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Moritzburg
Barockschloss Moritzburg | Gemeinde, Wildgehege, Moritzburger Teichgebiet, Friedewald


Geschichte & Architektur von Schloss Moritzburg
Barockschloss Moritzburg und Schlossteich
Museum Barockschloss Moritzburg, 01468 Moritzburg, Tel. (035207) 81439

www.barockschloss-moritzburg.de

www.schloss-moritzburg.de

www.schloesser-sachsen.de


Bild: Barockschloss Moritzburg und Schlossteich, von Westen gesehen (der Anbau vorn mit Turm ist die Schlosskapelle)
Schloss Moritzburg ist etwa 15 km nordwestlich von Dresden (nicht weit von Radebeul entfernt) gelegen. Das zu den imposantesten barocken Schlossanlagen Mitteleuropas zählende Barockschloss steht am Ende einer langen Allee am Nordrand des Ortes Moritzburg auf einer Insel inmitten eines künstlichen Schlossteiches. Das mächtige Jagdschloss mit seinen vier fünfgeschossigen Rundtürmen und dem dreigeschossigen Mitteltrakt fügt sich harmonisch in eine herrliche Teich- und Waldlandschaft ein. Dieses Gesamtkunstwerk von großartiger Wirkung ist das wohl meistbesuchte Ausflugsziel Sachsens außerhalb Dresdens.

Die Wälder um Moritzburg, die zum wildreichen Friedewald gehören, waren einst ein großes kurfürstliches Jagdrevier. Inmitten dieses Jagdreviers, auf einer Granitkuppe in einer Sumpfniederung (den Schlossteich gab es anfänglich noch nicht), ließ Herzog Moritz (1521-1553), der dann ab 1547 als Kurfürst Moritz von Sachsen regierte und Dresden zur kurfürstlichen Residenz machte, von den bedeutenden Baumeistern Hans von Dehn-Rothfelser, der auch das Residenzschloss in Dresden zum Renaissance-Schloss umbaute, und Caspar Voigt von Wierandt zwischen 1542 und 1546 ein Jagdschloss bauen. Das damals nach seinem Bauherr "Moritz-Burch" genannte, etwa 60 x 30 m große Renaissance-Jagdschloss mit charakteristischen Renaissance-Giebeln war eines der ersten bedeutenden Renaissance-Bauwerke Sachsens. Es stand in einem Hof, der von vier durch Wehrmauern verbundenen Rundtürmen mit geschweiften Hauben flankiert war.

Zwischen 1582 und 1584 erweiterten Paul Buchner und Peter Kummer das Bauwerk. Zwischen 1594 und 1598 kam eine zweite Ummauerung hinzu. Das noch heute vorhandene Schlossmodell ließ Paul Buchner um 1600 anfertigen.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erfuhr Schloss Moritzburg einige Schäden. Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (reg. 1656-1680) ließ es danach wiederherstellen und erweitern. Wolf Caspar von Klengel errichtete an der Westfront der Umfassungsmauern zwischen 1661 und 1672 eine Kapelle. Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen (reg. 1691-1694) ließ im Jahre 1693 den Moritzburger Tiergarten anlegen. Zu dieser Zeit trug Johann Georg Starcke die Renaissancegiebel Buchners ab und setzte dem Schloss ein viertes Stockwerk auf.

August der Starke (Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, zugleich König August II. von Polen; reg. 1694-1733) ließ die ganze Anlage zwischen 1722 und 1727 (einige Arbeiten bis 1736) in ein Barockschloss umbauen. Die Entwürfe schufen der bedeutende Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, der vorher den Dresdner Zwinger gebaut hatte, sowie Zacharias Longuelune (auch Bauleitung vor Ort) und Jean de Bodt. Diese drei Architekten bauten später gemeinsam das Japanische Palais in Dresden. Einige Bauskizzen für das Barockschloss Moritzburg steuerte auch August der Starke selbst bei (im Erdgeschoss des Schlosses ist die Kopie eines eigenhändigen Entwurfes aus dem Jahr 1703 zu sehen). Ab 1731 war auch Johann Christoph Knöffel am Bau beteiligt.

