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Festung Königstein   Sächsische Landesfestung im Elbsandsteingebirge
Festung Königstein | Geschichte | Plan
Festung Königstein im Elbsandsteingebirge
In der Vorderen Sächsischen Schweiz etwa 15 km von der Stadt Pirna und etwa 30 km von der Landeshauptstadt Dresden entfernt steht hoch über dem Elbstrom auf einem Tafelberg (361 m ü.d.M.) eine der gewaltigsten Festungen Deutschlands, die etwa 9,5 ha große Festung Königstein. Sie ist 550 m lang, bis zu 310 m breit und besitzt 36 bis 42 m hohe Mauern. Ein Spaziergang entlang der Ringmauer ist 1,7 km lang.
Die Festung Königstein, eines der bedeutendsten wehrgeschichtlichen Freilichtmuseen Europas, lädt zur Besichtigung von Festungsbauten und militärischen Ausstellungen ein, aber auch zu einem Spaziergang entlang der Mauerkrone, von der sich eine einmalige Fernsicht auf den 240 m tiefer fließenden Elbstrom und das Elbtal mit seinen einzigartigen Felsgebilden, aber auch bis in die benachbarten Mittelgebirge bietet.

Blick von der Festung Königstein
Bild: Blick von der Festung Königstein auf die etwa 250 m tiefer fließende Elbe (die "Königsnase" an der Ostspitze der Festung ist einer der schönsten Aussichtspunkte der Sächsischen Schweiz)
Noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Sächsische Landesfestung ein selbstständiger militärischer Gutsbezirk mit eigenen Justizorganen, einer eigenen Kirche und einem eigenen Standesamt.

Herzog Heinrich der Fromme ließ den Tafelberg Königstein, auf dem eine ursprünglich böhmische, dann wettinische mittelalterliche Burg stand, zwischen 1539 und 1541 befestigen. Zwischen 1553 und 1586, in der Regierungszeit von Kurfürst August von Sachsen, erfuhr die Festung dann eine wesentliche Erweiterung. Die zwischen 1359 und 1619 aus der spätgotischen "Kayserburg" umgebaute Georgenburg und die im Jahr 1596 errichtete und 1676 umgebaute Garnisonskirche zählen zu den ältesten Bauwerken der Festung (s.u. Geschichte).

Zu den mehr als 30 Bauwerken der Festung gehören die im Jahr 1589 als Christiansburg gebaute und im Jahr 1731 umgebaute Friedrichsburg , das Alte Zeughaus von 1594, das Neue Zeughaus von 1631 mit dem Johannissaal (Heldensaal), das Schatzhaus von 1855 und das im Jahr 1715 errichtete und 1736 umgebaute Brunnenhaus mit dem zwischen 1563 und 1569 ausgeschürften Tiefbrunnen. In der im Jahr 1622 gebauten Magdalenenburg lagerten als "Königsteinische Curiosität" vom 17. bis zum 19. Jahrhundert riesige Weinfässer, darunter das Riesenfass mit 2.380 hl Inhalt. Dieses Fass war zwischen 1723 und 1725 nach einem Entwurf des großen Barock-Baumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann gebaut worden (im Jahr 1818 wegen Baufälligkeit abgebrochen). Der Haupteingang der Festung ist mit einem Sperrwerk vor dem Torhaus (Ravelin), d.h. einem in spitzen Winkeln vorspringenden Außenmauerwerk mit Zugbrücke ausgestattet.

Aufgang zur Festung Königstein
Bild: Aufgang zur Festung Königstein
Eingangsbereich der Festung Königstein
Bild: Verteidigungsanlagen im Eingangsbereich der Festung Königstein
Zu den prominentesten Besuchern der Sächsischen Landesfestung zählen Zar Peter I. von Rußland und Kaiser Napoleon I.

Die niemals eroberte oder zerstörte Festung Königstein diente den Sächsischen Kurfürsten und Königen als sichere Zufluchtsstätte, aber auch als Sächsisches Staatsgefängnis, weshalb sie auch "Sächsische Bastille" genannt wurde.

