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Barockgarten Großsedlitz
Barockgarten Großsedlitz, Parkstr. 85, 01809 Heidenau, Tel. (03529) 56390, www.barockgarten-grosssedlitz.de

Barockgarten Großsedlitz
Der südlich von Heidenau gelegene Barockgarten Großsedlitz ist der schönste und am besten erhaltene Barockgarten Sachsens. Seine Rasen-Parterres, streng geschnittenen Hecken, Wasserbecken mit Fontänen, das "Steinerne Meer" mit zahlreichen Kaskaden, die Freitreppen und Terrassenanlagen mit Skulpturen sind in ein geometrisches Wegenetz mit drei Hauptachsen eingebettet. Bereichert wird der Garten von den Barockbauten Friedrichsschlösschen, Obere Orangerie und Untere Orangerie.

Bild: Barockgarten Großsedlitz (oben sind das Friedrichsschlösschen und rechts daneben ein Stück der Oberen Orangerie, darunter ganz rechts ein Stück von der Unteren Orangerie und vorn die Treppenanlage "Stille Musik" zu sehen)
Der Barockgarten Großsedlitz entstand, wie es auch beim Dresdner Zwinger und bei Schloss Pillnitz der Fall war, nicht als fertig geplante Anlage, sondern über eine längere Zeit hinweg in mehreren Bauphasen - je nach den finanziellen Möglichkeiten und Vorstellungen der Besitzer. Der Garten wurde in der Zeit Augusts des Starken (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) gleichzeitig mit anderen großen Barockbauwerken begonnen, aber wie diese erst nach und nach fertiggestellt, weil alle Bauvorhaben zusammen die finanziellen Ressourcen des kurfürstlich-königlichen Hofes weit überstiegen.


Geschichte
Johann Christoph Knöffel
Im Jahr 1719 gelangte Graf Wackerbarth, der Feldmarschall Augusts des Starken und Generalinspekteur aller sächsischen Bauten, in den Besitz von Großsedlitz. (Die alten Gutsgebäude waren bei einem Brand im Jahr 1715 zerstört worden). Er beauftragte den bedeutenden Dresdner Baumeister Johann Christoph Knöffel mit dem Bau eines Barockschlosses und der Gestaltung eines Schlossgartens. (Die Baupläne könnten von Matthäus Daniel Pöppelmann stammen. Dieser berühmte Dresdner Barock-Baumeister war damals mit der Ausgestaltung der Hochzeitsfeier des Kurprinzen im Jahr 1719 ausgelastet, so dass der noch junge Baumeister Knöffel mit der Ausführung betraut wurde.)


Bild: Johann Christoph Knöffel (nach einem Gemälde von Anton Tischer)
Zwischen 1719 und 1721 entstanden das (heute nicht mehr bestehende) dreiflügelige, zweigeschossige Barockschloss Großsedlitz - die Friedrichsburg - mit einem dominierenden Dachreiter und einem Glockenstuhl auf dem Mittelbau, die eingeschossige Obere Orangerie mit 23 Fensterachsen und die Kaskaden. Die Obere Orangerie besitzt einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Giebelbekrönung und jeweils dreiachsige Eckpavillons mit Mansarddächern. Wahrscheinlich war sie Knöffels erstes eigenständig entworfenes Bauwerk.

August der Starke fand Gefallen an der Anlage und brachte sie im Jahr 1723 für 100.000 Taler in seinen Besitz (was aber erst 1726 bekannt gemacht wurde). Im Jahr 1727 beauftragte er - ein sächsisches Versailles im Sinn - den bedeutenden Baumeister Zacharias Longuelune, der auch an Schloss Moritzburg und am Japanischen Palais in Dresden beteiligt war und das Dresdner Blockhaus schuf, mit der Entwicklung eines Gesamtplanes für die bauliche Anlage des Barockgartens. Auch Entwürfe von Matthäus Daniel Pöppelmann, dem Erbauer des Dresdner Zwingers, und von Johann Christoph Knöffel flossen in die Gestaltung ein und August der Starke selbst steuerte Skizzen, vor allem für die Gartenanlage, bei. Aus den vielen Entwürfen ließ der Kurfürst und König schließlich einen Generalplan durch Longuelune zusammenstellen. Die Ausführung lag in Knöffels Händen.

Der Garten wurde entlang einer Nord-Süd-Achse eingerichtet, wobei das Gelände von einer Hochfläche im Norden nach Süden abfällt. Somit ließ sich der Garten mit einer besonderen Hanggestaltung mit Freitreppen und Terrassenanlagen beleben, war aber schwieriger als andere, gewöhnlich flach angelegte Barockgärten zu gestalten.