Eingangsbereich des Barockschlosses Moritzburg
Bild: Eingangsbereich des Barockschlosses Moritzburg, von Süden gesehen
Die Architekten verbanden die vorher innerhalb einer Mauer mit Ecktürmen getrennt stehenden Renaissance-Gebäude zu einem einzigen großen Bauwerk in einer annähernd quadratischen symmetrischen Anlage. Vom Vorgängerbau blieben im wesentlichen die Kapelle, der Treppenturm, der Keller unter dem Fürstenhaus sowie der Jäger- und der Amtsturm bestehen. Die Baumeister vergrößerten die Ecktürme und den Zentralbau und fügten dazwischen schmale Gebäudeflügel ein. Auch die Kapelle, die an dem hohen spitzen Dachreiter zu erkennen ist, und den Speisesaal integrierten sie in das Bauwerk. Longuelune schuf im ersten Obergeschoss vier große, je zwei Geschosse hohe Säle - den Steinsaal, den Speisesaal, den Billardsaal und den Monströsensaal.

Das seitdem von seinen vier großen Rundtürmen geprägte ocker-weiß (in den Farben des sächsischen Barock) gestaltete Schloss besticht besonders durch den Gegensatz zwischen großen runden und geraden, eckigen Formen. Die von Matthäus Daniel Pöppelmann entworfene illusionistische Fassadengliederung des Schlosses wurde während einer Sanierung um 1980 (zusammen mit den Kleinbauten im Umfeld des Schlosses) wiederhergestellt.

Barockschloss Moritzburg, von Osten gesehen
Bild: Barockschloss Moritzburg, von Osten gesehen (im rechteckigen Anbau vorn befindet sich der Speisesaal)
Der 980 x 340 m große Schlossteich wurde um 1730 angelegt. Die 95 x 90 m messende Schlossterrasse ist ein Werk von Marcus Conrad Dietze aus der Zeit um 1705. Eine westliche und eine östliche Freitreppe sowie eine nördliche und eine südliche Auffahrt verbinden sie mit dem Umfeld. Ihre Gestaltung und die Spiegelung des Schlosses im Schlossteich mindern den Eindruck der Massigkeit des Gebäudes. Acht kleine, in Zweiergruppen stehende Pavillons (Kavaliershäuschen) schließen die Anlage in alle vier Richtungen ab und schaffen einen baulichen Übergang zum Umland. Der über den Teich führende Dammweg wird vor und hinter dem Schloss von je zwei dieser Pavillons flankiert. Der Barockgarten (die französische Gartenanlage) im Norden des Schlosses beruht auf Plänen Pöppelmanns.

Die heiter-barocken Balustraden-Statuen der Auffahrt und der Schlossterrasse entstanden in den Werkstätten der berühmten Barock-Bildhauer Balthasar Permoser, Johann Christian Kirchner und Benjamin Thomae. An der Hauptauffahrt stehen zwei Piqueure mit Parforcehörnern und Jagdhunden auf Sandsteinsockeln. Der hornblasende Jäger mit Hund ist eine Arbeit von Wolf Ernst Brohn aus dem Jahr 1660. Über dem Haupteingang des Schlosses prangen das kurfürstlich-sächsische und das königlich-polnische Wappen.


Innenausstattung
Prunkzimmer im Barockschloss Moritzburg
Das Barockschloss Moritzburg verfügte über 20 Wohnquartiere für die kurfürstlich-königliche Familie, ihre Gäste und die Dienerschaft. Die vier Prunksäle und mehr als 200 Räume des Schlosses zeigen eine prachtvolle, bis ins Detail geplante und hervorragend abgestimmte spätbarocke Innenausstattung mit schönen Arrangements von Tapeten, Stuckdecken, Malereien und Möbeln sowie Porzellan- und Glaskunstwerken. Dazu gehören auch chinesische, japanische und Meißner Porzellane, Augsburger Silbermöbel, Jagdwaffen und Gemälde von Lucas Cranach d.J. Die meisten der wertvollen Stücke kamen aus den damals weitgerühmten sächsischen Manufakturen.
Die Gesamtplanung der Innenausstattung lag in den Händen von Raymond Le Plat. Jean de Bodt gestaltete die Haupttreppen. Der von 1717 bis 1742 in Sachsen tätige Maler Louis de Silvestre (später Direktor der Königlichen Akademie in Paris) sowie Lorenzo Rossi und Johann Baptist Grone schufen die wertvollen Malereien der Schlossräume. An der Ausgestaltung war auch der Vergolder H. Hulot beteiligt.

