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Kloster Altzella ![]() Die etwa 4 km westlich der Stadt Nossen gelegene Klosterruine Altzella gehört zu den ältesten architektur- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Ruinen Sachsens. Bis zur Reformation war das im Jahr 1162 erstmals urkundlich erwähnte Kloster Altzella ("Cella Sanctae Mariae") das reichste und mächtigste Kloster im östlichen Mitteldeutschland. Von diesem Zeugnis romanischer und gotischer Baukunst sind noch Umfassungsmauern mit mehr als 10.000 m³ Bruchsteinen und Gebäudereste mit Torbogen, Gewölben, Brücken und Heizkanälen vorhanden.
Entstehung des Klosters Markgraf Otto (der Reiche; reg. 1156-1190) veranlasste den Bau des Klosters Altzella unter anderem, um eine Erbbegräbnisstätte für die Wettiner, die Markgrafen von Meißen, zu schaffen. Ein Kloster gewährleistete tägliche Fürbitten für die Verstorbenen (diese Funktion übte Altzella von 1190 bis 1381 aus). Der Zisterzienser-Orden erschien dem Landesherrn für die Neueinrichtung eines großen Klosters als besonders geeignet, denn Eigenschaften wie Arbeitspflicht und handwerkliches Können waren bei diesem Orden in höherem Maße als bei anderen ausgeprägt. Markgraf Otto teilte Zisterzienser-Mönchen aus Pforta bei Naumburg 800 Hufen (ca. 275 km²) Land zu, das wahrscheinlich schon gerodet war. Kaiser Friedrich I. bestätigte diese Klostergründung. Im Jahr 1175 hielt der Mönchskonvent der Zisterzienser feierlichen Einzug in das Kloster Altzella. Zur Zeit Markgraf Ottos zählte man östlich von Saale und Elbe etwa 200.000 deutsche und niederländische (in Sachsen meist fränkische) Neusiedler, für deren Organisation, Bildung und Mission mehrere Klöster gegründet wurden - gegen Ende des 11. Jahrhunderts erst drei, um 1300 dann schon ca. 80 Klöster und Stiftungen (davon etwa 30 in der Markgrafschaft Meißen). Meist handelte es sich um Klöster von Reform- und Bettelorden, vor allem von Benediktinern und den sich von ihnen ableitenden Zisterziensern. Sie waren von Abgaben befreit und verfügten über eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Statthalter der Landesherren, die Vögte, trugen die Verantwortung für den Schutz der Klöster. Eines der ersten Klöster östlich von Saale und Elbe war das im Jahr 1091 im Herrschaftsgebiet von Wiprecht von Groitzsch entstandene Kloster Pegau. Im 12. Jahrhundert kamen Klöster und Stiftungen z.B. in Halle, Schmölln, Chemnitz, Zschillen (heute Wechselburg, an der Zwickauer Mulde nahe Rochlitz) und Buch (bei Leisnig) hinzu. Im 13. Jahrhundert wurden z.B. St. Afra in Meißen, St. Thomas in Leipzig und St. Georg in Großenhain gegründet. Der Reform-Orden der Zisterzienser, der nach seinem Stammkloster Citeaux nahe Dijon benannt ist, gelangte zwischen 1115 und 1153 unter Abt Bernhard von Clairvaux zur Entfaltung. Die Zisterzienser verschrieben sich den Lebensregeln von Benedikt. Die "Carta caritatis" wurde zu ihrer Verfassung. Jeder Luxus war verboten. Der Ordensbesitz sollte auf eigener Hände Arbeit beruhen, also nicht aus Zinseinkünften und ähnlichen Einnahmen stammen. Doch im Laufe der Zeit schliffen sich die strengen Regeln des Ordens in Anpassung an die Erfordernisse des wirtschaftlichen und kulturellen Klosterlebens allmählich ab. Architektur Kloster Altzella wurde nach dem Muster des Klosters von Clairvaux gebaut. Es zeigt Merkmale der italienischen und der elsässischen Baukunst. Die auf hochwasserfreiem Gelände mit sehr fruchtbarem Boden errichtete Anlage zeigte sich in großer Zurückhaltung - ohne Turm und wenig gegliedert. Zu den regionalen Besonderheiten der Architektur gehören der Wechsel von Backstein und Haustein im Mauerwerk. Im Zentrum der Anlage befanden sich die Klosterkirche und die Klausur (das Konversenhaus), im Umfeld die Abtei, das Gäste- und Siechenhaus, die Apotheke, die Kornhäuser, die Mühlen, die Bäckerei, das Schlachthaus, das Brauhaus, ein Brunnen, die Ställe, die Ziegelei und die Werkstätten der Weber, Gerber, Schuhmacher, Schmiede und Maler. Im Umland waren Gärten und ein Friedhof angelegt. Eine bis zu 5 m