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Freital, Rabenau, Weißeritztalbahn Freital Die Stadt Freital (40.200 Einwohner) ging im Jahr 1921 aus dem Zusammenschluss von Deuben, Döhlen und Potschappel hervor. In der Gründerzeit hatte diese Region einen großen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. In der Zeit der DDR war Freital eine bedeutende Stahlwerkerstadt. Deuben (erstmals 1378 urkundlich erwähnt), Döhlen und Potschappel (beide erstmals 1206 erwähnt) gingen aus alten slawischen Siedlungen hervor. Das benachbarte Burgk taucht schon im Jahr 1168 in den Urkunden auf. Zauckerode (1206 erwähnt) und Birkigt (1326 erwähnt) sind dagegen deutsche Gründungen. Im 16. Jahrhundert bestritten die Bewohner dieser Region ihren Lebensunterhalt mit Ackerbau, Flößerei und Müllerei, im 18. Jahrhundert kam der Steinkohlebergbau hinzu (um 1950 beendet) und im 19. Jahrhundert entstanden hier Eisengießereien, Stahlwerke und Glasfabriken. ![]() Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Schloss Burgk erhielt seine historisierende Gestalt im 19. Jahrhundert. Es beherbergt die Städtischen Sammlungen sowie das Bergbau- und Heimatmuseum. Außerdem sind hier bedeutende Werke sächsischer und Dresdner Maler ausgestellt. Bild: Schloss Burgk in Freital, aus dem Heißluftballon gesehen Ein im Jahr 1998 auf dem Friedhof Döhlen errichteter Gedenkstein erinnert an die erste deutsche Ballonfahrerin Wilhelmine Reichard (1788-1848). Im Jahr 1811 startete sie in Berlin ihre erste Ballonfahrt und unternahm dann 17 weitere Fahrten, bis sie noch im selben Jahr 1811 bei einem Höhenrekordversuch in Dresden verunglückte. Sie war in Ohnmacht gefallen und stürzte über der Sächsischen Schweiz ab - überlebte aber. Von 1821 bis zu ihrem Tod im Jahr 1848 wohnte sie in Freital. Das Schaubergwerk "Tagesstrecke Oberes Revier Burgk" informiert über den Steinkohlebergbau in der Region und zeigt einen Technikpark. Das Bergmannsgrab ist eine Gedenkstätte für die im Jahr 1869 bei einer Schlagwetterexplosion getöteten 276 Bergleute. Die Windbergbahn, ein technisches Denkmal, ist nach der Semmeringbahn (Österreich) die zweitälteste Gebirgsbahn Europas. König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873) gab ihr im Jahr 1857 den Beinamen "Sächsische Semmeringbahn". Bis 1951 verkehrte sie zwischen Freital und Possendorf, dann baute man das Gleis zwischen Kleinnaundorf und Possendorf ab. Anfang der 1970er Jahre wurde das Gleis zwischen Gittersee und Kleinnaundorf demontiert. Von 1991 bis 1998 veranstaltete der Windbergbahn e.V. Sonderfahrten zwischen Dresden-Hauptbahnhof und Dresden-Gittersee, dann unterließ die Deutsche Bahn AG bei einer Sanierung der "Sachsen-Magistrale" nach Chemnitz den Einbau der Weiche Freital-Ost, wodurch der Anschluss der Windbergbahn verloren ging. Der Windbergbahn e.V. plant, die verbliebene Strecke zu pachten und als touristische Bahnlinie zu betreiben. Im Bahnhof Gittersee, dem Vereinssitz, befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Windbergbahn (Apr-Okt: Sa 9-16 Uhr). Der 352 m hohe Windberg bietet eine gute Aussicht auf Freital, das Weißeritztal und die bewaldeten Höhen des Döhlener Beckens. Das König-Albert-Denkmal auf dem Berg stammt von 1904. Oberhalb Freitals erstrecken sich die violetten Salbeifelder der Bombastus-Werke, des größten ökologischen Salbei-Anbaubetriebes Europas. Dieser Naturheilmittelproduzent, der 20 Produkte auf Salbeibasis anbietet (z.B. Tee, Salbe, Mundwasser und Zahncreme) beging kürzlich sein 100jähriges Firmenjubiläum.
