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Reformation, Kurfürst Moritz, Kurfürstliche Residenz (1530-1553) Reformation ![]() Martin Luther predigte schon in den Jahren 1517/18 in der Dresdner Schlosskapelle, doch Herzog Georg der Bärtige vermochte noch alle Reformationsbestrebungen in seinem albertinischen Herrschaftsgebiet zu unterdrücken, während sich der Reformationsgedanke in dem von Wittenberg aus regierten ernestinischen Sachsen schnell ausbreitete. Dazu trug auch der gerade erfundene Buchdruck bei, der in Dresden im Jahr 1524 eingeführt wurde. Der erste namentlich bekannte Dresdner Buchdrucker Wolfgang Stöckel ließ sich im Jahr 1526 in der Stadt nieder. Bild: Martin Luther (nach einem Gemälde von Lucas Cranach d.Ä.) Mit einem feierlichen Gottesdienst im Jahr 1539 in der Kreuzkirche hielt die Reformation unter Herzog Heinrich dem Frommen, dem Bruder und Nachfolger von Herzog Georg, auch in Dresden Einzug. Sachsen, das erste lutherische deutsche Land, hatte bis 1697, als August der Starke zum katholischen Glauben wechselte, um König von Polen werden zu können, die Führung unter den evangelischen deutschen Ländern inne. Die sächsischen Klöster - darunter auch das Dresdner Franziskanerkloster und das Altendresdner Augustinerkloster - wurden ab 1539 aufgelöst. Viele Geistliche, die nicht konvertierten, zogen sich mit einer Pension ins Privatleben zurück. Der Kurfürst und die Räte von Dresden und Altendresden vereinnahmten einen großen Teil der beträchtlichen Klostergüter. Das Inventarverzeichnis des Augustinerklosters von 1539 nennt einen reichen Silberschatz mit vielen kunsthandwerklich wertvollen Stücken. Auch der beachtliche Grundbesitz, über den das bei Nossen gelegene Kloster Altzella im Umland von Dresden verfügte, fiel an den Dresdner Rat. Neben dem Landesherren profitierte also auch das Bürgertum außerordentlich von der Einführung der Reformation. Beginn des Umbaus Dresdens in eine Renaissance-Stadt, Erweiterung der Stadtfestung Der große Stadtbrand von 1491 hatte große Teile der überwiegend aus Holzbauten bestehenden Stadt Dresden vernichtet. Mehr als die Hälfte der etwa 470 Häuser der Stadt und die Kreuzkirche waren verbrannt. Eine neue Bauordnung schrieb nun - unter dem Eindruck des Brandes - Ziegeldächer, steinerne Fassaden bis zum ersten Stock und durchgehend massive Eckhäuser vor. Dazwischen zogen sich aber auch weiterhin schlammige, von Unrat stinkende Gassen hin, in denen die Schweine wühlten. Erst im Jahr 1545, als sich Dresden von einer mittelalterlichen in eine Renaissance-Stadt zu wandeln begann, wurde die Viehhaltung innerhalb der Stadtmauern verboten. Im Jahr 1519 begann eine Modernisierung und Erweiterung der Dresdner Festungsanlagen - wahrscheinlich auch angesichts der von den über den Balkan heranrückenden Türken ausgehenden Gefahr. Das gegenüber von Dresden am Nordufer der Elbe gelegene Altendresden (heute Innere Neustadt) erhielt zu dieser Zeit eine erste Befestigung. Herzog Georg ließ die Stadtmauer um 1525 nach Osten über das Gebiet der Frauenkirche hinweg erweitern. Am neuen Ostwall entstanden um 1530 zwei neue Stadttore: das Rampische Tor und das Ziegeltor (Schiffstor). (Letzteres wurde dann schon um 1590 bei der Errichtung der Jungfernbastion wieder überbaut und blieb so bis heute erhalten, s. Museum Festung Dresden). Das nun überflüssige Frauentor der alten Ostmauer wurde im Jahr 1548 abgerissen (bei der Vorbereitung der im Jahr 2005 begonnenen Wiederbebauung des Neumarktes kamen auch einige Reste des Frauentores zum Vorschein). Kurfürst Moritz macht Dresden zur Kurfürstlichen Residenz ![]() Im Jahr 1547 ging die Kurwürde - nach der Schlacht bei Mühlberg und der Wittenberger Kapitulation - von der ernestinischen an die in Dresden residierende albertinische Linie der Wettiner über. Unter Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) wurde Dresden nun Kurfürstliche Residenz, Hauptstadt des führenden protestantischen Landes und Mittelpunkt des evangelischen Lebens in Deutschland. Die Stadt erfuhr hierdurch einen enormen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufstieg. Bild: Kurfürst Moritz von Sachsen (Gemälde von Lucas Cranach d.J.) Im Jahr 1549 vereinigte sich Dresden, in dem etwa 6.500 Einwohner in 490 Häusern lebten, mit der rechtselbischen Stadt Altendresden. Vorher war Dresden im Vergleich zu anderen Städten wie Leipzig, Chemnitz, Freiberg oder Annaberg eher unbedeutend gewesen. Jetzt entwickelte es sich zu einer weithin gerühmten und politisch bedeutenden Renaissance-Stadt. Um 1549 zählte Dresden 47 Handwerkerinnungen mit 707 Meistern. Die neue Funktion der Stadt als Kurfürstliche Residenz und die Vereinigung Dresdens mit Altendresden erzwangen eine Neuordnung der handwerklichen Zünfte. Zu den Zünften der Bäcker, Müller, Fleischer, Tuchmacher, Schuhmacher, Schneider, Kürschner und Leineweber kamen zu jener Zeit auch zahlreiche neue hinzu: Goldschmiede, Elfenbeindrechsler, Posamenten- und Büchsenmacher (um 1545), Schlosser (1545), Töpfer (1547), Wagner und Stellmacher (1550), Steinmetzen (1555), Gürtler (1561), Buchbinder (1564), Barettmacher (1567) und Kannengießer (1570).Bild: Petschaften Dresdner Gewerke (oben links: Büttner 1654, oben rechts: Tuchmacher 1523, unten links: Schuhmacher 1696, unten rechts: Lohgerber 1551) Zusammen mit süddeutschen und italienischen Künstlern und Handwerkern mussten die Dresdner Zünfte nun auch die prächtigen Hoffeste dieser Zeit, die Turniere, Kampfspiele und Tierhetzen, unter Aufsicht der Hofarchitekten ausgestalten. Auch die Ausstattung des Kurfürstlichen Hofes mit wertvollen Möbeln und anderen repräsentativen Einrichtungsgegenständen lag zum Teil in ihrer Hand, was zu einer großen Entwicklung und Verfeinerung der Künste in den Dresdner Manufakturen beitrug. Residenzschloss und andere höfische Renaissance-Bauten Bis etwa 1530 fand Dresden in zeitgenössischen Aufzählungen bedeutender Städte - anders als z.B. Leipzig, Freiberg, Chemnitz und Annaberg - kaum Erwähnung, was auf eine von ihrer Gesamtarchitektur her eher bescheidene Wirkung der Stadt auf ihre Besucher schließen lässt. Dies änderte sich mit dem Aufbau der Renaissance-Stadt Dresden, der unter Kurfürst Moritz von Sachsen begann und unter seinem Nachfolger, Kurfürst August von Sachsen (nicht mit August dem Starken verwechseln!) zum Höhepunkt gelangte. Der Stil der Renaissance hielt in Sachsen vergleichsweise spät Einzug. Erst die im Jahr 1518 nach dem Annaberger Hüttenstreit gegründete Dresdner Bauhütte gab den Anstoß für die Durchsetzung dieses Baustils in der Stadt. Erste Renaissance-Bauten waren schon unter Herzog Georg dem Bärtigen (Georgenbau) entstanden, doch erst ab 1547 wurde mit Kurfürstlichen Bauordnungen versucht, nach der recht wilden mittelalterlichen Bebauung ein geordnetes Stadtbild herzustellen, also Dresden zu einer Renaissance-Stadt und würdigen Kurfürstlichen Residenz zu machen. Die in Dresden weilenden italienischen Renaissance-Künstler prägten den Stil von Kunst und Architektur wesentlich mit. Vor allem Profanbauten, also kurfürstliche und bürgerliche Bauwerke, zeigten nun diesen Baustil, kirchliche Bauten dagegen kaum. Kurfürst Moritz beauftragte Caspar Voigt von Wierandt mit dem Umbau des Residenzschlosses in ein der Residenzstadt würdiges Renaissance-Schloss. Der