Zum Mobiliar des Schlosses gehörten einst unschätzbar wertvolle Meisterwerke des sächsischen und europäischen Kunsthandwerks. Ein großer Teil davon verschwand in den Kriegs- und Nachkriegswirren des Jahres 1945. Schon kurz nach dem Krieg, ab 1948, erfolgte die Wiedereinrichtung des Schlosses mit Gegenständen aus anderen Schlössern Sachsens, um so ein Sächsisches Barockmuseum zu schaffen.

Erstes Obergeschoss von Schloss Moritzburg
Heute schmücken eine überwiegend originalgetreu rekonstruierte Einrichtung sowie prächtige, aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stammende Möbel des Museums für Kunsthandwerk der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die Räume. Außerdem sind Kutschen, Sänften und Hausrat aus dem gleichen Zeitraum zu besichtigen. So ist z.B. in der nördlichen Wagenhalle ein Reisegepäckwagen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu sehen. Ständig wechselnde Sonderausstellungen ergänzen die Dauerausstellungen. Im Erdgeschoss ist eine Ausstellung zur Schlossgeschichte eingerichtet.

Das erste Obergeschoss des Schlosses enthält neben der Kapelle und vielen kleineren Räumen vier große Prunksäle - den Steinsaal, den Speisesaal, den Billardsaal und den Monströsensaal. Sie sind mit Jagdtrophäen und prächtigen, überwiegend mit mythologischen und zeitgenössischen Jagdszenen bemalten und teilweise vergoldeten Ledertapeten aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestaltet. Einige Tapeten stammen noch aus der Zeit des alten Renaissance-Schlosses, andere wurden z.B. von Pierre Mercier, dem Begründer und Leiter der sächsischen Teppichwirkerei und Tapetenfabrik, geschaffen.
August der Starke - Gemälde von Louis de Silvestre
Die Wände des Steinsaales (ein großer Vorsaal) sind über und über mit Elch-, Rentier- und Hirschgeweihen behängt. Das auffällige Geweih eines urzeitlichen Riesenhirsches ist ein Geschenk von Zar Nikolaus I. von Rußland. Zur Ausstattung gehören auch vier Kamine und zwei Türen mit roten, weißen und grauen Fassungen. Ein Blickfang ist das Gemälde von Louis de Silvestre, das August den Starken auf einem weißen Pferd zeigt.


Bild: August der Starke (Gemälde von Louis de Silvestre)
Die Wände des zweigeschossigen Audienzsaales (auch Monströsensaal genannt) sind mit Ledertapeten verkleidet, die Lorenzo Rossi mit Darstellungen der Jagdgöttin Diana, die als Schirmherrin des Jagdschlosses galt, bemalte. Auch weitere kostbare Tapeten aus gepresstem, gepunztem, poliertem und bemaltem Kalbs-, Ziegen- und Schafsleder sind hier zu finden. Ihr goldener Grundton beruht auf einem Firnis aus Kolophonium, Harz, Sandarak und Aloe.

Das 66-Ender-Hirschgeweih in Schloss Moritzburg
Die Bezeichnung Monströsensaal ist auf die hier ausgestellten missgeformten ("monströsen") Geweihe zurückzuführen. Bei der unlängst abgeschlossenen Restaurierung fand man Nummern an den Wänden und den Geweihen, so dass letztere nun wieder an ihren historischen Plätzen hängen. Bei dem berühmten "Moritzburger 66-Ender" (s. Bild), der über der Eingangstür zu sehen ist, handelt es sich tatsächlich um einen 27-Ender, weil nur Enden ab 2 cm Länge zu zählen sind. August der Starke hatte dieses Geweih im Jahr 1696 von Friedrich Wilhelm I. von Preußen bekommen - entweder als Geschenk oder als Gegenleistung für eine Kompanie "lange Kerls".
Die vier Kurfürstenzimmer sind mit kostbaren Möbeln, Schmucktruhen, Kaminen und Porzellanfiguren z.B. vom berühmten Porzellankünstler Johann Joachim Kaendler sowie mit gepunzten maurischen Ledertapeten geschmückt.

Im kürzlich restaurierten Zimmer mit den Damenbildnissen sind Gemälde aus der Werkstatt von Louis de Silvestre ausgestellt: sieben Portraits sächsischer und polnischer Hofdamen und Mätressen Augusts des Starken. Letzterer hatte etwa 250 Bilder dieser Art malen und in einer "Galerie der Schönheiten" in Schloss Pillnitz aushängen lassen.

