg umgebaut worden war, zwischen 1471 und 1476 mit einem neuen Westflügel und einem neuen Südflügel. Mit der neuen Ratsordnung von 1470 erhielten die Dresdner Handwerker größere Rechte - sie wurden ratsfähig. Die erste Dresdner Münze erschien im Jahr 1477. Im Jahr 1484 ging die hohe Gerichtsbarkeit vom Fürsten an den Rat der Stadt über. Die Einwohnerzahl Dresdens verblieb über Jahrhunderte hinweg auf niedrigem Niveau. Noch um 1480 lebten nur ca. 3.800 Menschen innerhalb der Stadtmauer, ca. 1.000 in den Vorstädten und ca. 1.200 in Altendresden. Die schlechten hygienischen Lebensbedingungen hatten eine geringe Lebenserwartung zur Folge und kriegerische Ereignisse sowie Seuchen wie z.B. die Pestepidemie im Jahr 1349 forderten viele Opfer. Nach der Leipziger Teilung des wettinischen Besitzes im Jahr 1485 residierte Kurfürst Ernst von Sachsen (reg. 1464-1486), der Begründer der ernestinischen Linie der Wettiner, in Weimar. In Dresden begann mit Herzog Albrecht die albertinische Linie der Wettiner. Die Stadt war nun Residenz der albertinischen Herzöge. Im Jahr 1547 erlangten diese unter Moritz von Sachsen die Kurwürde, was Dresden wieder zur Kurfürstlichen Residenz machte. Nikolaikirche, Kreuzkirche, Kreuzschule Die Kaufherren spielten in der am Schnittpunkt wichtiger Handelswege gelegenen Stadt Dresden eine bedeutende Rolle. Auch die Wahl der Ratsleute und Bürgermeister bstimmten sie wesentlich mit. Wahrscheinlich um 1170 ließen sie sich südöstlich des Stadtmarktes eine Markt- und Wegekirche errichten. Diese erste Stadtkirche Dresdens (zunächst eher eine Kapelle) wurde nach dem Schutzpatron der Kaufleute und Schiffer, dem Heiligen Nikolaus, Nikolaikirche genannt (solche Nikolaikirchen gab es damals auch anderenorts an den Handelsstraßen). Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1216. Im Jahr 1234 kam die Kreuzkapelle als Anbau hinzu. Wegen der in der Kreuzkapelle aufbewahrten Kreuz-Reliquie taufte man die Nikolaikirche im 14. Jahrhundert in Kreuzkirche um. Auch nachdem die Kreuzkirche ihre Bedeutung als Wegekirche der Kaufleute verloren hatte, blieb sie unter der Verwaltung des Brückenamtes und stand durch die Brückenkasse in engster Beziehung zur Elbbrücke. Die Brückenkasse wurde von den Spenden zahlreichen Wallfahrer gespeist. Der Brückenbau und die Behebung der damals recht häufigen Hochwasserschäden an den Brücken galt im Mittelalter und in der Renaissance als eine besonders christliche Tat und wurde auch von den Päpsten mit Geldern aus dem Ablasshandel unterstützt. Als erste Schule Dresdens wird die Kreuzschule um 1300 urkundlich erwähnt. Diese Lateinschule diente der Ausbildung von Ministranten und Chorknaben, die insbesondere die Liturgie in der Kreuzkapelle zu begleiten hatten. An der Kreuzschule waren später auch hussitische Prediger als Lehrer tätig, bis man diese im Jahr 1412 der Stadt verwies. Kapellen Die mittelalterlichen Kapellen Dresdens, von denen kaum eine die Zeit der Reformation überstand, waren eher schlicht gestaltet, in ihrer Architektur also weniger bedeutend. Dazu gehörte die auf einem Pfeiler der Elbbrücke stehende, erstmals im Jahr 1305 erwähnte Leichnam-Christi-Kapelle (später als Alexiuskapelle erneuert). Weiterhin gab es die Marienkapelle am wundertätigen Queckbrunnen und die Antoniuskapelle in der Nähe des heutigen Neustädter Bahnhofes. Die neben der (früheren) Frauenkirche stehende Maternikapelle (1563 abgebrochen) gehörte zum Maternihospital. Nach der Erweiterung des Residenzschlosses mit einem neuen Westflügel durch Arnold von Westfalen richtete man im Jahr 1480 hier eine Schlosskapelle ein. Im Jahr 1517 predigte Martin Luther in dieser Kapelle, im Jahr 1547 wurde sie abgebrochen und durch die bis 1737 genutzte neue Schlosskapelle im Elbflügel des Residenzschlosses ersetzt. ![]() Zu den wenigen Kapellen, die die Reformation überstanden, gehörten die kleine Kapelle im Rathaus am Altmarkt (1709 abgebrochen) und die in der Nähe des Freiberger Platzes stehende Bartholomäuskapelle von 1408 (nach wiederholter Erneuerung erst im 19. Jahrhundert abgebrochen). Bild: Bartholomäuskapelle (nach einer alten Grafik) Franziskanerkirche, Sophienkirche Im Westen der mittelalterlichen Stadt entstand um 1265 das Franziskanerkloster. Die zu dieser Zeit gebaute Franziskanerkirche (die Kirche des Klosters), nach der Frauen- und der Nikolaikirche der dritte Kirchenbau Dresdens, war ursprünglich wie eine typische Bettelordenskirche als langgestreckter, flachgedeckter, einschiffiger Saalbau mit geradem Chorabschluss gestaltet. Im Jahr 1351 erfuhr die Franziskanerkirche eine umfassende Erweiterung zu einer symmetrischen zweischiffigen, sechsjochigen Hallenkirche mit Chor-Doppelpolygon (einem ungewöhnlichen selbstständigen polygonalen Ostschluss beider Schiffe). Die Nordwand blieb dabei unverändert. Im Jahr 1421 kam der Blendnischengiebel im Westen dazu. