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Dresdner Stadtgeschichte
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Bürgerliche Reformen, Dresdner Maiaufstand, Historismus (1828-1854)

Bürgerliche Reformen, Anfänge der Industrialisierung
Nach den Unruhen von 1830 kam das sächsische Volk in den Genuss bürgerlicher Reformen. Sachsen gab sich im Jahr 1831 eine neue Verfassung, die die Rechte des Königs und die Vorrechte der Stände beschnitt und den Bürgern ein (beschränktes) Wahlrecht einräumte. Die Kunstsammlungen und zahlreiche Schlösser gingen in Staatseigentum über. Die neue Ständekammer richtete sich im Jahr 1832 im Alten Landhaus ein.

Im Jahr 1832 wurde die "Allgemeine Städteordnung" eingeführt. Die allgemeine Schulpflicht begann 1835, das erste Dresdner Einwohneramt eröffnete 1853 im Coselpalais.

Die Dresdner Gasbeleuchtung ging im Jahr 1828 in Betrieb. In den Jahren 1836/37 konstruierte der Dresdner Erfinder Johann Andreas Schubert in Übigau das erste Elbe-Dampfschiff "Königin Maria" und die erste deutsche Eisenbahn "Saxonia". Schon 1837 nahm die Sächsisch-Böhmische Dampfschifffahrtsgesellschaft den Verkehr zwischen Dresden und Rathen auf, und ab 1839 fuhren Züge auf der ersten deutschen Eisenbahnfernverbindung zwischen Dresden und Leipzig.

Auch die deutsche Fotoindustrie nahm ihren Anfang in Dresden. Im Jahr 1839 begann der Optiker Friedrich Wilhelm Enzmann als einer der ersten in der Welt mit der Herstellung von Fotokameras. (Der Dresdner Kamerahersteller Pentacon, der dann ab 1887 zunächst als Kamerafabrik Richard Hüttig firmierte, war einer der Pioniere dieser Branche und 1906 der größte Kameraproduzent Europas. Pentacon brachte 1936 die weltweit erste Spiegelreflexkamera auf den Markt.)

Im Jahr 1853 fertigte Hermann Krone, der an der Kunstakademie bei Ludwig Richter studiert hatte, die ersten Landschaftsfotografien in der Sächsischen Schweiz an. Im Jahr 1869 gründete er dann die Photografische Gesellschaft zu Dresden.


Abbruch der Stadtfestung
Schon im 18. Jahrhundert war der Schutz einer Stadt durch Festungsanlagen zweifelhaft geworden - nicht zuletzt infolge der rasanten Entwicklung der Artillerietechnik. Schon beim Bau des Zwingers und der Katholischen Hofkirche waren die Bastionen durchbrochen worden. Auf dem Außenwall wie auch auf Bereichen des Hauptwalls hatte man Häuser errichtet und Gärten angelegt.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wollte der Landesherr die Festungswerke abtragen lassen und Dresden zur offenen Stadt erklären. Diesen Plänen wurde jedoch nicht weiter nachgegangen. In diesen Notzeiten hätten auch die Finanzmittel dafür gefehlt.

Kaiser Napoleon I. verlangte den Abbruch der Dresdner Befestigungswerke. Dieser begann im Jahr 1806 in der Neustadt und um 1809 unter der Leitung von Oberst Backstroh in der Altstadt, wurde allerdings erst ab 1817 auf Drängen großbürgerlicher Kreise energischer vorangetrieben und zog sich mit Unterbrechungen bis 1829 hin. Nur in der Neustadt kamen die Arbeiten schon um 1817 im wesentlichen zum Abschluss.

Von der Altstädter Festung blieb wenig erhalten: die Brühlsche Terrasse mit der Jungernbastion, der Zwingerwall sowie einiges Mauerwerk an den Zwinger-Langgalerien und am Elbufer westlich der Augustusbrücke. Diese Reste fügen sich heute recht unauffällig in das Stadtbild ein.

In der Neustadt wurde das ehemalige Festungsgelände nach Plänen von Gottlob Friedrich Thormeyer, einem Vertreter des klassizistischen Städtebaus, bis 1831 fast vollständig neu bebaut. Heute erinnert nur noch der Wall am Japanischen Palais an die Neustädter Festungswerke. In Abweichung von Klengels altem Straßensystem entstand am ehemaligen Schwarzen Tor ein Sternplatz (der spätere Albertplatz) als neuer Verkehrsknoten, von dem wichtige Straßen der nun wesentlich vergrößerten Neustadt ihren Ausgang nehmen. Die neuen Wohnanlagen in der Antonstadt gestaltete Thormeyer in einem reizvollen Stilgemisch aus Klassizismus und Biedermeier.

