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Stolpen Burg Stolpen | Stadt Stolpen | Aus der Geschichte | Fotogalerie ![]()
Die weithin sichtbare Burg Stolpen, eine spätmittelalterliche Abschnittsburg mit vier Höfen, die als Grenzfeste und Sitz der Meißner Bischöfe, als kurfürstliche Burg und schließlich als sächsische Landesfestung diente, steht auf einer Basaltkuppe (357 m ü.d.M.), die sich an der geologischen Grenze zwischen der Lausitzer Granitplatte und dem Elbsandsteingebirge erhebt. Bild: Westseite der Burg Stolpen mit dem Siebenspitzenturm ![]() Der Name der Burg ist vom slawischen Wort stolpy (Säulen) abgeleitet, was sich auf die im Gebiet der Stolpener Basaltkuppe zutage tretenden Basaltsäulen bezieht. Auch die Burg selbst wurde überwiegend aus dem örtlichen dunklen Basalt gebaut. Vor etwa 30 Mio. Jahren (im Tertiär) war das basaltische Magma durch einen Spalt im Lausitzer Zweiglimmergranodiorit an die Erdoberfläche aufgestiegen und beim Abkühlen in die schlanken vier- bis achtkantigen Säulen aufgesplittert. Diese heute als Naturdenkmal geschützte geologische Formation fand unter allen europäischen Basaltvorkommen die früheste Erwähnung. Die erste wissenschaftliche Beschreibung der Basaltsäulen stammt vom berühmten Mineralogen und Bergwerkskundler Georgius Agricola aus dem Jahr 1546. Im Jahr 1790 besuchte Johann Wolfgang von Goethe Stolpen, um diese Basaltgebilde zu studieren. Bild: Basaltsäulen im zweiten Burghof
![]() Bekannt wurde die Burg Stolpen vor allem als Verbannungsort von Anna Constanze Reichsgräfin von Cosel (1680-1765). Die berühmte Mätresse Augusts des Starken wurde, nachdem sie am sächsischen Hof in Ungnade gefallen war, nach Stolpen verbannt, wo sie von 1716 bis zu ihrem Tode im Jahr 1765 lebte, also 49 Jahre lang (28 Jahre in Haft und weitere 21 Jahre dann freiwillig). ![]() Die Reichsgräfin von Cosel überlebte in Stolpen nicht nur Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August den Starken; zugleich König August II. von Polen), der 1733 starb, sondern auch noch dessen im Jahr 1763 verstorbenen Sohn und Nachfolger Friedrich August II. von Sachsen (zugleich König August III. von Polen). Von ihrer ersten Unterkunft, dem Zeughaus, stehen nur noch die Grundmauern. Ihr späterer Wohnort, der Johannisturm, ist dagegen erhalten geblieben und als "Coselturm" eine der Attraktionen der Burg. Das Grab der Reichsgräfin entdeckte man im Jahr 1881 in den Burgkellern unter der Burgkapelle. ![]() Bilder: Blick auf das Coselgrab in der Ruine der Burgkapelle (die Grabplatte, unter der sich die Gruft befindet, ist unten rechts im Bild zu sehen; im Bildhintergrund der Siebenspitzenturm); unten: Gedenkstein für Gräfin Cosel und Gedenkplatte über dem Coselgrab in der Burgkapelle