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war die Einwölbung der Kirche vollendet. (Die beiden neogotischen Kirchtürme entstanden erst im Jahr 1864.) Am Ende des 14. Jahrhunderts kam an der Südseite der Franziskanerkirche - am Süd-Chor - die Busmannskapelle hinzu. Der Stifter und die Stifterin der Kapelle, die aus der Bürgermeisterfamilie Busmann stammten, waren hier mit zwischen 1400 und 1410 geschaffenen kostbaren, vorzüglich ausgeführten Konsolenfiguren (Bildnisbüsten) verewigt (heute werden diese ältesten bekannten plastischen Bildwerke Dresdens im Stadtmuseum aufbewahrt). Die Bildnisbüsten und der dazugehörige Engel zeigen einen starken Einfluss der Bildhauerschule der Prager Dombauhütte (der Parler-Schule), mit deren Triforiumbüsten sie vieles gemein haben. Nach 1538 - nach dem Einzug der Reformation in Dresden und der Auflösung des Franziskanerklosters - diente die Franziskanerkirche zeitweise als Getreidespeicher, Pferdestall und Depot des Zeughauses. Erst im Jahr 1598 sorgte Sophie, die Witwe von Kurfürst Christian I. von Sachsen, für die Wiederherstellung der kirchlichen Funktion. Im Jahr 1602 wurde die ehemalige Franziskanerkirche als protestantische Kirche neu geweiht und nun Sophienkirche genannt. Später diente sie als Protestantische Hofkirche. (Bei den Bombenangriffen im Februar 1945 wurde die Sophienkirche, wie alle Gebäude im Umfeld des Postplatzes, stark zerstört und im Jahr 1962, trotz eines wiederaufbaufähigen Zustandes, endgültig abgebrochen.) Stadtkernforschung Die sächsische Spätgotik brachte bedeutende Bauwerke hervor, z.B. die Albrechtsburg in Meißen und die Hallenkirchen in Annaberg und Pirna. Aus der frühen Zeit Dresdens vor der Renaissance blieben dagegen keine Bauwerke erhalten. Das Aussehen und die Lage der Dresdner Bauten dieser Zeit kann nur unvollständig rekonstruiert werden. Auch die ursprünglich als romanische Basilika und dann als eine für die obersächsische Spätgotik typische Hallenkirche gebaute Kreuzkirche ist später mehrmals zerstört und in einem anderen Stil wieder aufgebaut worden. Im Dresdner Stadtgebiet besitzt die Kirche von Briesnitz noch einige mittelalterliche Bauteile im Triumpfbogen und in den Umfassungsmauern des Chores. Im Zuge des Wiederaufbaus der im Krieg zerstörten Innenstadt fand ab 1952 eine systematische archäologische Stadtkernforschung unter der Leitung des Landesmuseums für Vorgeschichte statt. Schwerpunkte waren das Gebiet des Altmarktes (der alte Stadtkern), der Bereich um die Frauenkirche (die älteste Siedlung am Ort) und das rechte Elbufer (ehem. Altendresden). Mehr als 200 Bohrungen sowie viele Bodenaufschlüsse gehörten dazu. Nach 1990 fanden Ausgrabungen insbesondere im Rahmen der Wiederbebauung von Altmarkt und Neumarkt statt. Im Altmarktgebiet fand man runde und rechteckige Holzbrunnen aus früher Zeit. Spätere Brunnen waren mit Plänerplatten und zuletzt mit Sandsteinquadern in Ringspannung gebaut. Nach Ende ihrer Verwendung als Wasserquelle wurden sie als Abfall- oder Fäkaliengruben genutzt. Das früheste Wasserleitungssystem bestand aus Holzröhren. Später kam die Blochmannsche Sandsteinleitung in Gebrauch. Erste modernere Wasserleitungen sind aus dem 19. Jahrhundert überliefert. An den Ausgrabungsstätten fand man überwiegend Keramiken, auch gut datierbare Importware, sowie viele Holzgegenstände, einige Glaswaren und wenige Metallgegenstände. Vor den Stadttoren und am Neustädter Ufer (dort ab dem 14. Jahrhundert) gab es mehrere Töpferwerkstätten, von denen man Werkstattreste und Fehlbrände fand, was eine Rekonstruktion der Brenntechniken ermöglichte. Im frühen 13. Jahrhundert war die spätslawische Methode im Gebrauch, später entwickelten sich für Dresden typische Formen und Techniken. Die Handtöpferscheibe wurde von der schnellrotierenden Blockscheibe und der Reduktionsbrand vom Oxydationsbrand abgelöst. nach oben |