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Ortschaft Weixdorf
ca. 6.000 Einwohner, 15,5 qkm Fläche, 1999 nach Dresden eingemeindet mit den Orten Weixdorf, Lausa, Friedersdorf, Gomlitz und Marsdorf (mit Ausnahme von Marsdorf seit 1914 zusammengehörend, Lausa und Friedersdorf schon seit 1879, Marsdorf kam erst 1965 zur Gemeinde hinzu), die Gemeinde hieß ab 1914 Lausa (nach dem Pfarrkirchenort), dann ab 1938 Weixdorf
www.weixdorf.de |
Weixdorf
frühe Besiedlung der Flur (Reste einer bronzezeitlichen Siedlung aus der Zeit um 1000 v.Chr. südlich des ehemaligen Seiftsteiches), 1378: urkundliche Ersterwähnung des von deutschen Siedlern gegründeten Platzdorfes als Wignandistorf (wahrscheinlich nach einem Ortsgründer/Lokator namens Wignand benannt), 1445: Wigmanstorff, 1547: Weickmansdorff, 1552: Weicksdorff, zum Rittergut Hermsdorf gehörend (wie auch die umliegenden Dörfer) und zum Teil dem Dresdner Brückenamt unterstellt
Seifts- oder Seufzerteich: im 16. Jahrhundert als "Weicksdorffer Teich" erwähnt, bestand bis um 1840, die Seifzerteichstraße (an der Flurgrenze zu Klotzsche gelegen) erinnert an ihn, ein etwa 5 m breiter und 3 m hoher Damm (von mächtigen alten Stieleichen und Kiefern bestanden) blieb erhalten, nahebei beginnt der Seifenbach (gehört zu den Zuflüssen des Großteiches bei Friedersdorf)
Rähnitzer Mühlweg: verlief über Weixdorf zur Hermsdorfer Schlossmühle (unterhalb des alten Seifts-Dammes den Seifenbach querend), v.a. von den Rähnitzer und Wilschdorfer Bauern genutzt (brachten ihr Getreide zur Schlossmühle, für die sog. Mahlzwang bestand, d.h., die Bauern dieses Gebietes durften ihr Getreide nur in dieser Mühle mahlen lassen)
1884: Fertigstellung der Eisenbahnstrecke nach Königsbrück (in Klotzsche von der Bautzner Bahnlinie abzweigend) mit zwei Haltepunkten im Gebiet Weixdorf, Beginn eines intensiveren Wohn- und Gewerbebaus (vor allem einfacher Landhäuser), um 1900: Ersatz der alten Schule an der Lausaer Kirche durch ein neues Schulgebäude, 1917: Bau der Siedlung am Fuchsberg, 1919: Bau der Hollersiedlung westlich der Teichkette (erinnert an den Mühlenbesitzer Holler, der hier die einstige Dorfmühle führte), Bau der Siedlung am Kügelgenweg im Norden, 1920: Gründung des Optischen Werkes (in der Zeit der DDR Großproduktion von Objektiven, Mikroskopen und Brillengläsern), 1925: Gründung der Zement- und Brunnenbaufirma (bezog den Rohstoff Kies von dem nördlich von Hermsdorf gelegenen Wachberg), 1928: Bau des Rathauses, 1930: Anschluss an das Dresdner Straßenbahnnetz (Gleisschleife seit 1969), vorstädtische Entwicklung der Gemeinde, Zuzug vieler Arbeiter und Angestellter (in Klotzsche oder anderen nahegelegenen Stadtteilen beschäftigt), 1939: Gründung der Großtischlerei Willi Groß KG (gehörte ab 1972 zu den Deutschen Werkstätten Hellerau)
1946: Auflösung des Hermsdorfer Rittergutes im Zuge der Bodenreform, Landaufteilung an die Bauern, 1954-1969: Zusammenschluss der Bauern in einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (etwa 1.500 ha Landwirtschaftsfläche zwischen Marsdorf, Hermsdorf und Friedersdorf mit dem Schwerpunkt Milch- und Mastviehproduktion bearbeitet), Fortführung der schon vor dem Krieg bestehenden Gartenbaubetriebe, ab 1966: Anschluss der Gärtnerei (vom Pflanzenzüchter Josef Gründler geleitet) an die Abteilung Zierpflanzen des VEG Saatzucht Erfurt |
Lausa
