Dresden und Sachsen
Inhalt
Landkarte
Einführung
Geschichte
Dresden
Stadtplan
Einführung
Stadtgeschichte
Staatl. Kunstsammlungen
Schlosskomplex
Theaterplatzbereich
Brühlsche Terrasse
Neumarktbereich
Altmarktbereich
Innere Vorstädte Altstadt
Innere Neustadt
Elbe, Elbbrücken
Stadtteile Nordwest
Stadtteile Nord
Stadtteile Nordost
Stadtteile Ost
Stadtteile Südost
Stadtteile Süd
Stadtteile Südwest
Stadtteile West
Dresdner Umland
Oberlausitz

Links
Angebote
Buch, CD
Impressum

Copyright

Texthinweis Landeskundlicher Reiseführer
StartseiteLandeshauptstadt Dresdendresden-und-sachsen.de
Stadtteile Nordwest
SeitenKaditz | Mickten & Übigau | Pieschen | Trachau | Trachenberge

Stadtteile Mickten und Übigau, Schloss Übigau
[Mit freundlicher Unterstützung durch Presse- und PR-Büro J. Naumann, www.pressebuero-naumann.de]

Stadtteilführungen im Dresdner Nordwesten Lage: im Osten des Übigauer Elbwinkels, zwischen der Elbe und einem zur Flutrinne ausgebauten Elbe-Altarm, Dorfkerne Altmickten und Altübigau sehr eng benachbart, bei höherem Elbwasserstand besaßen diese Orte eine Insellage

Aus der Geschichte
1324: urkundliche Ersterwähnung von Übigau als Ubegowe (altsorbisch: ubeg = Flussarm), 1378: urkundliche Ersterwähnung des Rundlings (später Platzgassendorf) Mickten als Migtin (altsorbisch: Leute des Mikota), 1414: Erwähnung des Weinbaus in diesem Gebiet, Fischfang in der Elbe, zu den Frondiensten gehörte auch das Abfischen der Lachen im Großen Ostragehege (in der Gegend des heutigen Elbhafens), Bewirtschaftung eines Vorwerks in Mickten, die Gerichtsbarkeit lag beim Domstift Meißen und nach der Reformation beim Prokuraturamt Meißen (das Amt Dresden war durch einen Amtsrichter vertreten)

das Gebiet Altübigau (auf einem relativ hoch gelegenen und deshalb weniger hochwassergefährdeten Flecken nahe der Elbe gelegen) hieß früher "Die Tränke", ab 1324 im Besitz der Stiftsbaumeisterei des Meißner Domstifts (Grundstücke Rethelstraße 17 und 19 hießen Bischofsgüter, Übigau auch nach der Reformation noch eine Zeit lang Stiftsbaumeistereidorf genannt), dazu zählte ein Wach (wichtiger Elbe-Fischfangplatz), ab 1559: unter Verwaltung durch das Kurfürstliche Amt

1804: Bau des ersten Micktener Hauses außerhalb des Dorfes (an der Kötzschenbrodaer Straße nördlich der Flutrinne, Schankrecht ab 1821), 1823: großer Dorfbrand in Mickten (die erhaltene historische Bausubstanz stammt meist aus der Zeit des Wiederaufbaus), 1860er Jahre: Bau einer Holländer-Windmühle, 1897: Errichtung des Gebäudes, das später von Paul Watzke und seiner Frau als beliebtes Gasthaus mit Ballsaal betrieben wurde, im Umfeld entstanden mehrere Fabriken (in den 1930er Jahren ein Sägewerk), Ende des 19. Jahrhunderts: Beginn der vorstädtischen Bebauung der Flur Mickten (reicht nach Norden weit über die Flutrinne hinaus bis an die Leipziger Straße heran, wo die Bebauung begann), Zusammenwachsen mit Pieschen und Trachau, 1903: Eingemeindung nach Dresden, bis 1918: Verkehr der Lößnitzbahn (Schmalspurbahn) von dem nahe der Leipziger Straße gelegenen Micktener Straßenbahnhof nach Radebeul, nach 1925: Übernahme von Teilen der Fläche des ehemaligen Flughafens Kaditz/Mickten durch die Firma Koch & Sterzel (Röntgentechnik; gegründet 1904 an der Zwickauer Straße - zwischen Südvorstadt-West und Löbtau, die dortigen Gebäude fielen den Bombenangriffen 1945 zum Opfer) und Bau eines Transformatorenwerkes an der Washingtonstraße (in der Zeit der DDR: Transformatoren- und Röntgenwerk, nach 1990 in mehrere Unternehmen aufgeteilt, Transformatoren-Produktion durch Siemens fortgeführt), 2. März 1945: Zerstörung von Teilen Übigaus durch einen englisch-amerikanischen Bombenangriff
www.dresden-uebigau.de

