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Müglitztal, Seidewitztal, Schloss Kuckuckstein, Glashütte, Bärenstein, Lauenstein Das Müglitztal Das etwa 40 km lange Müglitztal (das Tal des Flusses Müglitz) wird von bewaldeten Höhenzügen, schönen Ortschaften und romantischen Burgen gesäumt. König Johann von Sachsen (reg. 1854-1873), der hier (auf Schloss Weesenstein) als Prinz unter dem Namen "Philalethes" seine Dante-Übersetzung schrieb, nannte es "das schönste Tal Sachsens". Der Ort Müglitztal (2.400 Einwohner) bietet sich als Ausgangspunkt für Wanderungen durch das romantische Tal an. Der Fluss Müglitz entspringt im böhmischen Vorderzinnwald - östlich von Altenberg auf den Höhen des böhmischen Erzgebirges knapp jenseits der Landesgrenze. Er schürfte sich ein Tal durch die Höhenzüge des Erzgebirgsvorlandes bis hin zur Mündung in die Elbe bei Heidenau. Bei Mühlbach geht der Fluss vom erzgebirgischen Gneis in den Elbsandstein über. Die rote Färbung des Wassers der schon im Jahr 1532 als "Rothe Mogelitz" bezeichneten Müglitz wird durch das bei Lauenstein zufließende, aus den Zinnwäschen bei Altenberg und Geising kommende "Rotwasser" verursacht. Von der Bundesstraße B 172 zweigt in Heidenau die Müglitztalstraße ab. Bei Weesenstein tritt sie in das malerische Müglitztal ein. In Heidenau startet auch die Müglitztalbahn, deren romantische Strecke durch das Tal bis nach Altenberg verläuft. Im Jahr 1890 ging sie als Schmalspurbahn in Betrieb, seit den 1930er Jahren ist sie eine Normalspurbahn. Auf der etwa 49 km langen Strecke zwischen Heidenau und Altenberg passiert sie 5 Tunnel und 75 Brücken. Einst wurden die Wasserkünste im Barockgarten Großsedlitz mit Hilfe des "Kunsthauses" in Köttewitz, eines (nicht mehr bestehenden) wassergetriebenen Pumpwerkes, aus der Müglitz gespeist. Das Müglitztal war stets von Hochwasser bedroht, was nicht zuletzt auf die Rodung der Wälder für den Bergbau zurückzuführen ist. So kam es etwa alle 30 Jahre zu Flutkatastrophen wie z.B. im Jahr 1927, als auch der Park von Schloss Weesenstein vollkommen verwüstet wurde, oder im Jahr 1957. Erst seit den 1970er Jahren mindern Rückhaltebecken am Oberlauf des Flusses die Gefahr.
Maxen, Schlottwitz ![]() Das Schloss Maxen gelangte im Jahr 1819 in den Besitz von Johann Friedrich Anton Serre, der es zu einem bedeutenden Künstlertreff machte. Die Gästeliste verzeichnet berühmte Musiker, Dichter, Bildhauer und Maler wie Robert Schumann, Carl Maria von Weber, Franz Liszt, Ludwig Tieck, Hans Christian Andersen, Ernst Rietschel und Ludwig Richter. In der Umgebung von Maxen sind Überreste des Kalksteinabbaus zu finden. Maxener Marmor fand unter anderem beim Bau der Katholischen Hofkirche in Dresden Verwendung. Die noch heute vorhandenen Maxener Kalkbrennöfen stammen zum Teil noch aus der Zeit des Barock. Bild: Kalkbrennofen bei Maxen im Müglitztal Zu den beliebtesten Wanderzielen im Maxener Umland gehören die weithin bekannten alten Bäume Linde von Hausdorf und Linde von Schmorsdorf. Einen guten Überblick über die Gegend gewährt die "Finckenfanghöhe" bei Maxen. Der Name erinnert an ein Gefecht zwischen preußischen und österreichischen Truppen im Jahr 1759 (im Siebenjährigen Krieg), das auch in einem Gemälde am Giebel des Bahnhofes Burkhardswalde-Maxen dargestellt ist. Damals erlitt das preußische Korps von Generalleutnant Friedrich August von Finck eine verheerende Niederlage. Es sollte auf Befehl Friedrichs II. von Preußen den Rückzug der Österreicher nach Böhmen verhindern, musste aber mit 9 Generälen, 540 