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Schloss Pillnitz   ( Garten- und Parkanlage Pillnitz )
Schloss Pillnitz, die größte Schlossanlage Europas im barocken Stil der Chinoiserien, gehört zu den wichtigsten Dresdner Sehenswürdigkeiten.

Besucher-Information: s. Museen  

Das Pillnitzer Schloss wird erstmals im Jahr 1403 urkundlich erwähnt. Es ging aus einer an der Elbmündung des Meixbaches stehenden mittelalterlichen Wasserburg mit Wallgraben und Zugbrücke hervor.

Die frühere Schlossanlage war ein großer Vierflügelbau (wo heute das Neue Palais steht), der sich im Stil der Spätrenaissance mit mächtigen Giebeln und einem Schneckenturm zeigte. Dazu gehörten ein Lustgarten, ein Lusthaus und eine Terrasse am Elbufer. Aus dem 17. Jahrhundert blieb die östlich des Wasserpalais gelegene kleine Bastei erhalten, die zu dem einst am Elbufer stehenden Lusthaus gehörte. Das elbseitige Gemäuer trägt einen Löwenkopf.

Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen erwarb das Schloss im Jahr 1694 von der Familie von Bünau für seine Mätresse Magdalene Sibylle von Neidschütz. Nach dem frühen Tod des Kurfürsten im Jahre 1694 (er starb an den Blattern) gelangte dessen Bruder und Nachfolger Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) im Jahr 1706 durch Rückkauf in den Besitz von Schloss Pillnitz. Er schenkte es im Jahr 1707 seiner berühmten Mätresse Gräfin Cosel, nahm es aber, nachdem die Gräfin bei Hofe in Ungnade gefallen war, im Jahr 1717 durch Enteignung wieder zurück.

August der Starke ließ im Umfeld von Schloss Pillnitz ab 1720 eine Schloss- und Parkanlage im heiteren und zugleich festlichen Stil des Dresdner Barock mit ostasiatischen und orientalischen Elementen, den sog. Chinoiserien, bauen. So entstand eine prächtige barocke Schlossanlage.

Auch wenn sie wie eine harmonische Komposition wirkt, ist die Park- und Schlossanlage Pillnitz - wie z.B. auch der Dresdner Zwinger - nicht komplett nach einem Plan, sondern nach und nach entstanden. Die Bauarbeiten zogen sich bis 1824, also über mehr als 100 Jahre hin.

Zum geplanten Umbau des Renaissance-Schlosses in ein Barockschloss ist es nicht mehr gekommen. Nach dem großen Schlossbrand von 1818 errichtete Christian Friedrich Schuricht im Jahr 1823 an dessen Stelle das Neue Palais als neues Hauptgebäude der Schlossanlage.

Pillnitz blieb bis zum Jahr 1918 im Besitz der sächsischen Landesherren, der Wettiner, die das Schloss als Sommerresidenz nutzten und hier weitere bemerkenswerte Schloss- und Parkbauten schufen.

Im Kuppelsaal des Neuen Palais, im Roten Saal des Wasserpalais und im Lustgarten finden heute regelmäßig Konzerte mit klassischer, auf das barocke Umfeld abgestimmter Musik statt.


Zur Geschichte und Architektur der Barockschloss-Anlage Pillnitz
August der Starke hatte schon im Jahr 1718 den barocken Umbau des Schlosses Pillnitz in ein großes Lustschloss für Park- und Wasserfeste geplant. Weil andere Bauvorhaben und die pompöse Hochzeit des Kurprinzen im Jahr 1719 (für die Pillnitz nicht genutzt wurde) die sächsischen Finanzen überstrapaziert hatten, begann dieser Umbau dann erst im Jahr 1720 und auch nur sehr zögerlich.

Matthäus Daniel Pöppelmann, der Schöpfer des Dresdner Zwingers, und Zacharias Longuelune, der mit Pöppelmann auch an Schloss Moritzburg und am Japanischen Palais arbeitete, schufen die Pläne für den barocken Umbau der Schlossanlage. Zacharias Longuelune brachte die strengen rechtwinkligen Formen und anderen frühklassizistischen Elemente in die Pillnitzer Architektur ein. Das Schloss Pillnitz zeigt sich hierdurch ganz anders als der von Pöppelmann im kurvenreichen italienischen Hochbarock gestaltete Dresdner Zwinger.

