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Striesen
Urkundliche Ersterwähnung: 1350 als Stresen (altsorbisch: Leute des Streza), Eingemeindung nach Dresden: 1892

Die Striesener Flur erstreckt sich annähernd zwischen Teutoburg-, Kyffhäuser- und Niederwaldstraße im Norden, Comenius-, Hepke- und Eibenstocker Straße im Süden und Hutten-, Krenkel- und Heubnerstraße im Westen.

Der Osten der Flur war einst vom Tännicht, einem auf mageren Talsanden wachsenden lichten Wald bewachsen. Um 1445 gehörten das Vorwerk und das Platzdorf Striesen zum Meißner Domstift. Nach der Reformation teilten sich das Kurfürstliche Amt und das Dresdner Religionsamt in die Verwaltung. Für den im Jahr 1676 beginnenden Bau des Kurfürstlichen Großen Gartens mussten die Striesener Bauern viel Land abtreten.

Um 1700 zählte das Dorf Striesen etwa 70 Haushalte. Hier wohnten neben den Bauern auch zahlreiche arme Häusler, vor allem Tagelöhner und Handwerker.

Als der kurfürstliche Hof unter Friedrich August III. von Sachsen das Schloss Pillnitz im Jahr 1765 als Sommerresidenz zu nutzen begann, machte sich eine schnellere Straßenverbindung nach Pillnitz erforderlich. So verlegte man im Jahr 1768 die Pillnitzer Landstraße aus den engen Gassen des Dorfes Striesen heraus. Seitdem besteht hier der Knick zwischen der Borsberg- und der Schandauer Straße.

Für Striesen trat im Jahr 1860 ein Ortsstatut in Kraft. Im Jahr 1872 folgte ein Bebauungsplan, der eine offene Bebauung mit zwei- bis dreistöckigen Häusern festschrieb. Die in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßen erhielten Buchstaben, die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen Zahlen zugewiesen.

In den Jahren 1858 bis 1880 wuchs zwischen der Hutten- und der Rosa-Menzer-Straße die Siedlung Neustriesen heran.

Die seit 1650 von den Nachfahren böhmischer Einwanderer genutzte Johanniskirche musste im Jahr 1860 wegen Baufälligkeit schließen. An der Wittenberger Straße, Ecke Paul-Gerhardt-Straße, ließ sich die recht wohlhabende Kirchgemeinde von Ludwig Möckel die neogotische Erlöserkirche als Ersatz bauen. Benannt ist dieses im Jahr 1880 geweihte Gotteshaus nach der Prager Erlöserkirche (Salvator-Kirche).

Zwischen der Bergmann-, der Schlüter- und der Schandauer Straße wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Lehm- und Kiesgruben betrieben. Nach deren Stilllegung und Auffüllung breiteten sich hier Kleingartenanlagen aus.

Nach der Aufhebung der Bausperre im Umfeld des Großen Gartens im Jahr 1874 begann die Bebauung der Johannstadt. Viele Gärtnereibetriebe mussten nun von dort nach Striesen ausweichen - vor allem in das Gebiet um die Borsberg- und die Geisingstraße. Im Jahr 1890 zählte man in Striesen schon mehr als 50 große Gärtnereien.

Nach der Eingemeindung von Striesen im Jahr 1892 nach Dresden setzte auch hier ein umfangreicher Wohnungs- und Gewerbebau ein. Viele Gärtnereien mussten ihre Betriebe wieder weiter nach Osten verlegen. Nur an der Geisingstraße blieben noch einige von ihnen eine Zeit lang erhalten. Die Gärtnerei von J. Hermann Seidel zog damals von Striesen nach Laubegast um. Der Sohn Rudolf Seidel gründete im Jahr 1897 die Rhododendron-Anlage in Grüngräbchen (bei Kamenz).

Nach der Hungersnot von 1771/72 hatten Freimaurerlogen in der Dresdner Friedrichstadt eine Armenschule für die Unterrichtung und Verpflegung von Kindern gegründet. Daraus ging eine höhere Heimschule - das Freimaurerinstitut - hervor. Dieses zog im Jahr 1899 von der Institutsgasse in der Dresdner Friedrichstadt nach Striesen in ein zwischen 1897 und 1899 errichtetes neogotisches Gebäude (Eisenacher Straße 21) um. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen hier die Kreuzschule und der Kreuzchor, deren Gebäude den anglo-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer gefallen waren, ihr Ausweichquartier.

Die zwischen 1905 und 1909 nach Entwürfen von Gustav Rumpel und Arthur Krutzsch gebaute Versöhnungskirche zeigt sich als neoromanischer Bau mit Jugendstil-Elementen. Ihr Innenraum ist mit Jugendstilmalerei von Otto Gussmann geschmückt. Diese Ausmalung war bei einer Restaurierung in den 1980er Jahren wieder freigelegt worden. An der Versöhnungskirche steht der den Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmete Mahnmalbrunnen. Dessen bronzene Jesusfigur ist eine Arbeit von Selmar Werner aus dem Jahr 1928.

www.versoehnungskirche-dresden.de

www.johanneskirchgemeinde.de - Ev.-Luth. Johanneskirchgemeinde Dresden-Johannstadt-Striesen (Nachfolgerin der Erlöserkirchgemeinde, der Andreaskirchgemeinde und der Trinitatiskirchgemeinde)

Für die vielen katholischen Einwanderer der Jahrhundertwende baute man überall in Dresden neue katholische Kirchen. In Striesen war im Jahr 1905 die Herz-Jesu-Kirche vollendet.

Ab 1900 wuchs Striesen mit den umliegenden Stadtteilen zu einem geschlossenen Wohngebiet zusammen. Ebenso schloss sich die Baulücke zum Großen Garten hin. Durch die Erweiterung von Neustriesen verschwand zu dieser Zeit auch der "Tännicht" genannte Wald.

An der Schandauer Straße siedelten sich Betriebe der Leichtindustrie an wie z.B. solche der Foto-, der Druck-, der Kartonagen- und der Zigarettenindustrie. Um 1900 wechselte die bis dahin in der Johannstadt betriebene Zigarettenfabrik "Jasmatzi" nach Striesen (Schandauer Straße 68). Im Jahr 1912 bezog sie neue Gebäude an der Glashütter Straße 94. Ab 1924 gehörte die Fabrik zum Reemtsma-Konzern.

In das Gebäude der Zigarettenmaschinenfabrik Junghansstraße 5 zog im Jahr 1912 die Zigarettenfabrik von Wilhelm Lande aus Halberstadt ein.

Im Jahr 1918 war der Ernemann-Neubau, der Neubau für die Fotokamera-Werkstätten von Heinrich Ernemann fertiggestellt. Der Turm wurde zum Warenzeichen des bekannten Kameraherstellers Pentacon. Nach dem Krieg zogen hier die Technischen Sammlungen der Stadt Dresden ein und eröffneten das Technische Museum.

Der historische Dorfkern von Striesen fiel zum großen Teil den anglo-amerikanischen Bombenangriffen im Februar 1945 zum Opfer. Auch große Bereiche der Wohnviertel an der Schandauer und der Borsbergstraße fielen in Schutt und Asche. Hier gingen etwa 800 Häuser verloren. Beim Wiederaufbau von Striesen ab 1956 kam erstmalig die Großblockbauweise im Dresdner Wohnungsbau zum Einsatz.



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