Weißeritztalbahn Die zwischen Freital-Hainsberg und dem Kurort Kipsdorf verkehrende, zwischen 1881 und 1883 gebaute, heute denkmalgeschützt Weißeritztalbahn (750 mm Spurweite) ist die älteste deutsche Schmalspurbahn. Auf der 26,3 km langen Strecke entlang des Flusses "Rote Weißeritz" absolviert der Zug in 90 Minuten Fahrt 351 m Höhenunterschied bei Steigungen bis 1:33. Auf dem Weg befinden sich 34 Brücken und 13 Haltepunkte (jeder davon eignet sich als Ausgangspunkt für Wanderungen). Im Landschaftsschutzgebiet Rabenauer Grund führt die Bahnstrecke zum Teil auf waghalsigen Kunstbauten am steilen Talhang entlang. Der Betreiber BVO Bahn GmbH Annaberg (der auch die Fichtelbergbahn und seit 2004 die Lößnitztalbahn betreibt) plant den Betrieb mit Dieselloks, während die traditionellen Dampfloks nur noch für Touristik-Sonderfahrten bzw. Traditionsfahrten (die in der Regel in Kipsdorf starten) eingesetzt werden sollen. Nach dem verheerenden Hochwasser im August 2002 war nur noch ein Abschnitt zwischen Seifersdorf und Dippoldiswalde befahrbar, den Rest der Bahnstrecke hatten die Fluten weggespült. Seitdem kämpfte die Interessengemeinschaft Weißeritztalbahn für die Wiederherstellung der Bahnanlagen, ohne die eine weitere touristische Erschließung der Region nur noch sehr eingeschränkt möglich ist. Der erste Spatenstich für den Wiederaufbau, für den 10 Mio. EUR aus Fluthilfemitteln des Bundes sowie Finanzmittel des Freistaates Sachsen vorgesehen sind, erfolgte am 14. September 2004, doch erst im Oktober 2004 begann die eigentliche Bauvorbereitung. Der Wiederaufbau beginnt in Freital. Die Sanierung der 7 km langen durch den Rabenauer Grund (das Tal der Roten Weißeritz) verlaufenden Strecke wird besonders schwierig und teuer werden. Bislang ist in der Schlucht mit ihren steilen Felswänden und ihrer geringen Breite von z.T. nur 30 m nur noch der schöne Talweg (von dem schon Ludwig Richter, der hier im Jahr 1847 den "Brautzug im Frühling" malte, begeistert war) nutzbar, während die Bahnanlagen total zerstört sind und der Bahndamm teilweise weggespült ist. Auch die zahlreichen Brücken (allein kurz unterhalb der Rabenauer Mühle besitzt die Bahn sechs Flussüberquerungen auf nur 400 m Strecke) sind stark beschädigt. ![]() Bild: Zerstörte Gleisstrecke der Weißeritztalbahn nach dem Hochwasser im August 2002 In Verbindung mit dem Wiederaufbau der Weißeritztalbahn wurden weitere Maßnahmen zur Förderung des Tourismus in der Region beschlossen. Die an der Bahnstrecke liegenden Einrichtungen der Wirtschaft, der Gastronomie und des Gastgewerbes sowie die Kommunen und die Bahn vereinbarten die Zusammenarbeit in einer Marketing AG. Bei der Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofes Kipsdorf soll ein neues Gemeindezentrum mit Kegelbahn entstehen. Im herrlichen Wandergebiet im Umfeld der Bahnstrecke will man Möglichkeiten für das Nordic Walking und das Mountainbiking schaffen. Entlang der Weißeritztalbahn Eine Sehenswürdigkeit in Rabenau ist das in Deutschland wohl einmalige, im Jahr 1922 in der Burg gegründete Stuhlbaumuseum. Neben Sitzmöbeln aus allen Epochen seit der Renaissance sind hier Werkzeuge und Musterbücher für den Stuhlbau zu sehen. Die in der Nähe von Oelsa gelegene Sandsteinklippe "Götzenbusch" ist ein Ort bedeutender Fossilienfunde. Das Naturschutzgebiet Rabenauer Grund ist eine wildromantische, vom Unterlauf der Roten Weißeritz bis 80 m tief ausgeschürfte enge Schlucht mit bizarren Felsen und steilen Klippen. Zu den Sehenswürdigkeiten von Seifersdorf gehört die im Jahr 1605 errichtete Kirche mit ihrem spätgotischen (aus dem Kloster Altzella stammenden) Flügelaltar von 1518 sowie den Figuren des hl. Martin und der Apostel Johannes und Jakobus in der Predella. Der spätgotische Taufstein besitzt einen barocken Holzdeckel, den Bauer Spieß im Jahr 1743 schnitzte. Die Jahreszahl 1451 im Chorgiebel weist auf den Vorgängerbau der Kirche hin. In der aus einer romanischen Basilika aus dem 13. Jahrhundert umgebauten Kirche Höckendorf ist ein spätgotischer Schnitzaltar von 1515 mit feingearbeiteten Reliefs (Szenen aus der Marien- und Passionsgeschichte) in der dreiteiligen Predella sowie der Himmelfahrt Marias am Altaraufsatz zu besichtigen. Auch die Kirche in Ruppendorf ging aus einer romanischen Basilika aus dem 13. Jahrhundert hervor. Dem um 1500 gefertigten spätgotischen Schnitzaltar fehlt hier die Predella und die Bekrönung. Die Dreifaltigkeitskirche Schmiedeberg, ein von George Bähr, dem berühmten Schöpfer der Dresdner Frauenkirche, zwischen 1713 und 1716 errichteter barocker Zentralbau mit einem Grundriss in Form eines Griechischen Kreuzes, gehört zu den schönsten Kleinkirchen Sachsens. Ihre Architektur kann als eine Vorstufe von George Bährs Frauenkirche gelten. Zur Innenausstattung gehören dreigeschossige Emporen und ein Sandstein-Taufbecken von Hofbildhauer Benjamin Thomae. Der landschaftlich sehr schön gelegene Kurort Kipsdorf eignet sich als Ausgangspunkt für Wanderungen in das waldreiche Osterzgebirge. Leider beeinträchtigt der Transitverkehr nach Tschechien den Erholungswert des Ortes sehr. nach oben |