![]() Im Jahr 1877 wurde die Burg Stolpen für Besucher freigegeben und ist seitdem ein beliebtes Ausflugsziel. Das seit mehr als 100 Jahren bestehende Burgmuseum präsentiert in 13 historischen Burgräumen und 8 Burgkellern historische Ausstellungsstücke wie z.B. Waffen und Rüstungen sowie Folter- und Prangerwerkzeuge. Historische Inneneinrichtungen sind in den Gewölben der Burgkeller, in der Hauptwache, im Marstall, in der Folterkammer, im Gerichtssaal, in den Wohnräumen der Gräfin Cosel im Johannisturm (mit einer kleinen Cosel-Ausstellung) und im Heilkräuterlabor der Kurfürstin Anna zu besichtigen. ![]() Bild: Arbeitsplatz eines Burgbeamten ![]() Bild: Ausstellung im Kräuterlabor (im Siebenspitzenturm) ![]() Bild: Burgschmiede (im dritten Burghof) Die Bauwerke, die die vier Burghöfe der 220 m langen Burganlage umstehen, blieben zum Teil nur als Ruinen erhalten. Recht eindrucksvoll zeigen sich die noch vorhandenen Türme aus der Zeit um 1500 - der Siebenspitzenturm, der Schösserturm, der Seigerturm und der Johannisturm (Coselturm). Um den ersten Burghof - den Hof der Klengelsburg, die Wolf Caspar von Klengel um 1675 als neue östliche Vorburg mit dem neuen Burgzugang angefügt hatte - gruppieren sich das Torhaus, die Kasematte und das Kornhaus von 1518. Letzteres enthält im Untergeschoss die Hauptwache am Durchgang (mit der Kasse und einer kleinen Ausstellung), den Marstall (in dem mittels eines Modells die Alte Wasserkunst erläutert wird, die im Jahr 1561 zur Wasserversorgung der Burg konstruiert wurde), ein "Ochsenloch" genanntes kleines Gefängnis und die Folterkammer, deren abschließende Wand aus natürlichen Basaltformationen besteht, sowie im Obergeschoss die Kornkammer und den Kornboden, die für Veranstaltungen und Sonderausstellungen genutzt werden. Der im Jahr 1518 im Kornhaus als Pferdestall und Gerätekammer eingerichtete Marstall ("Reisigenstall"), dessen acht Sandsteinsäulen ein meisterlich gestaltetes Kreuz- und Bogengewölbe tragen, beherbergte um 1800 das umfangreiche Amts- und Burgarchiv. Im Süden der Klengelsburg ist das Feldtor in die Burgmauer eingelassen, durch das man auf einen herrlichen Rundweg um die Burg gelangt. ![]() Bild: Ostseite (Außenseite) des Torhauses - Zugang zur Klengelsburg (Haupteingang der Burg) ![]() Bild: Westseite (Innenseite) des Torhauses; rechts der Eingang der Kasematte der Vorburg ![]() Bild: Zisterne in der Vorburg (Klengelsburg) ![]() Bild: Ostseite des Kornhauses (vom ersten Burghof gesehen)
![]() Bilder: Durchgang des Kornhauses mit der Hauptwache und Ausstellung in der Hauptwache ![]() Bild: Streckbank in der Folterkammer; dieser Raum war im Jahr 1614 noch als Pferdestall mit separatem Eingang (wo sich heute die erste Fensternische befindet) benannt worden; erst im Jahr 1691 wird hier eine "Marter Cammer" mit einem Pranger erwähnt (in Sachsen wurde die Folter offiziell im Jahr 1770 abgeschafft) Im zweiten der insgesamt vier Burghöfe, dem Zisternenhof, sind interessante, als Naturdenkmal geschützte geologische Formationen aus regelmäßigen achteckigen Basaltsäulen ("Orgelpfeifen") zu sehen. Den Zugang zum dritten Hof durch die hier doppelt ausgeführte Burgmauer bildet das Alte Hauptportal mit dem kursächsischen Wappen und der Jahreszahl 1521. Daneben steht der Schösserturm von 1487 (oft fälschlicherweise Schlösserturm genannt), in dem eine Ausstellung "Amt Stolpen" eingerichtet ist. Im Obergeschoss des Turms befanden sich zeitweilig die Amtsräume, im Untergeschoss die Gefängnisse "Mönchsloch" und "Ketzerloch". Eine von Stolpen ausgehende Regionalverwaltung durch Hauptleute und (etwa ab 1400) durch Beamte (Amtmänner und diesen unterstehende "Amtsschösser" und Amtsschreiber) als Verwalter landesherrlicher