frühe Besiedlung der Lausaer Flur (Funde aus der jüngeren Bronzezeit etwa 1100 v.Chr. mit Lanzenspitzen, Sicheln und anderen Bronzegegenständen), möglicherweise eine Wasserburg in sorbischer oder frühdeutscher Zeit
1273: urkundliche Ersterwähnung, ab 1346: Zugehörigkeit zur Kirchgemeinde Radeberg, 1378: Erwähnung als Lusyn und 1547 als "zur Lausicz" (altsorbisch: luza = Sumpf, Tümpel), bezieht sich auf die Lage in der einst sumpfigen Niederung des Lausabaches und des Schelsbaches (aus den einstigen Tümpeln dieses Gebietes gingen Teiche wie z.B. die vier Schenkteiche hervor, heute existiert nur noch der an der Kirche gelegene Pfarrteich), ab 1696: Zugehörigkeit des früheren Amtsdorfes mit seinem in Waldhufen aufgeteilten Ackerland zum Rittergut Hermsdorf
Lausaer Pfarrkirche und Friedhof: Turm mit geschweifter Haube, Laterne und Wetterfahne (1786), rechteckiger Saal mit hohen Spitzbogenfenstern, vierstrahligem Sterngewölbe (um 1650), einer Stuck-Flachdecke (1786) und einer geschlossenen zweigeschossigen Empore, ehemalige Betstube der Hermsdorfer Patronatsherrschaft an der Nordseite der Kirche über der Sakristei (in neuerer Zeit als Heimatstube genutzt, interessante Exponaten aus der Regionalgeschichte), 1811-1850: Amtszeit von Pfarrer David Samuel Roller (wird in den "Jugenderinnerungen eines alten Mannes", 1870, des Dresdner Künstlers Wilhelm von Kügelgen beschrieben), Rollers Grabkreuz steht auf dem neben der Kirche gelegenen alten Lausaer Friedhof, auch viele kunstgeschichtlich wertvolle Grabmäler aus dem 18. und 19. Jahrhundert, ältester Grabstein mit lebensgroßer Darstellung des Pfarrers Theodor Schumann (gest. 1632), Grabmal der Gräfin Charlotte Sophie von Hoym (gest. 1808) und der Charlotte Dorothea von Schönberg (gest. 1789) als niedriger frühklassizistischer Marmorziegelbau ("Revolutionsarchitektur" von 1790/1800)
Weitere historische Bausubstanz: Altes Erb-, Brau- und Schänkgut (nahe der Lausaer Kirche gelegen, massives Untergeschoss und Fachwerkfassade, ehemaliges Erbrichtergut, erste Schänke und Herberge des Ortes, auch Sitz des Ortsrichters, betrieb bis 1889 eine eigene Brauerei, besaß auch die Erlaubnis zum Fleisch-, Brot- und Salzverkauf, nach der Sanierung 1950-1955 als Kulturhaus genutzt), in der Gaststube eine alte Gerichtssäule aus Holz (trennte den Raum an den Gerichtstagen in die für die Bauern und die für die Gärtner/Häusler vorgesehenen Bereiche, 1955 baulich verändert), Lausenbachmühle im Norden von Lausa (vom Lausenbach abzweigender Mühlgraben heute trockenliegend, der Lausenbach schürfte auf seinem Weg nach Hermsdorf ein bis zu 80 m breites Tal aus dem Granodiorit des geologischen Untergrundes aus, fließt nahe der Autobahnbrücke in die Große Röder) |
Friedersdorf
Lage: zwischen Lausa und dem Nordzipfel der Dresdner Heide
1378: urkundliche Ersterwähnung von Fridrichstorf (ging aus einem von deutschen Siedlern angelegten Waldhufendorf hervor), 1552: Erwähnung als Friederßdorff, ab 1696: Zugehörigkeit zum Rittergut Hermsdorf (wie auch Lausa und Gomlitz), einige Fachwerkbauten mit massiven Bruchstein-Untergeschossen sowie als Naturdenkmale geschützte alte Winterlinden in einigen der Gehöfte blieben erhalten, 1906: Anlage des Bades Weixdorf am Großteich durch das Hermsdorfer Rittergut, später: Bau zahlreicher hölzerner Sommerhäuschen in dessen Umfeld, 1926: Inbetriebnahme der Teichwirtschaft, dann auch einer Köhlerhütte, später: Betrieb von Gaststätten in den Gebäuden