Das an der Elbe stehende alte Lusthaus sollte zunächst erhalten bleiben, doch die von August dem Starken gewünschte "indianische" (orientalische) Bauweise der Schlossanlage, zu der das Lusthaus nicht gepasst hätte, machte dann auch dessen Abriss erforderlich.

Wasserpalais von Schloss Pillnitz
Zwischen 1720 und 1721 entstand am Elbufer das Wasserpalais - zunächst in Form von drei getrennten Pavillons. Der siebenachsige Mittelbau besitzt zwei Stockwerke zum Lustgarten bzw. drei zur Elbe hin. Der große Saal war für das Fest des Weißen Adlerordens im Jahr 1721 eingerichtet worden.

Die beiden schon im Jahr 1720 vollendeten fünfachsigen Seitenpavillons des Wasserpalais, die Wohnzwecken dienten, wurden im Jahr 1722 durch niedrige Gänge mit dem Mittelbau verbunden (erst später durch hohe Bauten). In jenem Jahr kam auch die nach Plänen Pöppelmanns gestaltete weitgeschwungene doppelläufige Treppe hinzu. Sie führt von der mit schmiedeeisernen Gittern gefassten Terrasse des ersten Obergeschosses zum Uferweg hinunter. An der Lustgartenseite erhielt das Palais einen vorgezogenen Portikus mit vier Kompositsäulen.
Das doppelt geschwungene, mit schönen Schornsteinen verzierte Walmdach und die Hohlkehlen der Hauptgesimse des Wasserpalais muten sehr asiatisch an. Die Hohlkehlen sind mit "chinesischen" Figurengruppen verziert - rot auf gelb an den Seitenbauten, blau auf rot am Mittelbau und blau in der Vorhalle des Wasserpalais. Die Verwendung ostasiatischer und orientalischer Elemente, sog. Chinoiserien, war in der Barockzeit sehr in Mode. August der Starke wollte das Schloss "indianisch" gestaltet haben, womit er orientalisch oder fernöstlich meinte. Das Wasserpalais und das Bergpalais von Schloss Pillnitz gehören heute zu den größten Chinoiserien-Bauten der Welt. In Pillnitz gelangte dieser besondere Barockbaustil zur höchsten Vollendung.

Bergpalais von Schloss Pillnitz
Das Bergpalais (s. Bild) entstand in den Jahren 1723/24 als spiegelbildliches Gegenstück zum Wasserpalais.

(Zwischen 1964 und 1967 legte man die originale Bemalung der Lustgartenseite des Wasserpalais frei. Die sichtbar gewordenen figürlichen Malereien wurden dabei teils konserviert, teils mit Wachsfarbe restauriert. Im Jahr 1968 folgte die Wiederherstellung der Lustgartenseite des Bergpalais.)

Zwischen den Palais wurde der barocke Lustgarten angelegt. Östlich davon stand noch bis zum Jahr 1818 das alte Renaissance-Schloss, während die aus dem Jahr 1596 stammende Schlosskirche, eine evangelische Kapelle, dem barocken Umbau der Anlage weichen musste.
Im Jahr 1724 kam an der Elbseite des Wasserpalais die auf Plänen Pöppelmanns und Longuelunes beruhende Treppe des Gondelhafens hinzu. (Einen ähnlichen Gondelhafen hatten Pöppelmann und Longuelune bereits im Jahr 1715 im Park des Japanischen Palais in Dresden gebaut.) Die zwei auf den Mauerpfeilern dieser großen Freitreppe stehenden Sphingen sind Arbeiten von François Coudray aus dem Jahr 1725. Am Pillnitzer Gondelhafen landeten nun die aus Dresden kommenden Boote und Gondeln des sächsischen Hofes an.

Im Jahr 1725 erlebte Pillnitz die pompöse vierwöchige Hochzeit der Prinzessin Auguste Constantine, der ältesten Tochter von August dem Starken und der Gräfin Cosel. Das in jenem Jahr veranstaltete Schlosseinweihungsfest soll drei Wochen gedauert haben. Mit bäurisch-derben Spielen imitierte der Hof dabei das einfache Leben des Landvolkes.

