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Stadtteile Kleinzschachwitz und Großzschachwitz
Kleinzschachwitz
Spuren einer frühen Besiedlung (größeres Urnengräberfeld der jüngeren Lausitzer Kultur von etwa 900-700 v.Chr.), 1310: urkundliche Ersterwähnung als Schyzewycz (altsorbisch: Dorf des Tschiz) im Besitz des Heydenricus Montanus, Erwähnung des deutschen Namens Zscheisewitz, um 1400-1700: die Flur Kleinzschachwitz lag wüst, 1438: Erwähnung eines Streits zwischen Laubegast, Großzschachwitz, Meußlitz, Sporbitz und Zschieren um die Nutzung der Flur

um 1700: Beginn der Wiederbesiedlung von Kleinzschachwitz (1736: 4 Anwesen in Kleinzschachwitz und 3 Anwesen in der Umgebung), Bau einer Papiermühle am Lockwitzbach, es gab ein Jagdhaus und ein Fährhaus am Elbufer, 1727: Inbetriebnahme der Elbfähre nach Pillnitz, 1765: Umbau der Fähre in eine "Fliegende Fähre" mit Gierseil (damals begann der sächsische Hof das Schloss Pillnitz als Sommersitz zu nutzen, Fähre nun von Soldaten bedient, setzte bis 1849 nur Angehörige des Hofes über, Fährdienst bis 1911 von Pioniertruppen der sächsischen Armee betrieben, diese besaßen hier eine aus Bruchsteinmauerwerk mit Strebepfeilern gebaute, mit einem zinnenbewehrten Turm ausgestattete Kaserne: Berthold-Haupt-Straße 130)

1797: Verkauf des Anwesens des Kleinzschachwitzer Bauern Pätzold (Putjatinstraße 26) an Fürst Nikolaus Abramowitsch Putjatin (Architekt, 1749 in Kiew geboren, hatte den Dienst als russischer Offizier aus Protest gegen die Prügelstrafe in der Armee quittiert), baute sich in Kleinzschachwitz ein ungewöhnliches Schloss (von den Einheimischen "Storchennest" genannt) mit eigenartigem Turm, 16 Balkonen, einer Seilrutschbahn am Haus und mehreren Schaukeln für bis zu 30 Personen im großen Garten am Lockwitzbach, 1822: Stiftung eines Schulhauses (Meußlitzer Straße 83) durch Fürst Putjatin (Gebäude mit bis zum Boden herunter gezogenem Dach, buntbemalter Fassade und Sprüchen auf den beiden äußeren Blindfenstern, bis 1872 als Schule und in der Zeit der DDR als Klubhaus genutzt)

Mitte des 19. Jahrhunderts: Beginn der Rodung des auf dem größten Teil der Flur stehenden trockenen Kiefernwaldes bis auf kleine Restbestände (vom Auwald des Lockwitzbach-Gebietes blieb u.a. ein Rest im Bereich des Eichberges erhalten), 1872: Eröffnung einer neuen Schule (Meußlitzer Straße 113), 1886: Bau der Dampfschiffhaltestelle (Einbeziehung in den Dresdner Ausflugsverkehr, förderte die wirtschaftliche und kommunale Entwicklung des Ortes sehr), um 1890: Beginn der Ansiedlung von Dresdner Bürgern, darunter auch Künstlern, auf Kleinzschachwitzer Waldparzellen im Umfeld der Berthold-Haupt-Straße in Villen und einfachen Landhäusern (heute sind hier etwa 60 Villen als Kulturdenkmale geschützt), Beginn des Wohnungsbaus für Arbeiter und Angestellte der Schiffswerft Laubegast und der Industrie des Dresdner Südostens, Beginn der Ausbreitung weitläufiger Eigenheimsiedlungen in Richtung Meußlitz

1897: Umbau des Schulhauses, nun als Stephanuskirche von der von Dohna losgelösten Kleinzschachwitzer Kirchgemeinde genutzt, 1906-1932: Straßenbahnbetrieb nach Niedersedlitz, 1921: Eingemeindung nach Dresden, 1936: Straßenbahnanschluss an die Dresdner Innenstadt (über Leuben), 1950: Übernahme der motorisierten Fähre nach Pillnitz durch die Dresdner Verkehrsbetriebe (dient seitdem vor allem für den Ausflugsverkehr zum Schloss Pillnitz)

älteste erhalten gebliebene Häuser sind Meußlitzer Straße 94 und Putjatinstraße 20
 

Großzschachwitz
Flur: im Osten und Südosten vom Lockwitzbach begrenzt (dieser erreicht an der Pirnaer Landstraße den von Zschieren kommenden Brüchigtgraben - einen alten Elbarm)

1350: urkundliche Ersterwähnung des Straßenangerdorfes (mit gewannähnlicher Streifenflur) als Schachwicz (altsorbisch: Ort des Zschach) als markgräfliches Lehen des Conradus de Peschen, später: Gutsbesitz und Zinseinnahmen durch mehrere Edelleute und Dresdner Bürger, Gewerbe: Landwirtschaft, Strohflechten und Zwirnen, 1465-1513: Dorf im Besitz der Familie von Korbitz, dann Verkauf an die auf Weesenstein residierende Familie von Bünau (hielt den Besitz bis zur Aufhebung der Gutsherrschaften im 19. Jahrhundert)

1791: Umbenennung in Großzschachwitz (war aber noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein kleines Bauerndorf mit einigen Häusleranwesen, besaß noch 1890 nur etwa ein Drittel der Einwohnerzahl von Kleinzschachwitz), 1898: Eröffnung einer eigenen Schule, 1906: Bau der Straßenbahnlinie nach Niedersedlitz und Ausbau der Bahnhofstraße (unter Abbruch der alten Mühlgebäude an dem einst durch das Dorf führenden Mühlgraben, der unterhalb des Bahnhofes Niedersedlitz vom Lockwitzbach abzweigte)

nach 1918: reger genossenschaftlicher und gemeindeeigener Wohnungsbau (z.B. Am Sand, an der Bahnhofstraße und an der Schweizstraße), Entwicklung zu einem stark bevölkerten Arbeiterwohnort, 1921: Anschluss von Sporbitz und 1922 von Meußlitz an die Gemeinde (deshalb trägt der 1950 für den Berufsverkehr eingerichtete, eigentlich weitab von Zschachwitz bei Sporbitz gelegene Haltepunkt den Namen "Dresden-Zschachwitz"), mehrere Industrieansiedlungen vor allem auch wegen der Lage an der Eisenbahnstrecke Dresden-Pirna-Prag (z.B. Sächsischer Brücken- und Stahlhochbau und Mühlenbau Dresden), 1950: Eingemeindung nach Dresden (mit Sporbitz, Meußlitz und Zschieren)

vom einstigen Dorf blieben einige Gutshöfe wie Nr. 60 und 87 (letzterer mit der Jahreszahl 1846 am Torpfeiler) und einige Häusleranwesen erhalten
 


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