resultierende Vierflügelbau war mit seinem von deutschen und italienischen Bildhauern geschaffenen reichen plastischen Schmuck und seiner herrlichen Sgraffito-Dekoration der Fassaden eines der prachtvollsten Bauwerke der deutschen Renaissance. (Der Historiker Fritz Löffler schrieb 1982: "Niemals wieder sind Architektur, Plastik und Malerei in Dresden zu einer solchen Einheit verschmolzen worden wie in diesem Schlossbau.") ![]() Bild: Rekonstruierte Renaissance-Dekoration im Großen Schlosshof Nach der Erweiterung des Schlosses nach Westen war der große Schlossturm kein Eckturm mehr, sondern stand nun in der Mitte des Elbflügels. Im neuen Westflügel richtete man die "Geheime Verwahrung" für die kurfürstlichen Schätze und Dokumente ein. Wegen der grünen Ausmalung der Räume wurde sie ab 1572 Grünes Gewölbe genannt. Im Schlosshof errichteten die Baumeister drei Wendeltreppen. Im Ostflügel entstand der Riesensaal, dessen Name nicht auf seine Größe, sondern auf Bildnisse von Giganten an den Wänden zurückgeht. Im Umfeld des Schlosses entstanden mehrere weitere Renaissance-Prachtbauten. Im Bereich zwischen dem Zwingerwall und dem späteren Kurländer Palais wuchs ein herrschaftliches, der kurfürstlichen Repräsentation dienendes Viertel heran. (Später wurde es barock ergänzt, jedoch aus Achtung vor den Renaissance-Baumeistern - und wegen stets beschränkter finanzieller Mittel - nicht barock überbaut, so dass viel von der Renaissance-Architektur des Schloss-Komplexes - einschließlich Stallhof und Johanneum - bis heute erhalten blieb.) Das erste bedeutende Renaissance-Bauwerk Dresdens, der Georgenbau (Georgentor), war schon zwischen 1530 und 1535 unter Herzog Georg am Ort des auf die Elbbrücke führenden Elbtores der Stadtfestung (östlich neben dem Schloss gelegen) errichtet worden (die Aufschüttung des Schlossplatzes erfolgte erst etwa 200 Jahre später). In seinem Stil vermischten sich die oberitalienische Renaissance, die mittelalterliche deutsche Architekturtradition und die französische Schlossbautradition. Neue Stadtfestung Unter der Leitung von Caspar Voigt von Wierandt begann im Jahr 1548 eine umfassende Modernisierung der Dresdner Fortifikation nach niederländisch-italienischem Vorbild. Kurfürst Moritz hatte solche Wehranlagen in Antwerpen und Gent kennengelernt. Sicher ahnte er, dass sehr kriegerische Zeiten bevorstanden, in denen die neuen protestantischen Kräfte hart mit den katholischen Mächten zu ringen hatten. Dresden als Residenzstadt der führenden protestantischen Kraft in Deutschland würde dabei einen besonders starken Schutz benötigen. So erhielt Dresden bis 1591 eine der mächtigsten Stadtfestungen Europas. Die Stadtfestung besaß hohe Wälle und weit vorspringende dreieckige Bastionen (Basteien) in Ravelinform (sternförmiger Anlage). Diese winklige Gestalt und die rückwärtigen Erdaufschüttungen bis zur Höhe des Wehrganges minderten die Gefahr einer Zerstörung durch Kanonenbeschuss. (Die Technik der Feldartillerie hatte bis dahin enorme Fortschritte gemacht.) In den mächtigen, mit Quadermauern umkleideten Erdwällen befanden sich Kasematten (s. Museum Festung Dresden). Die Stadttore führten als Tunnelanlagen durch diese Wälle hindurch. ![]() Bild: Kleine Bastion der Brühlschen Terrasse als Überbleibsel der einstigen Dresdner Stadtfestung Am Schloss entstand ein neuer Wall, der bis zum Georgentor erweitert wurde. Vor der Nordwestecke des Schlosses und an der Franziskanerkirche im Westen baute man Halbbastionen. Bis 1549 waren auch die Wilsdruffer Bastion im Westen, die Seetorbastion im Süden und das Neue Tor (Salomonistor) im Osten fertiggestellt. nach oben |