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Schloss Weesenstein ![]()
Das beeindruckende Schloss Weesenstein steht im idyllischen Müglitztal in einer engen Schleife des Flusses Müglitz auf einem Felskegel an der von Heidenau ins Osterzgebirge führenden Talstraße. Das Schloss ging aus einer um 1200 als Grenzfeste zu Böhmen gegründeten Burg hervor. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1318. Am Fuße der Burg, an der Müglitz, entwickelte sich eine Gutssiedlung. Die Namen der Burg bzw. des Schlosses lauteten "Hus Weysinberg", dann "Waisenstein" oder "Weißenstein". Letzteres könnte sich auf einen Quarzitgang im Burgfelsen beziehen, der weißen Milchquarz enthält. Der hohe Rundturm entstand um 1300 und gehört so zu den ältesten Teilen des Schlosses (die barocke Turmhaube kam im 18. Jahrhundert dazu). Seitdem hat das Schloss viele An- und Umbauten erlebt, wodurch es sich nun in gemischten Baustilen von der Gotik über die Renaissance und den Barock bis hin zum Klassizismus präsentiert. Die Gebäude wurden - von der Kuppe ausgehend - nach und nach angebaut und mit Treppen verbunden. Am Fuße des Felsens stehen Barockbauten. Wegen der verschiedenen Baustile erscheint das Schloss als eine etwas eigenartige, aber durchaus interessante bauliche Anlage mit einem unübersichtlichen, aber romantischen System von Räumen, Gängen und drei Innenhöfen. Das Schloss besitzt insgesamt acht Stockwerke. Die einzelnen Bauten sind bis zu vier Stockwerke hoch. Der Stall befindet sich im 3., der Keller im 5. und die Kirche im 6. Stockwerk. Weil die Räume teilweise in die Bergkuppe gemeißelt wurden, besitzen sie Rückwände aus gewachsenem Fels. Von den etwa 200 Räumen des Schlosses sind 35 für Besucher zugänglich. Geschichte ![]() Zunächst gehörte die Burg zur Burggrafschaft Dohna, dann, nachdem die Wettiner die Dohnaer Burggrafen um 1400 niedergerungen hatten, den Meißner Markgrafen. Später gelangten die Grafen von Bünau in den Besitz von Weesenstein. An sie erinnert das Bünau-Schleinitzsche Wappen am Hauptportal von 1575, einem der wertvollsten Renaissance-Portale Sachsens. Die Bünaus bauten die militärisch bedeutungslos gewordene Burg zwischen 1526 und 1575 in ein repräsentatives Schloss um, das sie nun als Hauptwohnsitz nutzten. Der Siebenjährige Krieg (1756-1763) ruinierte die Bünaus, so dass sie das Schloss an eine Freifrau von Uckermann verloren. Bild: Hauptportal von 1575 auf Schloss Weesenstein ![]() Ab 1830 residierten wieder die Wettiner im Schloss. Hier lebten Prinz Anton, Prinz Johann und Prinz Georg, die später als sächsische Könige regierten. Ab 1838 betrieb Prinz Johann, der dann von 1854 bis 1873 als König Johann von Sachsen regierte, seine wissenschaftlichen Studien im Schloss. Unter dem Pseudonym "Philalethes" schrieb er hier seine vielbeachtete Dante-Übersetzung. Ihm ist eine Ausstellung in den unteren Stockwerken des Schlosses gewidmet. Bild: Prinz Johann (Gemälde von Carl Christian Vogel von Vogelstein, 1832) Im Jahr 1933 übernahm der Landesverein Sächsischer Heimatschutz die Verwaltung des Schlosses. Im Zweiten Krieg diente es als Hauptdepot der Dresdner Gemäldegalerie (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), wodurch deren Kunstschätze den verheerenden Bombenangriffen im Februar 1945 zum großen Teil entgingen. Nach dem Krieg wohnten Flüchtlinge im Schloss. Ab 1947 