Dresden und Sachsen
Inhalt
Einführung
Geschichte
Dresden
Dresdner Umland
Dresden Umland Übersicht
Dresden Umland West
Dresden Umland Ost

Links
Literatur
Buch, CD
Glossar
Register
Impressum

Copyright

StartseiteDresdner Umlanddresden-und-sachsen.de
Dresdner Umland West
SeitenMoritzburg | Meißen | Riesa-Großenhain, Diesbar-Seußlitz | Radebeul | Coswig, Weinböhla | Weinstraße | Nossen | Kloster Altzella | Lommatzsch | Radeburg | Freital, Rabenau | Tharandter Wald | Dippoldiswalde

Domstadt Meißen
Stadt Meißen | Albrechtsburg, Dom | Geschichte | Porzellan-Manufaktur | Porzellan-Erfindung


Porzellan-Manufaktur Meißen
Markenzeichen des Meissener Porzellans
Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen, Talstr. 9, 01662 Meißen, Tel. (03521) 468208, Fax 468804, www.meissen.de, www.meissner-porzellan.de
Museum und Schauwerkstatt: tgl. 9-18 Uhr, Nov-Apr bis 17 Uhr


Bild: Weltbekannt wurde Meißen durch das Meissener Porzellan® (das "Weiße Gold"), dessen Markenzeichen die kobaltblauen gekreuzten sächsischen Kurschwerter sind
Nach der Erfindung des europäischen Porzellans in Dresden ließ August der Starke (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) die von ihm im Jahr 1710 gegründete Porzellan-Manufaktur auf der Meißner Albrechtsburg einrichten. Seit 1864 befindet sich die weltberühmte Porzellan-Manufaktur Meissen im Triebischtal (etwa 10 Minuten Fußweg vom Marktpatz entfernt), weil die Räume auf der Burg damals zu klein geworden waren und König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873) und der Altertumsverein außerdem eine umfassende Restaurierung der Albrechtsburg planten, der die Manufaktur weichen musste.

Am Hauptgebäude der Manufaktur steht die Büste von Johann Friedrich Böttger (1682-1719), der in Dresden gemeinsam mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708) das europäische Porzellan erfand.

Zur Manufaktur gehören Schauräume, eine Schauwerkstatt und ein Verkaufsraum. Seit Anfang des Jahres 2005 empfängt der ab Mai 2003 für etwa 8,6 Mio. EUR errichtete Neubau des Besucherzentrums seine Gäste. Hinter der schön bemalten Fassade, die unter anderem August den Starken hoch zu Ross bunt auf Porzellan wie auch Darstellungen des Porzellangestalters Kändler und des Porzellanmalers Höroldt sowie farbige chinesische Miniaturen zeigt, sind auf 4.170 m² Fläche eine zweite Schauwerkstatt, ein Museumsshop, Fachgeschäfte, Sonderausstellungen, ein Restaurant und Vortragsräume eingerichtet.

Große Figur aus Meissener Porzellan
Die Schauräume in der im Jahr 1916 errichteten Schauhalle präsentieren etwa 3.000 von mehr als 20.000 Objekten aus der seit 1710 laufenden Porzellanproduktion. Jährlich werden Teile der Ausstellung gewechselt. Viele der Stücke der Porzellansammlung dienen als Modell für die laufende Produktion. In der Festhalle im ersten Obergeschoss der Manufaktur ist eine jedes Jahr anders eingedeckte prächtige Tafel für zwölf Personen zu besichtigen. Im zweiten Obergeschoss ist Porzellan aller Epochen ausgestellt wie z.B. ein im Jahr 1749 für Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen) geschaffener 3,50 m hoher Tafelaufsatz.

In der Schauwerkstatt kann man den Drehern, Formern, Bossierer (sie fügen die Figurenteile zusammen) sowie den Unterglasur- und Aufglasurmalern bei der Fertigung der Porzellane zuschauen. Die hoch geschätzte Individualität des Meissener Porzellans® ergibt sich aus dieser Handformung und Handmalerei in der Manufaktur.


Bild: Große Figur aus Meissener Porzellan®

Aus der Geschichte der Porzellan-Manufaktur Meissen
Anfangs kopierte die im Jahr 1710 gegründete Porzellan-Manufaktur Meissen vorwiegend ostasiatische Gefäße und Figuren. Doch bald entwickelten die in der Manufaktur beschäftigten bedeutenden sächsischen Künstler einen eigenen, an der Formensprache des Barocks und des Rokoko orientierten Stil, der das Meissener Porzellan® weltberühmt machte.

Auf Anregung von Manufaktur-Inspektor Johann Melchior Steinbrück wurden im Jahr 1722 die gekreuzten sächsischen Kurschwerter zum Markenzeichen des Meissener Porzellans® erklärt (vorher dienten das AR - Augustus Rex - oder das K.PM. - Königliche Porzellan Manufaktur - als Bezeichner). Die kobaltblauen Schwerter gehören somit zu den ältesten Markenzeichen der Welt.

Weil sich das Geheimnis der Porzellanherstellung nicht lange wahren ließ, entstanden schon bald weitere europäische Manufakturen z.B. in Wien (1720), Sévres, Mainz (1740), Fürstenberg, Berlin, Nymphenburg und Ludwigsburg. Das mit den kobaltblauen Schwertern gekennzeichnete "Weiße Gold" aus Meißen blieb jedoch das schönste und wertvollste europäische Porzellan.