Zacharias Longuelune erstellte im Jahr 1727 einen Generalplan für die weitere Gestaltung der Pillnitzer Barockanlage. Der Plan sah auch den Umbau des alten Renaissance-Schlosses vor. Er wurde dann allerdings nicht mehr realisiert, weil August der Starke das Interesse an Schloss Pillnitz verloren hatte (den Überlieferungen zufolge fand er nun keinen rechten Gefallen mehr daran) und sich inzwischen mit anderen Projekten wie dem Japanischen Palais (seinem Porzellanschloss), dem Barockgarten Großsedlitz und dem Jagdschloss Moritzburg beschäftigte. Das Geld und die Baukapazität reichten auch nicht für alle Vorhaben zugleich.

In der Bauphase bis 1730 kamen nur noch der von Matthäus Daniel Pöppelmann als Ringrenngebäude entworfene Mitteltrakt der Orangerie sowie am Standort der abgebrochenen Schlosskapelle der Venustempel mit seinem prächtigen Fest- und Speisesaal hinzu. Als Ersatz für die Schlosskapelle hatte August der Starke für die evangelische Gemeinde des Ortes etwas entfernt am Weinberg zwischen 1723 und 1727 ein neues Gotteshaus - die Weinbergkirche - errichten lassen. Auch diese Bauplanung lag in den Händen von Matthäus Daniel Pöppelmann.

Nach dem Tod Augusts des Starken im Jahr 1733 diente die Schlossanlage Pillnitz unter seinem Sohn und Nachfolger Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen) ländlichen Vergnügungen des Hofes. Wesentliche Bauarbeiten fanden zu dieser Zeit nicht statt. Erst als Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen die Pillnitzer Park­ und Schlossanlage im Jahr 1765 zur kurfürstlichen Sommerresidenz erklärte, machten sich weitere Um- und Neubauten erforderlich.

Schloss Pillnitz um 1790
Bild: Schloss Pillnitz nach 1790 (vorn das Wasserpalais mit noch getrennt stehenden Flügeln, hinten das Bergpalais mit schon verbundenen Gebäudeflügeln, rechts das frühere (im Jahr 1818 abgebrannte) Renaissance-Schloss, hinten rechts am Berghang die Weinbergkirche, hinten links der Mittelbau der Orangerie)

Die klassizistischen Schlossbauten in Pillnitz
Bis zum Jahr 1788 schuf Oberlandbaumeister Christian Friedrich Exner beiderseits des Bergpalais und bis zum Jahr 1791 beiderseits des Wasserpalais neue Flügelbauten mit Wohnungen für Hofbedienstete. Diese Gebäude beruhen auf Entwürfen von Christian Traugott Weinlig und Johann Daniel Schade, die sich wiederum an Plänen von Zacharias Longuelune aus dem Jahr 1727 orientierten.

Die anstelle hölzerner Gewächshäuser errichteten neuen Flügelbauten sind etwas in den Lustgarten vorgezogen, was die Schlossanlage dynamischer wirken lässt. Sie besitzen Kupferdächer, während die älteren Palaisbauten Schieferdächer tragen.

Zwischen 1790 und 1795 fügte man die bisher nur durch niedrige Gänge miteinander verbundenen Pavillons des Berg- und des Wasserpalais in der heute sichtbaren Form zusammen.

Ab 1785 entstanden auch mehrere kleinere Bauten im Park: Im Jahr 1785 schuf Johann Daniel Schade die romantisierende künstliche Ruine - ein neoromanisches Mauerwerk mit gotischen Spitzbogenfenstern. Christian Traugott Weinlig und Johann Daniel Schade bauten im Jahr 1787 den klassizistischen Englischen Pavillon, einen Rundtempel nach dem Vorbild des Tempietto von Bramante in Rom. Im Jahr 1804 errichtete Christian Friedrich Schuricht - in Anklang an die Chinoiserien - den Chinesischen Pavillon.

Im Jahr 1791 ging das Schloss durch die Pillnitzer Konvention in die Geschichte ein. Kaiser Leopold II. und der preußische König Friedrich Wilhelm II. schlossen hier ihr Bündnis gegen das revolutionäre Frankreich. Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. war Gastgeber, aber nicht an den Verhandlungen beteiligt.