Im Jahr 1727 entstand die von Longuelune entworfene, beeindruckend ausladende eingeschossige Untere Orangerie mit 31 Fensterachsen. Sie ersetzte ein ehemaliges Gewächshaus. Davor erstreckt sich das große Orangerieparterre (Hufeisenparterre). Auf Pöppelmanns Plänen beruht die großartige, weich schwingende doppelläufige Treppenanlage "Stille Musik", zu der ein Fontänebecken mit geschwungenen Balustraden und musizierende Putten in lebhaft bewegter Formensprache gehören. Das Gelände zwischen den beiden Wasserbassins auf dem Hufeisenparterre vor der Treppenanlage diente alljährlich bis 1756 dem polnischen "Orden vom Weißen Adler" als Festplatz und Schießbahn.

Treppenanlage Stille Musik im Barockgarten Großsedlitz
Bild: Treppenanlage Stille Musik
Um 1732 musste der weitere Ausbau der Gartenanlage wegen Geldmangel eingestellt werden. Longuelunes Pläne für ein quadratisches vierflügeliges Schloss mit einem mittleren Kuppelraum (die Lieblingsbauform Augusts des Starken, die dann allerdings nur beim Japanischen Palais in Dresden annähernd zur Ausführung kam) ließen sich nicht mehr verwirklichen. Von der vorgesehenen Fläche von 96 ha erreichte der Barockgarten nur etwa 12 ha, zeigt sich aber dennoch in einer beeindruckenden Großzügigkeit der Anlage.

Ab 1732 nutzte der Sächsische Hof die Barockanlage als Festgarten. Im Jahr 1760, im Siebenjährigen Krieg, verheerten preußische Truppen den Barockgarten, danach verfiel er. Im Jahr 1813, im Napoleonischen Krieg, erlitt er noch einmal großen Schaden. In jenem Jahr brannte das Schloss ab. Erst zwischen 1846 und 1874 erfuhr die Barockanlage eine umfassende Wiederherstellung.

Die Freitreppen und die übrig gebliebenen Skulpturen stellte man bis 1861 wieder her. Die Untere Orangerie wurde 1861 wegen Baufälligkeit abgerissen und bis 1864 in etwas veränderter Gestalt neu errichtet. Auch das baufällige Barockschloss - die dreiflügelige Friedrichsburg - wurde 1871 mit Ausnahme des Ostflügels abgebrochen. Aus diesem Seitenflügel entstand zwischen 1872 und 1874 das "Friedrichsschlösschen", das im Verhältnis zu den anderen Teilen des Gartens nun etwas klein dimensioniert erscheint.

Untere Orangerie im Barockgarten Großsedlitz
Bild: Untere Orangerie im Barockgarten Großsedlitz

Der Barockgarten heute
Seit Ende der 1950er Jahre zeigt der Barockgarten Großsedlitz wieder einiges vom Zustand von 1732. Im Jahr 1960 kam ein neuer Eingang hinzu, der mit dem Tor der Hofseite des Dresdner Alten Landhauses geschmückt wurde. Die flankierenden Delphinbrunnen hatte Johann Christian Feige um 1780 geschaffen. Zur 300-Jahr-Feier der Gründung der sächsisch-polnischen Union wurde der Garten im Jahr 1997 umfassend restauriert und mit der Ausstellung "Barocke Gartenkunst" wiedereröffnet.

Skulptur im Barockgarten Großsedlitz
Von den einst etwa 360 Skulpturen des Barockgartens blieben nur 52 erhalten, die meisten anderen fielen im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) den marodierenden Preußen zum Opfer. Zu den verbliebenen Plastiken gehören die "Vier Jahreszeiten" von Johann Christian Kirchner (1691-1732), die Figurengruppen antiker Liebespaare von Benjamin Thomae (1682-1751) am Fuße der Kaskade und die beiden Sphingen von Francois Coudray (1678-1727). Auf dem oberen Rasenparterre stehen acht Skulpturen, darunter Pomona (die Göttin der Baumfrüchte), Flora (die Göttin der Blumen), Adonis und der nach antiker Vorlage geschaffene, 2,50 m große Farnesische Herkules. Auf der unteren Ebene des Gartens sind Ariadne, Bacchus und Amor aufgestellt.
Im Friedrichsschlösschen ist eine historische Gaststätte eingerichtet. In der großartigen Kulisse des Barockgartens finden in den Sommermonaten Konzerte und Freilichtaufführungen statt. Der "Festsaal" genannte Freiluft-Konzertplatz, der eine gute Akustik besitzt, kann bis zu 5.000 Besucher aufnehmen.

Weitere barocke Gartenanlagen sind unter anderen im Norden Sachsens in Hermsdorf, Zabeltitz und Wachau, im Nordosten in Rammenau, Gaußig und Neschwitz, im Nordwesten in Seußlitz und im Süden in Rheinhardtsgrimma zu besichtigen.



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