Das Gefangenenverzeichnis der Festung nennt für die Zeit zwischen 1591 und 1922 die Lebensdaten und Vergehen von 993 Häftlingen. Zu den bekanntesten Gefangenen gehörten der kursächsische Kanzler Nicolaus Krell (von 1591 bis 1601), der ab 1705 wegen Amtsmissbrauch und Betrug 41 Jahre lang eingesperrte Leipziger Bürgermeister Franz Conrad Romanus, der Erfinder des europäischen Porzellans Johann Friedrich Böttger (1706/07 in der Georgenburg, bevor er seine Erfindung in Dresden machte), der russische Anarchist Michail Alexandrowitsch Bakunin (1849/50), der am Maiaufstand von 1849 in Dresden beteiligt war und maßgeblich zu dessen Radikalisierung beigetragen hatte, weiterhin der Sozialist August Bebel (1874), der Schriftsteller Frank Wedekind (1899) und Thomas Theodor Heine (1899). Den sächsischen Kanzlisten Friedrich Wilhelm Menzel traf das Schicksal besonders hart. Er wurde 1763 - im Siebenjährigen Krieg - wegen Geheimnisverrats an Preußen auf der Festung eingesperrt. Er verbrachte hier 33 Jahre bis zu seinem Tod 1796, ständig in Beinfesseln und in völliger Verwahrlosung, ohne sich auch nur Bart, Haare und Nägel schneiden zu können.

Die Festung ist nur einmal im Handstreich genommen worden: Am 19. März 1848 erstieg der 18-jährige Schornsteinfeger Johann Friedrich Sebastian Abratzky (1829-1897) aus Mahlis bei Oschatz das damalige Staatsgefängnis kühn mit bloßen Händen - frei über dem schwindelnden Abgrund hängend. Nachdem ihn die völlig verdutzte Wache festgenommen hatte, wurde er für seine Frechheit 12 Tage in den Kasematten eingesperrt, dann ließ man ihn laufen. Das Abenteuer machte ihn berühmt und dessen "Vermarktung", unter anderem mit einem Buch, soll ihm auch einige Einnahmen verschafft haben.

Im Jahr 1942, in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, war dem französischen General Henri Giraud die Flucht von der Festung über ein selbstgeflochtenes Seil gelungen. Er kehrte glücklich nach Frankreich zurück (um sich dort in den Dienst der nazifreundlichen Vichy-Regierung zu stellen, was zu einigem Gerede über den Sinn und die Hintermänner seiner Flucht führte).

Schatzkasematte der Festung Königstein
In Krisenzeiten wie dem Siebenjährigen Krieg und dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Dresdner Kunstschätze in den weitläufigen Kasematten der Festung verwahrt.


Bild: Schatzkasematte der Festung Königstein
Alte Kaserne, Magdalenenburg und Garnisonskirche
Die Alte Kaserne (Gardehaus) von 1589 gehört zu den ältesten Kasernenbauten Deutschlands.


Bild: Alte Kaserne, Magdalenenburg und Garnisonskirche
In dem im Jahr 1594 anstelle des alten Burgtores gebauten Alten Zeughaus bewahrte die Festungsbesatzung Geschütze, Waffen und Proviant auf. Dieser Renaissancebau besitzt ein wuchtiges Portal und eine große Halle mit Kreuzgratgewölbe und drei mächtigen Säulen im Erdgeschoss.

Ausstellung im Johannissaal des Neuen Zeughauses
Im Neuen Zeughaus von 1631 sind Ausstellungen des Militärhistorischen Museums Dresden eingerichtet. Das Waffenmuseum zeigt unter anderem sächsische Geschütze aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Bild: Ausstellung im Johannissaal des Neuen Zeughauses
Im Kommandantenhaus wurde die Wohnung des Kommandanten Theobald von Oer in ihrem Zustand von 1900 originalgetreu wiedereingerichtet. Auch der Kommandanten-Pferdestall, drei Riesenweinfässer in der Magdalenenburg und eine Gefängniszelle im Zustand des 18. Jahrhunderts in der Georgenburg sind zu besichtigen, mit Führung auch die alten Tiefkeller und unterirdischen Kasematten. Der Besucher findet hier auch Ausstellungen und Dokumentationen zur Geschichte der Festungsräume.

