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Kurfürst Friedrich August II., Dresden im Spätbarock (1733-1763)

Dresden unter Kurfürst Friedrich August II.
Kurfürst Friedrich August II.
Nach dem Tod von August dem Starken im Jahr 1733 übernahm dessen Sohn die Regierung als Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1733-1763). Als König August III. von Polen trug er ab 1734 auch die polnische Königskrone (Bild: Gemälde von Louis de Silvestre).

Friedrich August II. war recht fromm und sittenstreng und soll ein glückliches Familienleben geführt haben. Die Mätressenwirtschaft seines Vaters war ihm verhasst. Der einst recht sinnesfrohe Lebensstil des sächsisch-polnischen Hofes wandelte sich unter seiner Herrschaft in ein eher stilles Hofleben. Statt pompöser Feste unter Beteiligung ganz Dresdens gab es nun sehr intime Festlichkeiten des Adels unter Ausschluss der Öffentlichkeit, was sich auch auf die Architektur dieser Zeit auswirkte. Der Zwinger wurde kaum noch genutzt. Die Bautätigkeit verlagerte sich stärker in das Dresdner Umland.
Während August der Starke die Porzellansammlung und das Grüne Gewölbe zu den reichsten Sammlungen Europas gemacht hatte, erfuhr unter Friedrich August II. die Gemäldegalerie eine umfassende Erweiterung. Im Jahr 1754 kam Raffaels "Sixtinische Madonna", das Hauptwerk der Galerie, nach Dresden. Durch die von hohem Kunstverständnis geleitete Sammelleidenschaft des Landesherren entwickelte sich die Dresdner Galerie zu einer der bedeutendsten Gemäldesammlungen Europas.

In der Zeit Friedrich Augusts II. erreichte auch das sächsische Musikleben eine führende Stellung in Deutschland. In Dresden entwickelten der Komponist und Hofkapellmeister Johann Adolph Hasse (1699-1783) und seine Frau, die Mezzo-Sopranistin Faustina Bordoni, die italienische Oper zu höchster Blüte. Der in Freiberg tätige Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683-1753) führte die Orgelbaukunst zur Vollkommenheit.

Der Kurfürst und König berief Graf Heinrich von Brühl im Jahr 1733 zum Generaldirektor der Kunstsammlungen, im Jahr 1738 zum Außenminister und im Jahr 1746 zum Premierminister. Als Günstling des Kurfürsten und Königs nahm Graf Brühl nun eine Schlüsselrolle am sächsischen Hof ein.

Um 1755 lebten etwa 63.000 Einwohner in Dresden und den Vorstädten, darunter etwa 22.300 innerhalb der Altstädter Festung.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) verheerten die Preußen das sächsische Territorium. In den Jahren 1758/59 brannten sie die Dresdner Vorstädte nieder. Am 19./20. September 1760 ließ Friedrich der Große die Stadt von seiner Artillerie zerschießen. Ein Drittel aller Dresdner Bauwerke fiel in Trümmer - 226 Häuser und damit fast der ganze Osten der Altstadt wurden zerstört, auch die Kreuzkirche, die Annenkirche und das Brühlsche Palais. Der Belagerung durch die preußischen Truppen konnte die Stadtfestung zu dieser Zeit aber noch standhalten.

Die Trümmer wurden nach dem Krieg nur langsam beräumt. Das von den Preußen gesprengte Belvedere auf der Jungfernbastion blieb bis 1814 eine Ruine. Noch im Jahr 1768 war Johann Wolfgang von Goethe erschüttert über den Anblick der Stadt, der sich ihm von der Kuppel der Frauenkirche, die dem Beschuss standgehalten hatte, bot. Er schrieb: "Die Mohrenstraße im Schutt so wie die Kreuzkirche mit ihrem geborstenen Turm drückten sich mir tief ein und stehen noch wie ein dunkler Fleck in meiner Einbildungskraft."


Dresdner Architektur ab 1728
Die Dresdner Barock-Architektur entwickelte ab 1728, vor allem unter dem Einfluss von Oberlandbaumeister Knöffel, eine eher zurückhaltende Rationalität. Dies zeigte sich z.B. am Kurländer Palais von 1728/29 (1945 zerstört), im 1737 begonnenen Brühlschen Palais (1899 abgebrochen), im Altstädter Rathaus von 1740 (1945 zerstört) und im Neustädter Rathaus von 1750 (1945 zerstört).

Das in den Jahren 1728/29 von Johann Christoph Knöffel für den Generalfeldmarschall und Oberinspekteur des Bauwesens Graf von Wackerbarth errichtete Palais wurde später wegen des hier wohnenden sächsischen Prinzen Carl, der für eine kurze Zeit Herzog von Kurland war, Kurländer Palais genannt.

Im Jahr 1736 hob eine neue Bauordnung das Verbot der massiven, steinernen Bauweise in den Vorstädten auf. Die alte Regel, nach der man das Schussfeld vor der Stadtmauer notfalls durch das Abbrennen der hölzernen Vorstädte freimacht, wurde aufgegeben. Die neue Bauordnung, die drei Bauzonen vorsah, sollte eine einheitliche Bebauung der Vorstädte sichern.

Zwischen 1726 und 1743 errichtete George Bähr im Auftrag des Dresdner Bürgertums die neue Frauenkirche. Mit ihrer monumentalen Großartigkeit und Originalität erreichte der bürgerlich-protestantische Kirchenbau Sachsens seinen Höhepunkt. (Nachdem sie im Februar 1945 im Feuersturm ausgebrannt und schließlich eingestürzt war und danach mit ihrer Ruine jahrzehntelang als Mahnmal gegen den Krieg gedient hatte, überragt die Frauenkirche heute wieder die Dresdner Altstadt.)

Als Gegenstück zur protestantischen Frauenkirche ließ der katholische Kurfürstlich-Königliche Hof zwischen 1739 und 1754 vom italienischen Baumeister Gaetano Chiaveri direkt neben dem Residenzschloss die Katholische Hofkirche im Stil des römischen Hochbarock errichten. Die Dresdner Architekten standen dem Hofkirchenbau ablehnend gegenüber, weil dieser römisch-hochbarocke Baustil bei ihnen um 1750 bereits als veraltet galt. Die Hofkirche war mit ihrem Standort auf den geplanten, aber nie verwirklichten Schlossneubau an der Elbseite des Zwingers abgestimmt. (Seit dem Jahr 1981, als Dresden Sitz des Bistums Dresden-Meißen wurde, trägt die Kirche den Titel Kathedrale St.Trinitatis. Die Dresdner werden sie aber wohl weiter einfach nur Hofkirche nennen.)

Im Jahr 1747 trat ein neues General-Baureglement für Dresden in Kraft.

Nach dem Bau der Hofkirche und der Frauenkirche und der Anlage des Brühlschen Gartens auf dem Festungswall zeigte sich die der Elbe zugewandte Altstadtseite ab 1749 in einem vollkommen neuen Gesicht.

Das Bauschaffen im Stil des Dresdner Spätbarock, in das alle bedeutenden Architekten des Oberlandbauamtes einbezogen waren, hielt in Dresden noch bis etwa 1760 an. Dann beendete der Siebenjährige Krieg diese Bauphase. Der Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadtbereiche stand bereits im Zeichen der klassizistischen Bauweise. Schon solche Barockbaumeister wie Knöffel und Longuelune hatten klassizistische Elemente in ihre Bauwerke einfließen lassen (siehe z.B. Longuelunes Blockhaus).



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