Auch der Billardsaal ist mit Ledertapeten ausgestattet, die Jagdmotive zeigen. Die Moritzgalerie präsentiert Portraits sächsischer Kurfürsten.

Im Lackmöbelzimmer stehen ostasiatische Lackmöbel, außerdem eine von 18 sogenannten Dragonervasen, die August der Starke beim Preußenkönig gehen 600 sächsische Dragoner eingetauscht hatte.

Speisesaal von Schloss Moritzburg
Der Speisesaal ist mit 65 Geweihen ausgeschmückt. Die bedeutenden Bildhauer Benjamin Thomae und Johann Christian Kirchner schufen die kunstvoll geschnitzten Hirschköpfe. Die Moritzburger Rothirsch-Geweihsammlung, die schon im Jahr 1736 ihren heutigen Umfang erreicht hatte, ist die bedeutendste europäische Sammlung dieser Art. Der ungerade "Moritzburger 24-Ender" gilt als stärkstes Rothirschgeweih der Welt.
Hohe Gäste des sächsischen Hofes wie Zar Peter I. von Rußland und Kaiser Napoleon I. erhielten den Willkommenstrunk in Moritzburg in einer kelchartig geformten Geweihkrone, dem "Willkomm", gereicht. Dies war die rechte Stange eines 36-Enders, die als Halterung für eine Weinflasche diente.

Im Jägerturm richtete sich Prinz Ernst Heinrich in den 1920er Jahren ein kleines Porzellankabinett z.B. mit Böttger-Steinzeug und Kaendler-Porzellan ein.

Kürzlich wurden das Federzimmer, das Damenbildniszimmer, der Audienzsaal, die Moritzburger Geweihsammlung mit den vergoldeten hölzernen Hirschköpfen und die Schlossküche restauriert, ebenso die Ledertapeten vieler Räume. Allein schon die Geweihsammlung erforderte eine zweijährige Sanierung für etwa 1,7 Mio. EUR.

Das Federzimmer, ein Prunkzimmer Augusts des Starken aus dem Jahr 1723, galt als nicht restaurierbar. Dennoch gelang dies in einer 16-jährigen Arbeit für etwa 500.000 EUR, was mit dem Europa Nostra Award 2004 gewürdigt wurde.

Für das Jahr 2013 ist eine Generalsanierung des Schlosses geplant.

Seit Juli 2004 präsentiert die interessante Dauerausstellung "Moritzburger Hofküchen-Geschichten" vieles aus dem alltäglichen Leben des Königlich-Kurfürstlichen Sächsischen Hofes. Wenn August der Starke auf Schloss Moritzburg zu Gast war, brachte er einen ganzen Tross von Konditorei- und Küchenpersonal mit. Während er auf Jagd ging, wurde das wie ein Theaterstück in mehreren Akten aufgeführte Bankett vorbereitet. Vor allem Wildbret und Backwerk kamen auf den Tisch, außerdem Süßigkeiten und "Caffe, The und Chocolade", die damals sehr rar und teuer waren. Die umfangreichen Küchenanweisungen - ganze Speisekataloge - blieben bis heute erhalten, ebenso Listen für die Einquartierung der Gäste im Schloss. Bei der Abreise des Königs wurde der mit KHC ("Königliche Hof Conditorei") signierte Hausrat wieder vollständig eingepackt und nach Dresden gebracht. Die Ausstellung zeigt neben solchen Gegenständen auch viele alte Dokumente, die einen Einblick in das Leben am sächsischen Hof geben.


Schlosskapelle
Altar der Schlosskapelle Moritzburg
Die Ausstattung der zwischen 1661 und 1672 von Wolf Caspar von Klengel errichteten Schlosskapelle blieb beim barocken Umbau des Schlosses um 1727 fast unverändert. Neben der von Schlösschen Hoflößnitz in Radebeul ist es die einzige in der Region Dresden erhalten gebliebene Innenausstattung aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Zur Grundsteinlegung und zur Weihe der Kapelle im Jahr 1672 war jeweils eine Gedenkmünze geprägt worden (die Weihe-Münze zeigt eine Innenansicht der Kapelle), was den hohen Stellenwert des Bauwerkes in der damaligen Zeit belegt.