hohe Bruchsteinmauer umgrenzte die etwa 30.000 m² große Anlage. Das monumentale Außenportal an der Westseite der Anlage, ein dreifach abgetrepptes Rundportal mit Würfelkapitellen, das zum Klosterhof führte, zeigt sich heute etwa 1,60 m tief in den Boden eingesunken. Die an der Westseite des Kreuzhofes, nördlich der Klosterkirche, stehende Klausur - das Konversenhaus für die Laienbrüder - ist das älteste Profangebäude Sachsens. Im Erdgeschoss teilen vier stämmige Säulen den romanischen fünfjochigen Saal (Winterrefektorium) in zwei Schiffe mit Kreuzgratgewölbe auf. Nach einer jahrhundertelangen Nutzung als Kuhstall und Kornspeicher wurde der Saal im Jahr 1962 - nach einer umfassenden Restaurierung ab 1953 - als Lapidarium mit einer ständigen Ausstellung zur Kloster- und Landesgeschichte unter anderem mit alten Gefäßen und Säulenkapitellen wieder zugänglich gemacht. In dem erst vor kurzem restaurierten Obergeschoss - ein lichterfüllter Saal, dessen stützenfreie Holzbalkendecke reich profiliert ist - befand sich einst der Schlafsaal der Laienbrüder. Dieses Obergeschoss war im Jahr 1506 für die Kloster-Bibliothek neu aufgesetzt worden. Von den anderen Gebäuden des Klosters blieben nur noch Mauerreste übrig, z.B. Pfeiler und Gewölbe der Westfassade der Stiftskirche (Klosterkirche) und die Westwand des Sommerrefektoriums. Auch der Brunnen des Klosters blieb erhalten. Das wirtschaftliche Leben im Kloster Die Wirtschaft des Klosters wurde nicht von den 60 bis 80 hier lebenden Mönchen geführt, sondern von den etwa doppelt so vielen Laienbrüdern (Konversen), die von den Mönchen getrennt in einem eigenen Klosterflügel lebten und in der Kirche einen eigenen Chorraum nutzten. Neben der Bewirtschaftung der Klostergüter lagen auch die Verwaltung, das Handwerk und die Künste überwiegend in den Händen von Konversen. (Als sich die Geldwirtschaft immer mehr durchsetzte, nahm die Anzahl der Konversen in den Klöstern ständig ab, was die Wirtschaftskraft der Klöster schwächte.) Altzella entwickelte sich schnell zum reichsten und bedeutendsten Kloster Sachsens. Aus Nossen, Roßwein und Siebenlehn sowie 75 Dörfern flossen Zehnte, Zinsen und Zölle in die Klosterkasse. Im Jahr 1436 erwarb das Kloster die Burg und die Stadt Nossen für 4.200 Rheinische Gulden. Der Abt des Klosters residierte nun auf Burg Nossen. Die große Gastfreundschaft des Klosters verschlang Unsummen an Geld. Nach alten Chroniken beherbergte es innerhalb von drei Jahren etwa 20.000 Fußreisende und 14.000 Reiter. Es förderte auch Wissenschaft und Kunst in der Region und pflegte rege und weitreichende kulturelle und wissenschaftliche Kontakte. So stand Abt Martin von Lochau mit den großen Gelehrten Erasmus von Rotterdam und Johann Reuchlin im Briefkontakt. An den Universitäten gab es Zisterzienser-Kollegs. Die alten Klosterregeln der Zisterzienser, die solche Aktivitäten eigentlich nicht zuließen, fanden keine Beachtung mehr. Auf den bis zu elf Klosterhöfen, also Vorwerken im Klosterbesitz, von denen sich eines auch in Dresden-Leubnitz befand (der Zellesche Weg in Dresden erinnert an den einstigen Weg nach Altzella) wurden Musterwirtschaften (Grangien) eingeführt. Solche Musterwirtschaften gab es z.B. in der Lommatzscher Pflege, bei Leipzig, bei Jena und in Böhmen (Lobositz). Konversen waren hier als Hofmeister tätig. Die Bauern hatten Frondienste im Umfang von etwa 2 bis 3 Tagen pro Jahr und Hufe zu leisten. Die landwirtschaftlichen Produkte, die nicht der Eigenversorgung des Klosters und der Vorwerke dienten, wurden auf den städtischen Märkten verkauft. Besonders hohe Einnahmen ließen sich mit dem Verkauf oder der Verpachtung von Klosterhöfen erzielen. Im Kloster waren viele Handwerker tätig, z.B. Wollweber, Gerber, Schuhmacher, Böttcher, Schmiede, Ziegelbrenner, Kalkbrenner und Maler. Die Meister konnten Gesellen ausbilden, die von den Zünften anerkannt wurden. Die Bäcker und Bierbrauer vermochten den Eigenbedarf des Klosters wegen der zahlreichen Reisenden und Gäste oft kaum zu decken. In den Gärten wurde Obst und Gemüse angebaut, auf den Feldern