Teichkette: aus dem Sauerbusch gespeiste Karpfenteiche in der feuchten Niederung der Friedersdorfer Ortslage: Oberer Mittelteich, Mittelteich und Mühlteich (nach der ehemaligen Felchner-Mühle benannt, entwässert in den Lausenbach), Großteich am Beginn der Teichkette am Nordrand des Sauerbusches gelegen (war bis zur Verkleinerung im Jahr 1846 etwa 50 ha groß, woran ein breiter hoher Stirndamm erinnert), mehrere z.T. unter Naturschutz stehende alte Bäume (Weiden, Erlen und Kiefern) im Teichgebiet |
Sauerbusch (auch "Lausaer Holz" oder "Lausaer Seite" genannt)
Lage: östlich der Königsbrücker Bahnlinie (zweigt von der Bautzner Eisenbahnstrecke nach Norden ab, letztere trennt den Nordzipfel der Dresdner Heide ab)
Name: möglicherweise auf den auf einer wasserundurchlässigen Lehmschicht gebildeten vernässten und versauerten Boden dieses Gebietes bezogen
Naturausstattung: gehörte einst zum Hermsdorfer Rittergutswald, hier stehen die ältesten Bäume der Dresdner Heide, darunter zwei bereits um 1680 erwähnte, heute unter Naturschutz stehende Stieleichen mit einem Stammumfang von je 6,50 m (inzwischen teilweise abgestorben), auch mächtige Rotbuchen wie die "Schöne Buche" mit einem Stammumfang von etwa 4 m
Lausaer Saugarten: von Ende des 18. Jahrhunderts bis 1869 neben drei weiteren Saugärten der Dresdner Heide zur Haltung und Mästung von Wildschweinen für die höfische Jagd betrieben, etwa 4.000 qm groß, nahebei eine kannelierte Sandsteinsäule (mehr als 2 m hoch) mit rundem Holzdach (erinnert an die letzte Parforcejagd in dieser Gegend im Jahr 1827) |
Gomlitz
frühe Besiedlung dieses Gebietes (spät-bronzezeitliches Gräberfeld), 1378: urkundliche Ersterwähnung des Gassendorfes (am Rand des breiten Schelsbachtales gelegen) als Komenicz (altslawisch: komon = Pferd oder gomola = Hügel), 1539: Erwähnung als Konitz, später als Kommelitz
einige Bruchsteinhäuser und Fachwerkhäuser mit Bruchstein-Erdgeschossen blieben erhalten, Häusleranwesen Moritzburger Straße 7 stammt von 1763, einige Gehöfte von Bruchsteinmauern umgeben, ertragsschwache Kiefernforste westlich von Gomlitz auf einem sehr trockenen nährstoffarmen Sandboden |
Marsdorf
Flur: ca. 500 ha (etwa 435 ha Feld- und Wiesenfläche, 42 ha Wald und 23 ha Siedlungsfläche), im Süden bis an die Autobahn A4 reichend
1350: urkundliche Ersterwähnung des Straßenangerdorfes (in der Talmulde des Bränitzbaches gelegen) als Maroldisdorf (wahrscheinlich nach einem Ortsgründer/Lokator Marwalt benannt), 1445: Erwähnung als Mornstorf, 1477 als Maristorff und 1652 als Marschdorff, stand unter der Grundherrschaft des Amtes Dresden und des Religionsamtes Dresden
1926-1932: Betrieb eines Granitsteinwerkes (Pflastersteine, Bordsteine u.a.) östlich des Dorfes (ab 1930 zu einer Freiberger Firma gehörend), 1960: erstes Dorf der Dresdner Region mit genossenschaftlichem Zusammenschluss aller Bauern, 1969: Vereinigung der landwirtschaftlichen Genossenschaft mit der von Weixdorf (Schwerpunkte: Milch- und Mastviehwirtschaft sowie Hühnerintensivhaltung)
Historische Bausubstanz: der dörfliche Charakter blieb erhalten, große Dreiseithöfe, Winkelhöfe und kleinere Häusleranwesen sowie ein Dorfteich, außerdem zwei Schmieden und eine Stellmacherei, überwiegend Massivhäuser, nur wenige Fachwerkhäuser |
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