Rechte lässt sich bis zum Jahr 1335 zurückverfolgen. Die finanzielle und wirtschaftliche Verwaltung lag wesentlich in den Händen der Amtsschösser. Der Burghauptmann war Vorgesetzter aller Burgbeamten und Bediensteten und für die Bewachung und den Unterhalt der Burg zuständig. Im wirtschaftlichen Leben der Burg spielten der Kornmeister, der Küchenmeister, der Kellermeister und der Speiser (Tischmeister) eine zentrale Rolle. Das Burgleben, darunter auch die Zuteilung der Lebensmittel und Getränke, war - wie für eine Ämterbürokratie typisch - bis ins Detail durch Dienstanweisungen geregelt (so z.B. auch, wer wann wieviel Bier oder Wein von welcher Qualität zu bekommen hat). ![]() Bild: Westseite des Kornhauses (vom zweiten Burghof gesehen); links der Durchgang mit der Hauptwache, rechts im Untergeschoss (unter der Erde) der Marstall und die Folterkammer ![]() Bild: Schösserturm (vom zweiten Burghof gesehen) und das Alte Hauptportal; links die als Naturdenkmal geschützten Basaltsäulen ![]() Bild: Altes Hauptportal an der hier doppelt ausgeführten Burgmauer (heute Zugang zum dritten Burghof) ![]() Am dritten Burghof, dem Kanonenhof, präsentieren sich zwei Türme (von einst drei) - der Johannisturm in der Südostecke und der Seigerturm in der Nordwestecke - sowie alte Geschützstände. Einst war der Hof von hohen Mauern mit zweistöckigen Wehrgängen umgeben - mit einem Wachgebäude am Hofeingang. An der Nordseite befanden sich Ställe, eine Schmiede, ein Backhaus, ein Schlachthaus und ein Badhaus. ![]() Der um 1509 fertiggestellte Johannisturm ist nach Bischof Johann IV. benannt. Weil die Gräfin Cosel eine lange Zeit in diesem Turm lebte (in drei Räumen, dazu eine Küche und eine Bibliothek), erhielt er später auch den Namen Coselturm. In den oberen Stockwerken ist heute eine Cosel-Gedächtnisausstellung eingerichtet. Sehenswert sind auch die Wachstube mit einem Umgang um das oberste Turmgeschoss sowie im Turmfuß der spätgotische Gerichtssaal und der auch "Richter Gehorsamb" oder "Richtergefängnis" genannte Johanniskerker mit dem Hungerloch. Zu letzterem bildet ein Loch im Fußboden den Zugang. Spätestens ab Mitte des 17. Jahrhunderts dient der Johanniskerker nicht mehr als Gefängnis, sondern als Abstellraum (ab 1691 zeitweise auch für das Schanzgerät des Stolpener Militärs). Das Hungerloch nutzte man nun als Abfallgrube. Ein Blitz, der im Jahr 1681 in den Johannisturm einschlug, verursachte nicht nur Schäden am Mauerwerk, sondern entzündete auch den über Jahre angesammelten Abfall im Kerker, so dass der Turm tagelang in Rauch gehüllt war. Ein weiteres der mindestens fünf Burggefängnisse war "Dr. Salmuths Gewölbe" im Kellerbereich des Seigerturms. ![]() Bilder: Ostseite des Johannisturms (Coselturms; Bild oben) mit dem Zugang zum Gerichtssaal und zum Kerker (Burgverließ), die Treppe führt - vom alten Hauptportal kommend - innerhalb der hier doppelt ausgeführten Burgmauer entlang; Bild links: Südseite der Burg mit Johannisturm (Coselturm) ![]() Bild: Ausstellung im Coselturm ![]() Bild: Westseite des Johannisturms (Coselturms), der aus einem rechteckigen Treppenturm und einem runden Wohnturm besteht, unten ist der Eingang vom dritten Burghof zu sehen, links daneben befinden sich