Offizieren, 15.000 Soldaten, 1.400 Pferden und 71 Geschützen kapitulieren, wofür der General mit einem Jahr Festungshaft in Spandau bestraft wurde. Danach verließ er Preußen und diente fortan in Kopenhagen als General der Infanterie. Bei Schlottwitz, wo einst sogar Gold in einem kleinen Nebenfluss gewaschen wurde ("Schlottwitz" ist aus dem slawischen Wort für "Golddorf" abgeleitet), begann im Jahr 1750 der Abbau von Achat und Amethyst. Die Schürfrechte lagen zunächst beim Grafen von Bünau, dann bei den wettinischen Landesherren. Um 1900 setzte eine planmäßige industrielle Förderung ein, die sich allerdings schon bis 1918 erschöpfte. Schöne Stücke dieser Halbedelsteine sind im Dohnaer Heimatmuseum und in der Ausstellung der Freiberger Bergakademie zu besichtigen. Liebstadt & Schloss Kuckuckstein (Seidewitztal) Der wenige Kilometer östlich vom Müglitztal im Seidewitztal gelegene Ort Liebstadt (350 m ü.d.M.) ist mit 850 Einwohnern die kleinste Stadt Sachsens. Die um 1500 errichtete Stadtkirche verfügt über einen altniederländischen Flügelaltar aus dem späten 15. Jahrhundert mit drei spätgotischen Altartafeln (Kreuzgang, Kreuzabnahme und Auferstehung), eine Sandsteinkanzel von 1577 und zahlreiche Grabdenkmale aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Attraktion des im Jahr 1286 erstmals erwähnten Städtchens ist aber das malerisch auf einem Gneisfelsen aufragende Schloss Kuckuckstein. Schloss Kuckuckstein wurde um 1450 anstelle einer um 930 gegründeten und im Jahr 1402 zerstörten Burg gebaut. Diese sich zeitweise im Besitz der Dohnaer Grafen befindende Burg kontrollierte die wichtige Handelsstraße über das Osterzgebirge nach Böhmen. Im Jahr 1453 war der für die Grafen von Bünau errichtete spätgotische Neubau fertiggestellt. Einige der gotischen Bauteile wie der Bergfried, die Kapelle mit Vorhangbogenfenstern (ähnlich denen der Meißner Albrechtsburg) und die (noch funktionstüchtige) Zugbrücke haben bis heute überdauert. Seine heutige Gestalt erhielt Schloss Kuckuckstein durch einen Umbau zwischen 1795 und 1802 im romantischen Stil nach Plänen von Christian Friedrich Schuricht. Bauherr war die Familie von Carlowitz, die die Burg im Jahr 1775 erworben und ihr im Jahr 1791 den Namen "Kuckuckstein" gegeben hatte. Die Brüder Carlowitz pflegten enge Beziehungen zum Künstlerkreis der Romantik, der auch in Schloss Siebeneichen bei Meißen verkehrte. Dazu gehörten Dichter wie Friedrich von Hardenberg (Novalis), Körner und Kleist. Die Brüder Carlowitz waren außerdem überzeugte Freimaurer. Sie machten Schloss Kuckuckstein zum Hauptsitz der sächsischen Freimaurerlogen. In der Zeit der Napoleonischen Kriege traten sie als glühende Patrioten auf. Carl Adolph von Carlowitz führte im Jahr 1814 als russischer Generalmajor das sächsische Freiwilligenkontingent gegen die napoleonischen Truppen ins Feld. Im Schloss laden die Räume der spätgotischen Burganlage und ein Museum zur Regionalgeschichte zu einem Besuch ein. Zu besichtigen sind auch die Freimaurerloge mit Ritualgegenständen, die Carlowitz-Bibliothek mit einer umfangreichen Sammlung freimaurerischer Literatur und das Napoleonzimmer. Kaiser Napoleon I. hatte hier - ausgerechnet im Schloss eines seiner erbittertsten Gegner - nach seinem Einmarsch in Liebstadt im September 1813 Quartier bezogen. Bei der Versteigerung des Schlosses im Jahr 1931 ging leider viel vom historischen Inventar verloren. Die Bücher der Bibliothek stammen zum großen Teil aus Gutsbüchereien der Region, die im Zuge der Bodenreform im Jahr 1945 aufgelöst worden waren.