Nach dem Wegfall der Festungswerke breitete sich die Stadt ab 1829 schnell aus. Der Bereich der ehemaligen Altstädter Festungsanlagen blieb zum Teil frei von Bebauung, zum Teil baute man hier Häuser im Landhausstil - Vorläuferbauten der Villen des 19. Jahrhunderts. Vom Postplatz über die Wallstraße und den Georgplatz bis zur Auffahrt der Carolabrücke entstand eine breite Ringstraße, jedoch leider kein begrünter Promenadenring wie in anderen Städten auf den Flächen der abgebrochenen Stadtmauern.

In den zusammenwachsenden Vorstädten hatte die intensive Bebauung schon lange vor dem Abbruch der Stadtfestung eingesetzt. Als die Festung fiel, waren die außerhalb gelegenen Bereiche bereits dicht bebaut. Der Pirnaische Platz und der Postplatz entwickelten sich zu wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Dresdner Altstadt.

Im Bereich des abgetragenen mächtigen Wilsdruffer Tores baute man im Jahr 1832 das Postgebäude, das dem Postplatz den Namen gab. Später hieß es Telegraphenamt. Anstelle des abgetragenen Festungswalles und auf dem zugeschütteten Stadtgraben legte man die Wallstraße und die Marienstraße an.


Historismus, Gottfried Semper, Forumsplan
Ab 1830 setzte sich in Dresden langsam der Baustil des Historismus durch, der dann gegen Ende des Jahrhunderts die Monumentalität entwickelte, wie sie im Finanzministerium, im Gesamtministerium und in der im Jahr 1894 fertiggestellten Kunstakademie an der Brühlschen Terrasse zum Ausdruck kommt. Der Stil wurde später oft als nationalistisch und als Ausdruck der Überheblichkeit des kaiserlichen Deutschlands verurteilt. Im Falle einiger monumentalistischer Fehlgriffe mag das zutreffen. Doch dieser Rückgriff auf vergangene Bauepochen wie Gotik, Renaissance und Barock lässt sich nicht auf einen solchen politischen Bezug einengen. Auch die großartigen Bauwerke von Gottfried Semper sind Ausdruck dieses Stils.

Gottfried Semper (1803-1879) kam 1834 nach Dresden. Vorher war er in Frankreich, Griechenland und Italien tätig gewesen. Ab 1839 lehrte er als Professor für Baukunst an der Kunstakademie. Er bevorzugte den Baustil der Neorenaissance nach italienischen Vorbildern. In seiner Dresdner Schaffensperiode bis 1849 errichtete er unter anderem das Erste Hoftheater und die Dresdner Synagoge. Auch die Antikensäle im Japanischen Palais wurden von ihm ausgestaltet. Im Jahr 1855 zog die Gemäldegalerie in den nach seinen Plänen errichteten, später Sempergalerie genannten Galerie-Neubau ein, der nun die Elbseite des Zwingers schloss.

Villa Rosa
Sempers großartige, 1839 für den Bankier Oppenheim (aus dem Bankhaus Kaskel-Oppenheim ging 1872 die Dresdner Bank hervor) gebaute Villa Rosa in der Holzhofgasse am Neustädter Elbufer fiel den Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer. Diese auf Rustikaquadern ruhende Villa mit auffallendem Mittelrisalit und einer Terrasse zeigte einen neuen Villentypus nach dem Vorbild der Genueser Paläste und der oberitalienischen Villenarchitektur von Andrea Palladio.
Auch das von Semper zwischen 1845 und 1848 an der Bürgerwiese für Oppenheim gebaute Stadtpalais (Palais Oppenheim) wurde ein Opfer der Bombenangriffe von 1945. Es war - nach dem Vorbild des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Palazzo Pandolfini in Florenz - im Stil der Neorenaissance mit einer kraftvoll gegliederten Hochrenaissance-Fassade gestaltet.

Die von Semper begründete Dresdner Schule der Villenbaukunst breitete sich über ganz Deutschland aus und blieb auch in Dresden noch lange maßgebend. Durch das Wirken von Sempers Schüler und Nachfolger Georg Hermann Nikolai, vor allem beim Aufbau der Dresdner Vorstädte, erfuhr diese Villenbaukunst eine bedeutende Weiterentwicklung.