Im Jahr 1818 brannten das alte Renaissance-Schloss und der daneben stehende Venustempel ab. Oberlandbaumeister Christian Friedrich Schuricht schloss diese Lücke in den Jahren 1822/23 mit dem Neuen Palais. Obwohl dieses erst nachträglich zum Bauensemble hinzu kam, wirkt es wie dessen architektonisches Zentrum.

Dem Hauptflügel des Neuen Palais sind an der Elbseite der Küchenflügel und an der Bergseite der Kapellenflügel mit der Schlosskapelle beigefügt. Diese drei Gebäudeflügel umschließen den 55 × 60 m großen Fliederhof. Durch viertelkreisförmige Galerien ist das Neue Palais mit dem Wasser- und dem Bergpalais verbunden. Statt der Hohlkehlen der anderen Palais besitzt das Neue Palais rechtwinklige Gesimse.

Westseite des Neuen Palais von Schloss Pillnitz
Die zum Lustgarten gerichtete Westfassade des klassizistischen Neuen Palais ist in zahlreichen Details an das barocke Umfeld angepasst, trotzdem hebt sie sich von den (Chinoiserien-) Barockfassaden der anderen Palais ab. Die korinthischen Säulen und das bekrönende Uhrtürmchen betonen die Vertikale dieser Fassade.
Die Ostseite des Neuen Palais, vor der sich der Fliederhof erstreckt, präsentiert sich in einem reinen klassizistischen Stil mit geraden Linien und klaren, strengen Formen. Nur die geschwungenen Dächer weichen davon ab. Auch die im Jahr 1824 gegenüber der Kapelle gebaute Schlosswache zeigt sich im klassizistischen Baustil.


Zur Innenausstattung von Schloss Pillnitz, Museum für Kunsthandwerk
Im Mittelbau des Wasserpalais legten die Restauratoren in den Jahren 1989/90 Freskenmalereien aus der Zeit nach 1722 frei. Als früheste Beispiele der europäischen Chinoiserien-Innenarchitektur sind sie besonders wertvoll. Von der barocken Innenausstattung der Palais blieb ansonsten fast nichts erhalten.

Innenausstattung von Schloss Pillnitz
Von der aus dem 19. Jahrhundert stammenden klassizistischen Ausgestaltung der Räume ist noch einiges vorhanden. Das im Kaiserflügel des Bergpalais gelegene, zwischen 1966 und 1971 restaurierte Weinlig-Zimmer präsentiert sich mit reicher Stuckdekoration in dem vom Architekten Christian Traugott Weinlig bevorzugten deutschen Zopfstil. Dieser bildet eine Übergangsphase zwischen Rokoko und Klassizismus.


Bild: Innenausstattung von Schloss Pillnitz (Watteau-Saal im Bergpalais)
Der quadratische Saal des Neuen Palais ist mit einer kuppelförmigen Kassettendecke und korinthischen Säulen ausgestattet. In der Region gibt es sonst keinen solcherart dekorierten klassizistischen Kuppelsaal. Die klassizistischen Malereien des Saales und der Kapelle sind Arbeiten des Hofmalers Carl Christian Vogel von Vogelstein.

Exponat des Kunstgewerbemuseums in Schloss Pillnitz
Das im Jahr 1876 gegründete und seit 1947 zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehörende Museum für Kunsthandwerk (Kunstgewerbemuseum) nutzt das Wasser- und das Bergpalais seit 1962 für seine Ausstellungen. Das Museum zeigt einen repräsentativen Ausschnitt aus dem europäischen Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zur Gegenwart, daneben auch kunsthandwerklich wertvolle Objekte aus Ostasien.

Zu den Exponaten aus den Bereichen Kunsthandwerk und Industriedesign gehören Beispiele der Wohnkultur, Gegenstände aus Keramik und Glas sowie Metallarbeiten, Lederwaren und Textilien aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, darunter auch wertvolle Gobelins, Goldschmiedearbeiten, historische Musikinstrumente, Hausgeräte, Bronzen und Steingutobjekte. Zum Museum gehören auch eine Sammlung von Kacheln und Fliesen aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, ostasiatische, deutsche und englische Lackmöbel aus dem 17. bis 18. Jahrhundert und Beispiele für das Industriedesign des 19. und 20. Jahrhunderts.



  Garten- und Parkanlage Pillnitz

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