Bärenstein Im Jahr 1241 machte man im Quellgebiet der Müglitz die ersten kontinental-europäischen Zinnfunde. Sie führten zu einem starken Preisverfall bei dem aus England importierten Zinn. Die Schürfrechte machten die Grafen von Bernstein sehr reich, so dass diese ihre Besitzungen weit ausdehnen konnten, was das Begehren der wettinischen Landesherren weckte. Im Jahr 1491 hatten es die Wettiner schließlich geschafft, den Bernsteinern den Zinnbergbau abzuringen. Im Jahr 1551 gründete Kurfürst Moritz von Sachsen (reg. 1547-1553) den damals "Naustettlin Bernstein" genannten Ort Bärenstein - heute ein beliebter Erholungsort. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab man den Zinnbergbau in dieser Gegend mangels Rentabilität auf. Der Bär im Wappen der Bernsteiner erinnert an die einst zahlreichen Bären im Müglitztal. Der letzte Bär dieser Gegend wurde im Jahr 1721 im nahe gelegenen Ort Bärenhecke erlegt. Die im Jahr 1495 errichtete spätgotische Bärensteiner Stadtkirche erhielt in den Jahren 1738/39 während einer von J. G. Ohndorff geleiteten Erneuerung eine barocke Ausstattung. ![]() Das über das Müglitztal aufragende Schloss Bärenstein war um 1800 aus der im 15. Jahrhundert errichteten Burg Bernstein umgebaut worden. Das gotische Spitzbogenportal und der Rundturm stammen noch von dieser Burg.
Glashütte Der Name der Stadt Glashütte erinnert an die Gewinnung von Glaskopferz in dieser Gegend. Der Erzbergbau endete hier aber schon im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). ![]() Weltberühmt wurde die Stadt durch die im Jahr 1845 von Ferdinand Adolph Lange gegründete Uhrenmanufaktur - die erste Uhrenfabrik Deutschlands. Der Dresdner Uhrmacher, der dann auch Bürgermeister von Glashütte wurde (sein Schwiegervater war Königlich-Sächsischer Hofuhrmacher), revolutionierte die Uhrenherstellung mit einem neuen Herstellungsverfahren: Die Teile wurden in Heimarbeit vorgefertigt und die Uhren in einer Fabrik endmontiert. Bild: Portraitplakette am Ferdinand-Adolph-Lange-Denkmal in Glashütte Bald entstanden in Glashütte noch weitere Uhrenfabriken. Im Jahr 1878 nahm die Deutsche Uhrmacherschule hier ihren Sitz. Im Jahr 1926 konnten die Glashütter Uhrenbauer das Monopol der Schweizer Armbanduhren-Hersteller brechen. Uhren aus Glashütte wie z.B. die alten goldenen Taschenuhren sind bis heute weltweit begehrte Museums- und Sammlerstücke. Die wohl teuerste Glashütter Uhr ist die "Assmann", von der es nur 25 Exemplare gibt (Stückpreis mindestens 150.000 EUR). Ein ganz besonderes Meisterstück ist die zwischen 1918 und 1926 gebaute Glashütter astronomische Uhr. Langes Uhrenmanufaktur trug ab 1868 den Namen "A. Lange & Söhne" (alle Verkaufsunterlagen der Firma liegen seitdem lückenlos vor und können zur Echtheitsprüfung von Lange-Uhren herangezogen werden). Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1875 führten seine Söhne Richard und Emil die Manufaktur weiter. Im Jahr 1919 übergab sie Emil Lange an seine Söhne. Nach dem Krieg, im Jahr 1948, wurde die Firma enteignet und zunächst als "VEB Mechanik A. Lange & Söhne" (VEB = Volkseigener Betrieb) weitergeführt, dann im Jahr 1951 in die "Glashütter Uhrenbetriebe" (GUB), die alle wichtigen Glashütter Uhrenhersteller zusammenfassten, eingegliedert. Nach der politischen Wende im Jahr 1990 gründete sich die "Lange Uhren GmbH" und vertrieb nun wieder Uhren der Marke "A. Lange & Söhne" in Europa, Asien und Amerika. Von den einst ca. 2.000 Mitarbeitern der Glashütter Uhrenindustrie wurden etwa 80 in die neuen Uhrenwerke übernommen. Die hochwertigen Glashütter Uhren - Luxusgüter zu Stückpreisen ab 5.000 EUR - werden noch heute überwiegend in Handarbeit hergestellt. Zu den teuersten Modellen gehören die "Lange Double Split" (82.500 Euro) und die "Langematik Perpetual" mit Platingehäuse und Krokodilleder-Armband (46.600 EUR). Die aus 365 Einzelteilen bestehende "Lange 1" gehört zu den meistprämierten Uhren der Welt. Im Jahr 2000 wurde die Lange Uhren GmbH von der Schweizer Richemont-Gruppe übernommen. Zur Lange Uhren GmbH gehört seit 1992 auch das im Jahr 1984 gegründete Uhrenmuseum, das etwa 250 wertvolle Exponate zur Geschichte der Glashütter Uhrenherstellung zeigt.