An der mit Stuck der italienischen Künstler Galli, Materno und Trenelli verzierten Decke der Kapelle ist das im Jahr 1670 von Johann Fink (1628-1675) geschaffene Gemälde "Himmelfahrt Christi" zu sehen. Auch der Altar stammt von 1670. Das ursprüngliche Altarbild ersetzte man, als die Kapelle katholisch wurde (August der Starke war zum katholischen Glauben gewechselt, um die Königswürde von Polen erlangen zu können), durch das Bild "Die Himmelfahrt Mariae". Ebenfalls sehr wertvoll ist die Christusfigur - der marmorne "Schmerzensmann" - von Balthasar Permoser, dessen Erstfassung sich in der Katholischen Hofkirche in Dresden befindet.

Schlosspark, Fasanenschlösschen
Die Schlossinsel wie auch der nördlich davon liegende, um 1730 angelegte Schlosspark sind als Barockgarten (Französischer Garten) angelegt. Dahinter folgt der Waldpark mit dem Fasanenschlösschen und dem Wildgehege. In der Umgebung sind 34 Teiche zu finden. Der hinter dem Schloss beginnende Jagdforst besitzt acht sich sternförmig kreuzende Schneisen.

Fasanenschlösschen
Östlich vom Schloss Moritzburg, am Großteich (oder Bärnsdorfer Teich), steht das nur 13,4 m im Quadrat messende zweigeschossige Fasanenschlösschen mit der schönen doppelläufigen Freitreppe. Johann Daniel Schade und Johann Gottlieb Hauptmann hatten es zwischen 1769 und 1782 im Auftrag von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, der einen ruhigen Rückzugsort wünschte, errichtet. Es enthält eine Ausstattung im Zopfstil des Spätrokoko, dadurch wirkt es im Inneren eher wie ein bürgerliches Boudoir.
Die Räume des Fasanenschlösschens besitzen Stuckdecken. Auf den Strohtapeten sind Chinoiserien, also chinesische Figuren und Ornamente dargestellt. Die Wände im ersten Stock sind mit Leinwand verkleidet und mit ländlichen Szenen bemalt. Auch weitere versilberte und vergoldete Ornamente, Bildertapeten, bestickte Seidentapeten und Federtapeten gehören zur Ausstattung. Die Öfen zeigen sich ganz kurios als Kommoden oder kannelierte Säulen. Einiges vom einstigen Inventar ist heute in Schloss Pillnitz ausgestellt.

Seit den 1950er Jahren ist im Fasanenschlösschen eine der heimischen Vogelwelt gewidmete ornithologische Schausammlung des Museums für Tierkunde eingerichtet (Mai-Okt tgl. 10-18 Uhr). Eine kleine Vogelschau bestand hier schon lange vorher. Ein Zimmer ist der Falknerei gewidmet, die auch heute noch in Moritzburg als Sport betrieben wird.

Am Ort des Fasanenschlösschens wurde schon zur Zeit von Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586, nicht mit August dem Starken verwechseln!) eine Fasanerie mit einem Fasanengarten betrieben. Das einstige Vogelhaus an der Südseite des Gebäudes, in dem seltene Vogelarten lebten, wurde 1882 abgerissen. Heute befindet sich hier die Freitreppe zu der kleinen Parkanlage mit Brunnen. Ein weiterer Brunnen zeigt "Leda mit dem Schwan".

Im Umfeld des Fasanenschlösschens befinden sich Wohngebäude, in denen einst die Bediensteten des Schlosses und die Fasanenmeister lebten.

Leuchtturm am Moritzburger Großteich
In der Nähe des Fasanenschlösschens, auf der Mole eines kleinen Hafens des Großteiches, steht der um 1780 gebaute Leuchtturm.

Auf dem Großteich fanden Wasserfeste, Schiffs- und Gondelfahrten und sogar kleine "Seeschlachten" mit hölzernen Fregatten zum Vergnügen des Hofes statt. Einwohner der Umgebung dienten als Statisten. Eine der Inseln trug einst einen Teepavillon, eine andere sogar eine Miniaturfestung. Am Westufer des Teiches hatte man "Dardanellen" genannte künstliche Ruinen und Geschützbastionen gebaut. Von all dem blieb nur die Mole mit dem Leuchtturm erhalten.



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