Um 1750 zählte die Manufaktur etwa 570 Beschäftigte, darunter 190 Maler.

Der aus Wien stammende Maler Johann Gregorius Höroldt (1696-1775) gründete im Jahr 1764 die Zeichenschule der Manufaktur. Dieser berühmte Porzellanmaler entwickelte hier z.B. die kobaltblaue Unterglasurmalerei und schuf unzählige Farbkompositionen und Stile wie die Indischmalerei und die Blumenmalerei. Wie in den Anfangszeiten der Zeichenschule führt noch heute die von den Künstlern während ihrer Ausbildung gezeigte Begabung zu einer allmählichen Spezialisierung auf bestimmte Dekors.

Teile des Schwanenservice von Kändler und Eberlein Figur aus dem Schwanenservice von Kändler und Eberlein
Der Bildhauer Johann Joachim Kaendler (1706-1775) zeigte sich als genialer Porzellan-Modelleur und schuf überaus phantasievolle Figuren in der spielerischen Heiterkeit des Rokoko. Sein für Graf Brühl gefertigtes "Schwanenservice" ist mit mehr als 1.000 Einzelstücken das umfangreichste je geschaffene Tafelservice.
Zwischen 1774 und 1814 leitete Graf Marcolini die Einrichtung. Viele der bis 1815 in Meißen hergestellten Porzellane sind in der Porzellansammlung (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) im Dresdner Zwinger ausgestellt, darunter Gefäße, Figuren, Porzellanmalerei und berühmte Speiseservice.


Berühmte Formen und Dekore
Die berühmtesten und begehrtesten Porzellan-Dekore gehen bis auf die ersten Jahrzehnte der Manufaktur zurück. Dazu gehören Höroldts Chinoiserien wie die Indischmalerei mit roten und grünen Drachen, die "Bunten chinesischen Schmetterlinge" und Höroldts Landschaften.

Ab 1735 bildete sich in Meißen eine eigenständige europäische Blumenmalerei heraus ("Trockene Blumenmalerei", "Deutsche Blumen" und Blumenmotive mit Insekten, Schmetterlingen und Golddekoration), die später um die klassizistische "Marcolini-Blumenmalerei", die "Meißner Rose" und die "Streublumen" der Biedermeier-Zeit sowie Motive der naturalistischen Blumenmalerei erweitert wurde.

Weitere frühe Motive sind Jagdszenen, Landschaften und Szenen nach Watteau. Besonders berühmt wurden das "Meißner Weinlaub" und das "Zwiebelmuster". Letzteres, ein Unterglasurdekor, stammt aus der Frühzeit der Manufaktur und zeigt keine Zwiebeln, sondern in Anlehnung an ostasiatische Vorbilder solche Design-Elemente wie Granatäpfel und Bambusstäbe. Das "Zwiebelmuster" genannte Geschirr besteht inzwischen aus etwa 740 Einzelstücken.

Auch die Porzellanfiguren des Rokoko sind noch heute sehr beliebt. Sehr originelle Formen und Dekors steuerten auch Jugendstil-Künstler wie Paul Scheurich (1883-1945), Max Esser (1885-1943) und Emil Paul Börner (1888-1970) bei.

Um 1900 wurde das Sortiment der Manufaktur auch um Porzellan-Glockenspiele erweitert. Solche sind z.B. an der Meißner Frauenkirche, am Dresdner Zwinger, an der Mädlerpassage in Leipzig und im erzgebirgischen Bärenfels zu sehen und zu hören.

In der Zeit der DDR kamen neue Dekors wie z.B. "Tausendundeine Nacht", "Sommernachtstraum" und das grüne "Jagdservice" hinzu.

In der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen stellen heute mehr als eintausend Mitarbeiter über 150.000 verschiedene Artikel her. Zahlungskräftige Liebhaber können sich in der Manufaktur alle jemals hier geschaffenen Formen und Dekors als originalgetreue Nachbildungen anfertigen lassen. Diese sind als Muster und Modell aufbewahrt. Sogar das "Schwanenservice" mit seinen weit mehr als eintausend Teilen fertigt man hier auf Bestellung nach.


Herstellungsverfahren
Bei der Herstellung der Porzellane wird zunächst die Rohmasse in der Dreherei gedreht oder in der Formerei zu Figuren geformt. In der Bossiererei setzt man die Figurenteile zusammen und führt letzte Modellierungen aus. Dann erfolgt der Glühbrand bei 900°C, bei dem das Wasser aus der Masse verdampft. Nach der (seit 1717 gebräuchlichen) Unterglasurmalerei findet das Glasieren und schließlich der Gutbrand bei 1.450°C statt. Letzterer sorgt für das Schrumpfen (Sintern) der Masse um etwa 1/6 des Volumens, wobei das Flussmittel das nicht schmelzbare Kaolingefüge ausfüllt, was zu der hohen Dichte des Porzellans führt. Anstelle der Unterglasurmalerei ist auch eine Aufglasurmalerei mit einem Gemisch aus Metalloxyden, Flussmitteln und Bindemitteln möglich. Diese findet aber erst nach dem Gutbrand statt und erfordert einen anschließenden Farbbrand bei 820°C. Die Rezeptur der Porzellanfarben ist Werksgeheimnis.



  nach oben