schöne Basaltformationen, rechts die Geschützstände des dritten Burghofes (Kanonenhofes). ![]() Im Jahr 1733 verfügte die Burgbesatzung, neben einem Mörser und 122 Handfeuerwaffen, über 11 Kanonen (neun bronzene von 1423 bzw. 1519 bis 1546 und zwei eiserne aus der Zeit um 1685) mit etwa 2.550 Kanonenkugeln. ![]() Der Name des Seigerturms ist vom ostmitteldeutschen Wort seiger (Turmuhr) abgeleitet. Kurfürst August hatte den spätgotischen Turm im Jahr 1560 im Stil der Renaissance erneuern lassen, woran noch die zwei (von ehemals vier) Volutengiebel erinnern. Die Turmzimmer dienten als Wohnräume. Die (heute zugemauerten) Zugänge zu den Wehrgängen der einstigen hohen Burgmauer sind noch erkennbar, die Zisterne am Fuß des Turms ist heute zugeschüttet. Seit April 2007 - nach dreijähriger Sanierung - ist der Turm für Besucher geöffnet. Zu sehen sind hier u.a. wieder freigelegte Wandmalereien und Ornamente des Renaissance-Hofmalers Heinrich Göding. Bild: Ostseite des Seigerturms (Ansicht vom dritten Burghof) ![]() Die Spitze des Seigerturms enthält ein handgeschmiedetes Uhrwerk von 1562, an dessen Bau Bronzegießer Wolf Hilliger beteiligt war. Die mit einem einzigen, zur Stadt gerichteten Zifferblatt und nur mit einem Stundenzeiger ausgestattete Turmuhr wurde um 1750 von Hofuhrmachermeister Naumann erneuert. Seit einer Sanierung im Jahr 1938 ist das Sandsteinzifferblatt im Burghof ausgestellt. An der Uhr befindet sich seitdem eine Kopie. Den vierten und ältesten Burghof, den Brunnenhof oder Kapellenhof, säumen das Zeughaus, der Tiefbrunnen und die Burgkapelle (mit dem Coselgrab darunter in den Burgkellern). Vom Zeughaus und der Kapelle stehen seit der von Kaiser Napoleon im Jahr 1813 angeordneten Sprengung der Burggebäude nur noch Reste der Grundmauern. Von dem nach 1559 an der Nordseite errichteten Destillierhaus (als vorgeschobenes Festungswerk - mit einem Ausfalltor nach der Stadt - später auch Ravelin oder Rondel genannt) blieb fast nichts erhalten. Im Destillierhaus befand sich das Labor der Kurfürstin Anna, der Gemahlin von Kurfürst August (reg. 1553-1586), wo diese "Goldt und andere köstliche Sachen laborierte". Um 1639 erneuerte Baumeister Ezechil Eckart diese baulichen Anlagen. In diesem Bereich befand sich auch die kurfürstliche Badstube. Die Kaminzimmer und die Kohlenkammer waren über einen Wendelstein zu erreichen (die beiden Kellerstockwerke sind seit der Sprengung im Jahr 1813 verschüttet). ![]() Das für die Aufbewahrung von militärischem Gerät, vor allem der Artillerie, gedachte Zeughaus war vor 1512, in der Zeit von Bischof Johann VI. von Salhausen, gebaut worden. Militärischen Zwecken diente aber nur ein Waffenlager im Erdgeschoss. Am Eingang des vierten Burghofes (mit Zugbrücke) befand sich die Wachstube, ansonsten war im Erdgeschoss noch die große Burgküche eingerichtet. Im ersten Stock befanden sich ein Gästequartier und ein herrschaftliches Speisezimmer, im zweiten Stock hatte Kurfürst August nach 1559 einen Fürstensaal und Wohnräume für seine Gemahlin Anna einrichten lassen. Ab 1716 verbrachte Gräfin Cosel ihre Gefangenschaft im Zeughaus, bis dieses wegen Baufälligkeit geräumt werden musste. Bild: Blick vom Johannisturm auf den dritten und vierten Burghof (rechts der Seigerturm, hinten der Siebenspitzenturm, links am vierten Burghof die Mauerreste des Zeughauses) ![]() Bild: Blick in den 82 m tiefen Burgbrunnen (ca. 7 m Wasserstand), der zu den tiefsten in Basalt getriebenen natursteinbelassenen, unausgebauten Brunnen der Welt gehört. Er wurde im Auftrag von Kurfürst Christian II. von Sachsen zwischen 1608 und 1630 von Freiberger Bergleuten im bergmännischen "Feuersetzverfahren" (mit etwa einem Zentimeter Vorschub pro Tag) ausgeschürft. Über dem Brunnen stand einst ein Brunnenhaus mit Radstube, Tretrad, Welle, Seil (es wog 175 kg) und Kübel. Die vier Arbeiter im Tretrad benötigten etwa 20 Minuten für einen Schöpfvorgang. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) schütteten die preußischen Besatzer und 1813 (im Napoleonischen Krieg) französische Truppen den Brunnen zu. Der Königlich-Sachsische Altertumsverein ließ ihn in den Jahren 1883/84 wieder beräumen. ![]() Bild: Blick vom Siebenspitzenturm auf die Ruine der Burgkapelle (links neben dem Eingang der Burgkapelle ist der Tiefbrunnen und vorn der Aufgang vom vierten Burghof zur Plattform am Fuße des Turms zu sehen) Die der hl. Barbara und bis 1401 dem hl. Basilius, dann dem hl. Erasmus geweihte Burgkapelle fand erstmals im Jahr 1355 anlässlich einer Erneuerung im Auftrag von Bischof Johann von Eisenberg Erwähnung. Aus Stiftungen, Spenden und Zinsen flossen erhebliche Mittel in die Ausgestaltung der Kapelle. Auf Ersuchen von Bischof Thimo von Colditz gestattete der Papst im Jahr 1404 die Erasmusfeier in der Diözese - verbunden mit einem umfangreichen Ablass. All dies erlaubte eine reiche Ausstattung der Kapelle, unter anderem mit sieben Altären und mehreren Emporen. In der Zeit der Reformation (1539 in Sachsen) ließen die Meißner Bischöfe die wertvollsten Reliquien des Bistums nach Stolpen in Sicherheit bringen. Nach der Einführung der Reformation im Stolpener Amt im Jahr 1559 beauftragte der Kurfürst bedeutende Künstler mit der Umgestaltung der Kapelle in ein protestantisches Gotteshaus. Im Jahr 1783 fand hier der letzte Gottesdienst statt (bereits seit der Auflösung der Garnison im Jahr 1764 hatte man das wesentliche Inventar nach Dresden verbracht). Die Sprengungen im Jahr 1813 ließen von der Kapelle nur die Grundmauern zurück. In den Tiefkellern unter der Burgkapelle entdeckte der Dresdner Architekt Prof. R. Steche im Jahr 1881 im Rahmen seiner Tätigkeit in einer Kommission zur Erfassung von Kunst- und Baudenkmälern die mit Ziegeln gemauerte Gruft der Gräfin Cosel. Ihre Lage ist heute im Kapellenfußboden mit einer Grabplatte kenntlich gemacht. Der Sarg ist mit dem Kopfende zum Coselturm ausgerichtet. Eine Zinnplatte trägt neben dem Geburtsdatum "18.10.1680" und dem Todestag "31.03.1765" die Inschrift: "Hier ruht in Gott und erwartet die fröhliche Auferstehung Die Hochgebohrne Frau Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel geb. von Bruchsdorf". Von den einst am vierten Burghof stehenden Türmen - Seigerturm, Siebenspitzenturm, Kapitelsturm, kleiner Kirchturm und Barbaraturm - blieben nur der Seigerturm und der zwischen 1451 und 1476 im Auftrag der Bischofsbrüder Caspar und Dietrich III. von Schönberg gebaute Siebenspitzenturm erhalten. In