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Dreißigjähriger Krieg, Dresden im Frühbarock (1618-1694) Dreißigjähriger Krieg und Nachkriegszeit Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, der Deutschland nahezu entvölkerte, blieb Sachsen, das zu dieser Zeit von Kurfürst Johann Georg I. (reg. 1611-1656) regiert wurde, bis 1631 neutral, danach brach der Krieg auch in dieses Land ein. Dresden blieb - nicht zuletzt wegen der mächtigen Stadtfestung - von Zerstörungen verschont, doch um 1632/33 wütete die Pest in der Stadt und raffte wie auch die Hungersnot einen großen Teil der Bevölkerung dahin. Wirtschaft und Handel gingen zugrunde. Altendresden (die spätere Neustadt) war lange Zeit nur unzureichend gesichert. Caspar Voigt von Wierand hatte ab 1545 erste Pläne für eine Verstärkung der Befestigung von 1519 zu verwirklichen begonnen, doch erst um 1632 war diese rechtselbische Siedlung von einer unter der Leitung von Wilhelm Dilich errichteten wehrhaften Stadtfestung mit vier Bastionen sowie zwei am Elbufer stehenden Halbbastionen umgeben. Die beiden wichtigsten der vier Stadttore Altendresdens waren das Bautzner Tor (Schwarze Tor) im Norden und das Leipziger Tor (Weiße Tor) im Westen. Im Jahr 1639 brannten schwedische Truppen die Vorstädte teilweise nieder, die Stadtfestung vermochten sie jedoch nicht zu bezwingen. Auch im Jahr 1643 gelang es ihnen nicht. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, nach dem Westfälischen Frieden, wurde auf dem Neumarkt der Friedensbrunnen errichtet (er steht heute vor dem Johanneum). Im Jahr 1683 ersetzte man die Figur des Brunnens und nannte ihn fortan Türkenbrunnen. Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (reg. 1680-1691) war in jenem Jahr zusammen mit dem polnischen König Jan Sobieski (ab 1697 war dann Kurfürst Friedrich August I. - August der Starke - König von Polen), siegreich vom Türkenkrieg heimgekehrt. Die von Kara Mustapha befehligten Türken waren bei Wien geschlagen worden. Um 1670 gewährte Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (reg. 1656-1680) zahlreiche Vergünstigungen für Gewerbe- und Wohnansiedlungen in der Vorstadt Ostra (der späteren Friedrichstadt). Ab 1690 entstanden hier bedeutende Manufakturen wie z.B. eine Salpeterhütte und eine Wachsbleiche. Im Jahr 1679 erschien die "Weck'sche Chronik", die von Anton Weck verfasste erste gedruckte Chronik Dresdens. Ab 1684 wurden die Befestigungsanlagen von Altendresden (der späteren Neustadt) nach Plänen von Wolf Caspar von Klengel wesentlich verstärkt. Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen (reg. 1691-1694) verstarb früh an den Pocken, so dass im Jahr 1694 sein Bruder Friedrich August I. (August der Starke) Kurfürst von Sachsen wurde. Frühbarocke Bauten in Dresden Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ruhte das Dresdner Bauschaffen nahezu ganz. Aus der Zeit nach dem Krieg, aus der Übergangsphase von der Spätrenaissance zum Frühbarock, blieben in Dresden nur wenige Bauten erhalten, von der Innenarchitektur nichts. Als Beispiel für eine Innenausstattung dieser Zeit können die Wandmalereien und Deckenbilder des nach 1650 von Ezechiel Eckhardt gebauten Schlösschens Hoflößnitz in Radebeul dienen. Unter Wolf Caspar von Klengel (1630-1691), Enkel von Renaissance-Baumeister Paul Buchner und gebürtiger Dresdner, vollzog sich in der Dresdner Architektur der Übergang von der Renaissance zum Barock. Der Baumeister hatte diesen Stil bei seinen Studienreisen in Italien kennengelernt. Oberlandbaumeister Klengel war außerdem Lehrer von Johann Georg IV. und Friedrich August I. (August dem Starken). Im Auftrag von Kurfürst Johann Georg II. baute Wolf Caspar von Klengel zwischen 1664 und 1667 auf dem Taschenberg südwestlich neben dem Residenzschloss das erste feste Opern- und Komödienhaus Dresdens. In diesem Haus mit etwa 2.000 Plätzen fanden zunächst fast nur musikalische Aufführungen, also Oper und Ballett statt (Theater war am Hofe wenig beliebt und beschränkte sich damals fast nur auf die Auftritte von Komödianten in den Vorstädten zur Volksbelustigung). Bis 1672 war Hofkapellmeister Heinrich Schütz in diesem Opernhaus tätig. Aufgeführt wurden vor allem italienische Opern, die zu dieser Zeit in Mode kamen. Von 1707 bis 1754, dem Jahr der Fertigstellung der neuen Hofkirche, diente das Haus vorübergehend als Katholische Hofkirche (August der Starke war zum katholischen Glauben gewechselt, um an die polnische Königskrone gelangen zu können), dann ab 1755 als Ballhaus. Zwischen 1674 und 1676 baute Wolf Caspar von Klengel den großen Schlossturm in den 101 m hohen Hausmannsturm um. Er bekrönte ihn mit einer mächtigen barocken welschen Haube mit offener Laterne. Bis 1945 war dieser Turm das höchste Gebäude Dresdens. Die zahlreichen in dieser Zeit entstandenen Barockgärten Dresdens gingen später wieder verloren - entweder durch Zerstörung oder durch Umgestaltung in Landschaftsparks nach englischem Vorbild. Dies gilt auch für den nach umfangreichen Grundstücksaufkäufen (ab 1676) im Jahr 1678 angelegten Großen Garten, den Johann Friedrich Karcher ab 1683 nach den Regeln der französischen Gartenkunst - nach dem Vorbild von Versailles - zu einem Barockgarten formte. Rings um die Stadt entstanden zu dieser Zeit weitere barocke Lustgärten, Gartenpalais und Landhäuser. Das von Klengels Nachfolger, Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke, zwischen 1678 und 1683 als Sommerhaus gebaute Palais im Großen Garten war der erste bedeutende Barockbau Dresdens und zugleich auch der erste Bau im besonderen Stil des deutschen Barock. Die Architektur dieses Gebäudes mit seiner betonten horizontalen und vertikalen Gliederung (Seitenflügel vorgezogen, Mittelrisalit herausgehoben, doppelläufige Freitreppe, Dreiecksgiebel, großer Segmentgiebel, sehr streng geordneter Schmuck) weicht etwas vom klassischen Barock ab und zeigt einen eigenständigen, strengeren deutschen Stil. Die leider verloren gegangene Innenausstattung war in einem überaus prächtigen Frühbarock gestaltet. nach oben |