gehörte die Anlage zu den Staatlichen Schlössern und Gärten der DDR. In den 1990er Jahren wurde mit der Restaurierung des Schlosses und der Wiederherstellung der aus dem 18. Jahrhundert stammenden illusionistischen barocken Fassadenbemalung begonnen. Innenausstattung, Museum ![]() Im Jahr 1952 wurde das im Jahr 1934 gegründete Schlossmuseum wiedereröffnet. Dazu gehören das Burgmuseum im alten Burgbereich, die seit 1993 in der "Langen Galerie" eingerichtete Ausstellung über das Leben und Wirken von König Johann von Sachsen und vor allem das berühmte Tapetenmuseum, eines von nur vier in Europa. Die sehr umfangreiche und wertvolle Sammlung von Bildtapeten verfügt unter anderem über französische Ledertapeten und chinesische Reispapiertapeten. Das Vogeltapetenzimmer zeigt eine um 1725 in China aus Bambus und Papyrus gefertigte Tapete. Besonders kostbar sind auch die mit chinesischen Genreszenen bemalten Bildtapeten des Teezimmers, die um 1815/20 in der Pariser Werkstatt Dufour & Leroy hergestellten Tapeten "Olympische Feste" und "Amor und Psyche" sowie eine aus der Werkstatt von Jean Zuber im elsässischen Rixheim stammende, im Jahr 1827 gefertigte Tapete mit Szenen aus dem griechischen Freiheitskampf. Diese Bildtapeten gelten als weltweit einzigartig. Bild: Festsaal auf Schloss Weesenstein ![]() Der Festsaal verfügt neben wertvollen, aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Tapeten aus gepunztem, teilweise vergoldetem und versilbertem sowie lackiertem und bemaltem Leder auch über eine prächtige Stuckdecke. In den Schlossräumen werden außerdem Möbel sowie Einrichtungs- und Kunstgegenstände aus der jeweiligen Epoche der Tapetenfertigung, also aus dem 18. und 19. Jahrhundert präsentiert. Bild: Ledertapete im Tapetenmuseum Schloss Weesenstein ![]() In dem im alten Burgbereich zu findenden Burgmuseum sind unter anderem der Renaissance-Rittersaal und die in Felsenkammern eingerichteten Mannschaftsräume zu besichtigen. Zwischen 1738 und 1741 baute Johann Georg Schmid die aus dem Jahr 1504 stammende Burgkapelle in die Schlosskapelle um. Die Baupläne schuf George Bähr, der berühmte Architekt der Dresdner Frauenkirche (dessen letzte Arbeit, bevor er 1738 starb). Die im sechsten Stock des Schlosses gelegene, zwischen 1991 und 1994 restaurierte ovale Kapelle zeigt noch ihre originale Innenausstattung von 1741, die zu großen Teilen von Andreas Hünigen gefertigt wurde. Zum schönen hölzernen Kanzelaltar, der die Kapelle dominiert, gehören die hölzernen Altarfiguren "Petrus" und "Paulus". Sie sind wahrscheinlich Werke von Benjamin Thomae (1682-1751), eines Schülers des berühmten Barock-Bildhauers Balthasar Permoser. Die Orgel schuf der Silbermann-Schüler Johann Tobias Dressel. Bild: Kanzelaltar in der Schlosskapelle Weesenstein Der Schlossgarten entstand im Jahr 1781 als Barockgarten nach dem Vorbild früherer französischer Gärten. Die an der Südseite des Schlosses angeordnete Freitreppe liegt in der Achse des fast symmetrischen, mit drei von hohen Lebensbäumen umgebenen Rondellen, mehreren Statuen und einem Pavillon ausgestatteten Gartens. Auch der Fluss Müglitz bereichert den Schlosspark. Von der Südspitze des Gartens bietet sich ein herrlicher Blick auf die Schlossanlage. Nicht weit vom Schloss entfernt lädt die Schlossmühle zum Schaumahlen ein.
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