Lauenstein ![]() Auf einem Felsen über der Müglitz steht Schloss Lauenstein. Zum regen Kulturbetrieb im Schloss gehören Ausstellungen, Konzerte, Feste und Gastspiele. Der Vorgängerbau, eine schon im Jahr 1243 erwähnte Grenzburg gegen Böhmen, gelangte im Jahr 1517 in den Besitz der auf Schloss Weesenstein residierenden Familie von Bünau. Diese ließ die Burg um 1595 in ein schönes Renaissance-Schloss umbauen. Bild: Portal von Schloss Lauenstein aus dem Jahr 1580
Die vom Ende des 15. Jahrhunderts stammende Burgkapelle (1995 umfassend saniert) zeigt schöne gotische Maßwerkfenster und wertvolle Renaissance-Plastiken sowie eine Kanzel aus dem Jahr 1653 mit Darstellungen der vier Evangelisten auf den Bildfeldern. Der prächtigste Raum von Schloss Lauenstein ist der aus dem 17. Jahrhundert stammende, mit einer reichen Stuckdecke geschmückte Wappensaal. Von 1824 bis 1945 war das Schloss Sommersitz der Familie von Hohenthal. Graf von Hohenthal richtete sich hier ein "Hohenthalisches Raritätenkabinett" mit seltenen Jagdutensilien, Kunstobjekten und Gebrauchsgegenständen ein. Daraus ging später das Schlossmuseum, ein bedeutendes natur- und volkskundliches Museum hervor. Der Barockgarten des Schlosses wurde in der Nachkriegszeit aufgegeben und landwirtschaftlich genutzt. Inzwischen wird an seiner Wiederherstellung gearbeitet. Auch der in der Nähe des Schlosses stehende Falknerbrunnen ist eine Besichtigung wert. Die aus dem 15. Jahrhundert (das Langhaus aus dem Jahr 1594) stammende Lauensteiner Stadtkirche, eine spätgotische dreischiffige Hallenkirche, verfügt über einen wertvollen Sandstein-Altar mit vorzüglichen Reliefbildern. Der Pirnaer Bildhauer Michael Schwenke hatte ihn ebenso wie den Taufstein und die Kanzel mit der Mosesfigur zwischen 1594 und 1602 geschaffen. ![]() In der mit einer reichen Stuckdecke aus der Zeit um 1600 ausgestatteten Bünauschen Grabkapelle im Nordostteil der Lauensteiner Stadtkirche steht das Bünau-Epitaph. Lorenz Hornung schuf dieses mächtige viergeschossige, 9 m hohe und 5 m breite, mit Jaspis, Achat und Alabaster verzierte Sandsteindenkmal im Jahr 1611. Die äußerst fein gearbeitete Darstellung des Jüngsten Gerichts ist das zentrale Motiv des Denkmals. Die Familie von Bünau ist in Gestalt lebensgroßer Stifterfiguren verewigt, die seit 1615 als bewegliche Versatzstücke vor der großen Relieflandschaft der ersten Etage des Denkmals stehen. (Bei einem Brand im Sommer 2003 verrußten die Sandsteinfiguren stark, wurden aber inzwischen mit Hilfe eines speziellen Schichtsilikats restauriert.) Bild: Stifterfiguren am Bünau-Epitaph in der Stadtkirche Lauenstein nach oben |