letzterem, im Erdgeschoss unter der ehem. Bischofsschreibstube, befand sich auch die Burgküche. In dieser oder in nahe gelegenen Räumen war zeitweilig die Kräuterküche der Kurfürstin Anna eingerichtet. Seit der Sanierung von 1997/98 ist der Turm öffentlich zugänglich. Der unten rechteckige Siebenspitzenturm läuft oben in ein sechseckiges Geschoss aus, dessen sechs Ecken bis zum großen Stadtbrand von 1632 jeweils mit einem Türmchen bekrönt waren. Diese und die Hauptspitze brachten dem Turm seinen Namen ein. Ab 1645 bis zu den Sprengungen von 1813 trug er nur noch einen einfachen Dachaufbau (der nach dem Stadtbrand von 1723 noch einmal erneuert und nach einem Unwetter im Jahr 1744 umfassend repariert werden musste). Vom Turm wie auch vom Wendelstein und von der Plattform ("Fürstenplateau") zu Fuße des Turmes bietet sich ein schöner Ausblick über Stolpen und die Umgebung bis nach Böhmen, zum Osterzgebirge und über das Lausitzer Bergland. Unter dem Plateau befindet sich ein für Besucher begehbares Kellerlabyrinth. ![]() Bild: Ostseite des Siebenspitzenturms (Ansicht vom vierten Burghof) Im Westen des ältesten Burgbereiches, wo heute nur noch der Siebenspitzenturm aufragt, stand das Hauptschloss (oder Hochschloss), in dessen zwei Stockwerken auch die Wohnung des Burgkommandanten sowie Wohn- und Repräsentationsräume (Kanzlei, Schreibstube, Tafelstube, Gesandtenstuben, mehrere Säle, eine Apotheke und andere Räume) der meißnischen Bischöfe bzw. später der sächsischen Kurfürsten eingerichtet waren. Es soll prachtvoll mit gotischen Maßwerkfenstern und getäfelten Simsen gestaltet gewesen sein. In das Gebäude waren der Siebenspitzenturm und der (ehemalige) Kapitelsturm eingebunden (was am Siebenspitzenturm noch gut zu erkennen ist). Bis 1773 erfuhr es mehrere Umbauten, dann nach und nach einen Rückbau wegen Baufälligkeit. Im Jahr 1813 (im Napoleonischen Krieg) sprengten die französischen Truppen neben anderen Burggebäuden auch das Schloss.
![]() Bilder: Eingang des Siebenspitzenturms und Ausstellung im Kräuterlabor ![]() ![]() Bilder: Außenansicht des Siebenspitzenturms und Aussicht von der Plattform zu Fuße des Turms nach Südwesten (im Bild ist auch der Rumpf des ehemaligen Kapitelsturms zu sehen) ![]() Am vierten Burghof stand einst auch der vor 1512 im Auftrag von Bischof Johann VI. von Salhausen gebaute Barbaraturm (auch Kunsttürmchen und später wegen eines Pulvermagazins auch Pulverturm genannt). Hier endete die von dem im Süden der Burg fließenden Letzschbach heraufkommende, "Wasserkunst" genannte Wasserversorgung der Burg. Der Freiberger Bergmeister Martin Planer hatte sie um 1563 im Auftrag von Kurfürst August gebaut. Unten im Tiergarten stand das "Kunsthaus" mit dem Wasserrad, auf das man das über ein Brückenbauwerk zugeführte Wasser des Letzschbaches strömen ließ. Das Wasserrad trieb ein 715 m langes Feldgestänge an, das in mehreren Pumphäusern das Wasser auf die Burg hinauf drückte. Das letzte Stück der Rohrleitung lief über eine gemauerte Rampe am Fuße des Barbaraturmes. Diese weithin einmalige Anlage war - häufig repariert und erneuert - bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) in Betrieb. Bild: Modell der Wasserkunst in der Ausstellung im Marstall nach oben |