Flügelwegbrücke
Lage: verbindet die Stadtteile Übigau und Cotta über die Elbe hinweg (Anbindung der 1903 nach Dresden eingemeindeten Orte Kaditz und Übigau an den Dresdner Stadtverkehr)
Bauzeit: 1929/30
Merkmale: 308 m lang, 5 Landpfeiler, 115 m Spannweite, damals die am weitesten gespannte Blechträgerbrücke Europas, wegen ihrer beträchtlichen thermischen Ausdehnung an der Altstädter Seite auf Rollenlagern ruhend, 2001-2004: Ersatzneubau (285 m lang, 31 m breit, ca. 7.800 t Stahl und Beton, sechsspurige Fahrbahn

Schloss Übigau
Schloss Übigau
Bauzeit: 1724-1726
Architekt: Johann Friedrich Eosander von Göthe (sein einziges Bauwerk in Dresden)
Merkmale: zweigeschossiges Barockschloss mit neun Fensterachsen und vorgelegten offenen Bogenhallen, Erdgeschoss mit rustikaartigen Putzstreifen, Obergeschoss mit Pilastern und Brüstungen

Gästehaus am Schloss

Der erst kurz zuvor nach Dresden berufene, aus dem damals schwedischen Stralsund stammende und lange Zeit am preußischen Hof beschäftigte Baumeister Johann Friedrich Eosander von Göthe (1660-1729) baute zwischen 1724 und 1726 auf ehemaligen Weinberggrundstücken von vier enteigneten Bauern das Lustschloss Übigau für Feldmarschall Graf Jakob Heinrich von Flemming. Dieses bedeutende Zeugnis der Barockbaukunst war von einem kleinen Barockgarten (Französischen Garten) umgeben.

Göthes Architektur, die der Schule von Nikodemus Tessin d.J. (dem Erbauer des Stockholmer Schlosses) entsprang, konnte sich in Dresden nicht weiter durchsetzen, auch, weil der Baumeister schon bald verstarb. Schloss Übigau blieb sein einziges Bauwerk in Dresden. Seine Entwürfe für Festungsbauten erfuhren in Sachsen keine Anerkennung.

Im Jahr 1726 wechselte Schloss Übigau in den Besitz von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke; zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733). Dieser soll es jedoch nur selten einmal besucht haben. Aus jener Zeit stammen das sächsisch-polnische Wappen in der Hauptachse des Gebäudes und die zur Elbe führende doppelläufige Treppenanlage. Der Kurfürst beauftragte den bedeutenden Barockbaumeister Zacharias Longuelune mit Entwürfen für den weiteren Ausbau des Schlosses. Davon wurde dann allerdings nichts mehr verwirklicht.

Nach dem Tod Augusts des Starken nutzte sein Sohn und Nachfolger Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (reg. 1733-1763) das Schloss. Im Jahr 1753 fand hier ein großes Lustlager (Campement) statt. Später verwahrloste es dann mehr und mehr, im Jahr 1813 (in der Zeit der Napoleonischen Kriege) wurde es geplündert. Bei der Versteigerung des Schlosses im Jahr 1831 erhielt der Dresdner Ratszimmermeister Paul Siemen den Zuschlag. Er nahm einige Ausbauten vor.

Zwischen 1836 und 1845 diente das Schloss als Verwaltungssitz des Aktien-Maschinenbauvereins. Dessen Mit-Gesellschafter und Technischer Direktor, der Erfinder und Konstrukteur Andreas Schubert (1808-1870), entwickelte im Jahr 1837 das erste sächsische Personendampfschiff "Königin Maria" und im Jahr 1839 die erste deutsche Lokomotive "Saxonia". Die auf Johannstädter Gelände gebaute "Königin Maria" wurde in Übigau mit Antrieb und Kessel ausgestattet. Wegen der Lage an der Elbe abseits der Eisenbahnstrecke konzentrierte sich der Maschinenbauverein in Übigau auf den Schiffsbau.

Ab 1877 betrieb die Elbe-Schifffahrtsgesellschaft "Kette" eine Werft in Übigau. Sie beschäftigte hier zeitweise mehr als 1.200 Mitarbeiter. Der Werftsbetrieb, an den noch ein als technisches Denkmal geschützter alter Kran erinnert, endete vorübergehend 1930 und wurde 1935 wieder aufgenommen. Zu jener Zeit ging hier auch der Dampfkesselbau (DKÜ) in Betrieb. In der Zeit der DDR nutzte der 1948 gegründete VEB Dampfkesselbau das Schloss als Verwaltungssitz. Die Werft wurde Ende 1957 geschlossen und der Werftsbetrieb u.a. nach Laubegast verlagert, das Übigauer Gelände dagegen nun vom Transformatoren- und Röntgenwerk genutzt.

Das urbane Umfeld stört den Gesamteindruck der einst malerisch an der Elbe gelegenen barocken Schloss- und Gartenanlage. Der Erhalt des zeitweise abrissgefährdeten Schlosses dürfte aber wesentlich der industriellen Nutzung zu verdanken sein. Von dem reichen Skulpturenschmuck des Barockgartens blieb leider nichts mehr erhalten.


SeitenKaditz | Mickten & Übigau | Pieschen | Trachau | Trachenberge


  nach oben

Landeskundlicher Reiseführer