Gottfried Semper nahm sich auch des Gebietes zwischen Zwinger, Elbe und Residenzschloss an. Eigentlich wollte er den alten Forumsplan von Pöppelmann verwirklichen, d.h. den zu dieser Zeit an der Elbseite offenen Zwinger mit zwei Flügeln bis zur Elbe erweitern. An der Schlossseite sah Semper die Gemäldegalerie vor, am gegenüberliegenden Flügel eine Orangerie und ein Theater. Die klassizistische Altstädter Wache wollte er an das Elbufer versetzen, damit sie dort, freistehend, die Anlage abschließt. Dieser großartige Plan scheiterte jedoch am Wiederspruch der Dresdner Behörden und an finanziellen Problemen, so dass nur das Hoftheater und der Neubau der Gemäldegalerie (Sempergalerie, 1847-1854) zur Ausführung kamen. Die Sempergalerie schließt seitdem die Elbseite des Zwingers, wo bisher nur eine Mauer stand. Hierdurch entstand der Theaterplatz als ein von großen repräsentativen Bauten sehr unterschiedlicher Baustile - dem Schloss (Renaissance), der Hofkirche (römischer Spätbarock), der Altstädter Wache (Klassizismus), der Sempergalerie (Neorenaissance) und der Semperoper (Neorenaissance) - umgebener Raum.

Das Königlich-Sächsische Hoftheater (Sempers Erstes Hoftheater) wurde ab 1838 gebaut und im Jahr 1841 mit Carl Maria von Webers "Jubel-Overtüre" und Goethes Schauspiel "Torquato Tasso" eingeweiht. (Das bürgerliche Gegenstück dazu war das beliebte Volkstheater am Linckeschen Bade in der Neustadt.)

Erst seit 1878 zeigt sich der Theaterplatz in seinem heutigen Aussehen: Das Erste Hoftheater brannte infolge einer Nachlässigkeit schon 1869 vollkommen ab und wurde durch das Zweite Hoftheater (später Semperoper genannt) an einem etwas von der Sempergalerie abgerückten Standort ersetzt. Im Jahr 1878 wurde dieser Neubau mit Goethes "Iphigenie" eingeweiht. Bis dahin hatten die Opernaufführungen in einem eilig errichteten, von den Dresdnern "Bretterbude" genannten Interimsbau stattgefunden. Das Italienische Dörfchen kam schließlich erst im Jahr 1911 hinzu.


Maiaufstand 1849, Beteiligung von Gottfried Semper und Richard Wagner
König Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1836-1854) bestieg im Jahr 1836 den Thron. Der anfänglich recht liberale Regent betrieb dann eine immer konservativere Politik. Im Jahr 1845 verbot er alle politischen Vereine. Seine Ablehnung der Frankfurter Paulskirchenverfassung (der gemäßigten Reichsverfassung der Nationalversammlung) und die Auflösung des sächsischen Parlaments führten schließlich zum Dresdner Maiaufstand von 1848/49.

Maiaufstand 1849 - Große Barrikade in der Wilsdruffer Gasse Dresdner Maiaufstand 1849
Bilder: Dresdner Maiaufstand 1849 - Große Barrikade in der Wilsdruffer Gasse (nach einer Grafik von C. W. Arldt); rechts: Gemälde von Julius Scholtz

Am Maiaufstand nahmen wie viele andere Dresdner Intellektuelle und Künstler auch der Baumeister und Professor für Baukunst an der Kunstakademie Gottfried Semper und der Komponist und Hofkapellmeister Richard Wagner teil. Die zwischen dem 3. und dem 9. Mai 1849 in der Wilsdruffer Gasse gebaute uneinnehmbare Hauptbarrikade war unter Sempers Leitung errichtet worden. Der Baumeister selbst befehligte die Barrikade Nr. 13 in der Waisenhausstraße unweit seiner Wohnung. Richard Wagner saß in der Nacht vom 5. zum 6. Mai auf dem Turm der Kreuzkirche und meldet den Aufständischen die Truppenbewegungen vor der Stadt. Wegen ihrer Teilnahme am Aufstand, der von sächsischem und preußischem Militär niedergeschlagen wurde, wobei 75 Opfer zu beklagen waren, mussten Gottfried Semper und Richard Wagner wie viele andere Teilnehmer aus Sachsen fliehen.

Steckbrief Richard Wagners
Bild: Polizeilicher Steckbrief Richard Wagners
Richard Wagner fand in Ludwig II. von Bayern einen Gönner, dem auch das Festspielhaus und die Musik-Festspiele (Wagner-Festspiele) in Bayreuth zu verdanken sind. Der Klang der Dresdner Hofkapelle blieb Wagner dabei immer im Ohr, wie er später schrieb.

Gottfried Semper wurde noch 15 Jahre lang von der sächsischen Polizei steckbrieflich gesucht. Zum Neubau des Hoftheaters (der Semperoper) zwischen 1871 und 1878 kehrte er nicht mehr nach Dresden zurück. Die Arbeiten wurden von seinem Sohn ausgeführt. Allerdings hatten sich progressive Kräfte in Dresden soweit gegen die konservative Administration durchgesetzt, dass sie Gottfried Semper in der Ferne mit der Projektierung des Neubaus beauftragen konnten. Semper verbrachte seinen Lebensabend in Rom, wo er 1879 starb.



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