Getreide. Eigene Weinberge versorgten die Kelterei des Klosters. Außerdem betrieb das Kloster Holzwirtschaft im Klosterwald sowie Teichwirtschaft und Forellenfischerei. Das kulturelle Leben im Kloster Die Geldeinnahmen benötigte das Kloster nicht nur für die Beherbergung der vielen Durchreisenden und Gäste, sondern auch für die Kranken-, Alten- und Armenversorgung, die religiöse und sittliche Bildung von Schülern und die Förderung von kulturellen Aktivitäten, z.B. der Schriftkunde, der Buchmalerei und der Musik. Darüber hinaus waren Abgaben an den Apostolischen Stuhl, das Mutterkloster und den Landesherrn zu leisten. Die von Martin von Lochau eingerichtete Kloster-Bibliothek umfasste im Jahr 1514 etwa 1.000 Bände mit kirchlichem, juristischem, philosophischem, geschichtlichem, medizinischem, astronomischem und mathematischem Inhalt. Dazu gehörten die bis heute erhaltene mittelhochdeutsche Übersetzung der Evangelien von 1343, die Chronik des Hugo von St. Victor, die Chronik des Ekkehard von Aura, die Sächsischen Annalen von Widukind, die Böhmenchronik von Cosmas, das Buch vom Sachsenkriege von Bruno, die Chronik des Meißner Landes ("Chronicon terrae Misnensis") und die Dresdner Chronik ("Chronicon Dresdense"). Im Skriptorium übten die Mönche unter der Aufsicht des Küsters die Schreibkunst aus: Die Schreiber zogen auf dem aus Kalbs-, Ziegen- oder Lammhaut bestehenden Pergament zunächst Linien mit einem Bleigriffel, bevor sie den Text schrieben. Die Illustratoren, die eine große Zeichenkunst entwickelten, fügten Initialen und Miniaturen bei. Auf diese Weise entstanden etwa sechs bis zehn Seiten pro Tag und Schreibkraft. Die Blätter band man schließlich in mit Leder bezogene Holzdeckel ein. Das Kloster machte sich auch um die Musikpflege verdient. Zeitgenössische Berichte lobten die hohe Tonkunst, zu der Komposition, Orgelspiel und Gesang gehörten, sehr. Hier lagen die Wurzeln der sächsischen Musikwissenschaft, die besonders in Leipzig und Dresden bedeutende frühe Leistungen vorweisen kann. Auch die Bildung des Leipziger Konservatoriums lässt sich auf die Musikpflege im Kloster Altzella zurückführen. Das Kloster Altzella nach der Reformation Nach Einzug der Reformation in Sachsen (um 1540) veranlasste der protestantische Landesherr Herzog Heinrich (der Fromme) die Säkularisierung des Klosters. Die klösterlichen Besitztümer, zu denen etwa 275 km² Grund und Boden und etwa 200 Dörfer gehörten, wurden in weltlichen Besitz überführt und die Ländereien verpachtet. Viele Kirchengeräte wurden eingeschmolzen und ab 1560 große Teile der Klosterbauten (bis auf das als Schüttboden weiter genutzte Konversenhaus) zur Gewinnung von Baumaterial abgebrochen. Die Bruchsteine fanden überwiegend beim Neubau der Nossener Pfarrkirche (Stadtkirche) Verwendung. Beim barocken Umbau der Nossener Stadtkirche zwischen 1722 und 1734 fügte man an deren Süd- und Westseite die schönen spätromanischen Portale des Sommerrefektoriums und des Kapitelsaales ein. Der Hochaltar der Klosterkirche gelangte in die Kirche Roßwein, andere Altäre kamen nach Nossen, Etzdorf und Gleisberg. Dresdner Kirchen übernahmen die Kleinodien. Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) ließ die etwa 1.000 Bücher der Klosterbibliothek an die Universität Leipzig übergeben. Viele der überaus wertvollen Bücher gingen jedoch verloren. Park und Mausoleum Altzella war von 1190 bis 1381 Begräbnisstätte der Wettiner. Die Begräbniskapelle verbrannte im Jahr 1599 nach einem Blitzschlag. Erst zwischen 1786 und 1804 entstand an diesem Ort eine neue Begräbniskapelle - das klassizistische Wettiner-Mausoleum mit den Grabstätten von 26 Wettinern. Einige der Steinsarkophage wie z.B. der von Otto dem Reichen sind hervorragend künstlerisch gestaltet. Der unter Naturschutz stehende Klosterpark auf dem ehemaligen Klostergelände, ein romantischer Landschaftspark im englischen Stil, entstand um 1810 vor allem durch das Wirken des Kunstgärtners Johann Gottfried Hübler. Das mächtige romanische Säulenportal des Klosters bildet den Hauptzugang zum Park. nach oben |