Geschütz auf der Festung Königstein
Zu den Sehenswürdigkeiten der Festung gehören weiterhin die hölzerne Zugbrücke, die "Steinschmeiße" genannte Spalte, die Pechnase sowie das dunkle, steile Aufgangsgewölbe (Dunkle Appareille), das unter dem Neuen Zeughaus hindurchführt und mit einer Wagenwinde zum Hochziehen von Fuhrwerken ausgestattet ist. Diese Bauten waren im 16. Jahrhundert von Fronbauern geschaffen worden.
Brunnen der Festung Königstein
Den 3,5 m breiten und 152,5 m tiefen Festungsbrunnen, der zu den berühmtesten Tiefbrunnen Europas zählt, hatten Freiberger und Marienberger Bergleute zwischen 1563 und 1569 in den Fels gegraben. Der tatkräftige russische Zar Peter I. soll im Jahr 1712, während eines Aufenthaltes in Sachsen, eigenhändig mit einem Strick die Tiefe des Brunnens ausgemessen haben. Der Quellwasserzufluss, etwa acht Kubikmeter pro Tag, beginnt in einer Tiefe von 139 m. Die Brunnensohle liegt 88 m über dem Elbspiegel. 398 Jahre lang, bis 1967, diente der Brunnen der Trinkwasserversorgung der Festung. Heute fördert eine restaurierte Hebeanlage von 1912 im Rahmen von Schauvorführungen von April bis Oktober Wasser aus dem Brunnen.
Die im Jahr 2000 neu eingeweihte Garnisonskirche ging aus einer um 1200 errichteten Kapelle vom Typ eines romanischen Saalraumes hervor, dem ältesten Bauwerk des Königsteins. In der Kirche finden regelmäßig Musikveranstaltungen statt.

Im Rahmen des Internationalen Militärmusikfestes spielten im Juni 2004 zahlreiche Militärkapellen aus dem In- und Ausland auf der Festung. In der Vorweihnachtszeit lädt die Festung zum Historisch-romantischen Weihnachtsmarkt "Königstein - Ein Wintermärchen" ein.

Friedrichsburg
Die Friedrichsburg steht auch für private Feierlichkeiten zur Verfügung. Die Attraktion ist hier ein Hubtisch, der in der Küche gedeckt und durch ein Hebewerk in den Festsaal befördert wird. Das Standesamt (Bild unten) der Friedrichsburg bietet ein reizvolles Umfeld für Eheschließungen (anzumelden über das Standesamt der Stadt Königstein).

Standesamt in der Friedrichsburg
Friedrichsburg auf der Festung Königstein

Bild: Friedrichsburg auf der Festung Königstein (Aquarell)

Im Erlebnisrestaurant "In den Kasematten" warten zu besonderen Anlässen auch historische Persönlichkeiten auf. Der Museums-Shop verkauft Souvenirs ebenso wie kostbare Stücke aus Meißner Porzellan, der Festungsmarkt an der Mannschaftsbaracke darüber hinaus zahlreiche sächsische Handwerksprodukte.

Festung Königstein gGmbH, 01824 Königstein, Tel. (035021) 64607, Fax. -64609

www.festung-koenigstein.de

www.festung.com - Erlebnisrestaurant "In den Kasematten" - Erleben Sie eine kulinarische Zeitreise im unterirdischen Felslabyrinth der Festung Königstein.

Öffnungszeiten: Apr-Sep 9-20 Uhr, Okt 9-18 Uhr, Nov-März 9-17 Uhr

Einlass endet 1 Stunde vor Schließung
Personenaufzug ist vorhanden (42 m Höhenunterschied in 80 Sekunden)
Führungen Apr-Okt mehrmals täglich

Gastronomie und Imbiss während der Öffnungszeiten vorhanden

Anreise:

Festung Königstein - Wegeplan PKW - A17 / Abfahrt Pirna, B172 (ab Parkplatz zu Fuß oder mit Bus)
S-Bahn - Dresden-Schöna
Bus - Linie 241 Pirna-Königstein
Schiff - Dresden-Königstein-Schmilka
Fußweg von Stadt Königstein: ca. 25 min (recht steil, Wanderzeichen: blauer Strich)



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