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Weinbau im Elbtal, Sächsische Weinstraße, Sächsischer Weinwanderweg
Die südexponierten Hänge des Elbtales bieten günstige Wachstumsbedingungen für Weinpflanzen, d.h. ein mildes, ausgeglichenes Klima mit einem zeitigen Frühjahr und einem langen milden Herbst sowie leichte warme Böden aus verwittertem Granit und Sand. Die z.T. recht steilen Elbtalhänge speichern und reflektieren die Sonnenwärme und sind durch ihre Lage sowie durch angrenzende Wälder vor kalten Nordwinden geschützt. Die unzähligen, über Jahrhunderte geschaffenen Trockenmauern im Gelände sichern nicht nur die Weinhänge, sondern sind auch als Wärmespeicher wirksam.

Auf der Grundlage eines Sächsischen Kulturlandschaftsprogrammes werden die Weinbergterrassen des Elbtales als erhaltenswerte landschaftsprägende Elemente gefördert und instandgehalten.


Geschichte der Weinwirtschaft im Elbtal
Der Weinbau an der Elbe, im nördlichsten und kleinsten Weinanbaugebiet Europas, wird erstmals im Jahr 1161 in einer an ein Zisterzienserkloster gerichteten Schenkungsurkunde des Meißner Markgrafen Otto (reg. 1156-1190) erwähnt. Ein Weinberg im Meisatal bei Meißen gilt als ältester Weinberg Sachsens. Schloss Proschwitz nördlich von Meißen ist das älteste sächsische Weingut. Der Legende nach soll schon Bischof Benno (gest. 1107) den ersten Rebstock eigenhändig bei Meißen gepflanzt und meißnischen Wein getrunken haben.

Ein Weinanbau bei Radebeul wird erstmals im Jahr 1271 erwähnt. Möglicherweise ist die Weinwirtschaft hier aber schon viel älter und könnte von sorbischen Bauern bereits im 10. Jahrhundert betrieben worden sein.

Die Elbweinbauern waren anfänglich Voll- oder Teilhufner, also Grundbesitzer mit einer Abgabepflicht an den Landesherren oder den Klostervogt. Letztere diktierten die Anbau- und Erntebedingungen und die Presspreise. Die Weinberge gingen dann nach und nach in den markgräflich-kurfürstlichen oder klösterlichen Besitz über. Die adligen oder geistlichen Grundherren beschäftigten Winzer und Tagelöhner auf ihrem Land.

Vor allem die ansässigen Mönche und die Meißner Bischöfe förderten - nicht zuletzt infolge ihres großen Eigenbedarfs - den Weinanbau im Elbtal. Die entlang der Elbe von Wehlen bis Wittenberg reichende Weinanbaufläche erlangte im 16. Jahrhundert mit ca. 5.000 ha ihre größte Ausdehnung.

Ab dem 15. Jahrhundert beteiligte sich zunehmend auch das Stadtbürgertum am einträglichen Weingeschäft. Der Weinbau entwickelte sich zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig Sachsens nach dem Silberbergbau.

In Kriegszeiten wie z.B. im Dreißigjährigen Krieg ging der Weinanbau regelmäßig stark zurück. Ebenso trugen die Auflösung der Klöster, eine zwischenzeitliche Klimaverschlechterung und ein zunehmender Bedarf an Getreideanbauflächen zum Schrumpfen der Weinbauflächen bei. Ab dem 18. Jahrhundert musste die Weinwirtschaft immer mehr "Marktanteile" an die Bier- und Schnapsbranche abgeben. Auch die neuen Getränke Tee und Kaffee verringerten den Weinbedarf. Um 1885 brach die sächsische Weinwirtschaft wegen der eingeschleppten Reblaus dann vollkommen zusammen. Ab 1908 gelang es, die sächsische Weinwirtschaft durch Aufpfropfen von Edelreben auf aus Übersee eingeführte reblausresistente Sorten wiederzubeleben. Der erste Pfropfreben Sachsens wuchs auf "Bahrmanns Weinberg" am Seußlitzer Grund.

Der wiederbelebte Weinbau blieb von geringem Umfang. Wurden im 18. Jahrhundert bis zu 16 km² Fläche mit Wein bebaut, waren es am Ende des Zweiten Weltkrieges (natürlich auch kriegsbedingt) nur noch etwa 0,7 km². Heute wächst sächsischer Wein auf etwa 3,2 km² Elbhangfläche.

In Meißen gründete sich im Jahr 1799 die Sächsische Weinbaugesellschaft und betrieb hier die erste europäische Winzerschule. Die in der Meißner Bennostraße ansässige Sächsische Winzergenossenschaft besteht seit 1938. In ihr ist der größte Teil der Haupt- und Nebenerwerbs-Weinbauern der Region (mit etwa 200 ha Fläche) organisiert. Etwa 100 ha Fläche gehören zum Sächsischen Staatsweingut, das seit 1991 seinen Sitz im Radebeuler Schloss Wackerbarth hat.


Sächsische Weinstraße
Die im Jahr 1992 eingerichtete 55 km lange Sächsische Weinstraße (die kürzeste unter den sieben bedeutendsten deutschen Weinstraßen) verläuft zwischen Diesbar-Seußlitz und Pirna entlang der Elbe (rechtselbisch) durch das Elbtal, dem mit ca. 320 ha Weinanbaufläche kleinsten Weinbaugebiet Deutschlands.

Die beliebtesten Weinwandergebiete, in denen zusammen etwa 40 Weinrestaurants zur Weinprobe einladen, sind die Weinberge um Diesbar-Seußlitz, das Spaargebirge bei Meißen, die Lößnitzhänge um Radebeul und die Weinberge zwischen Loschwitz und Pillnitz.


Sächsischer Weinwanderweg
Der seit Oktober 2004 bestehende ca. 90 km lange Sächsische Weinwanderweg, eine Ergänzung der Sächsischen Weinstraße, verläuft zwischen Diesbar-Seußlitz und Pirna über Radebeul. Der Dresdner Geograph Werner Starke entwarf diesen nur für Fußgänger zugelassenen Wanderweg, auf dem man typische Anlagen des Terrassenweinbaus im Elbtal zu sehen bekommt, von mehreren Aussichtspunkten einen herrlichen Blick über das Elbtal genießen kann und mehrere Weinstuben am Weg findet, in denen man heimische Weine verkosten kann.

Der Weinwanderweg besteht aus sechs für Tagestouren geeigneten Etappen:
  • 1 - Pirna (Parkplatz östlich des Copitzer Winterhafens), Jessen, Graupa, Oberpoyritz, Pillnitz (ein Abstecher zur Rysselkuppe wird mit einem herrlichen Rundblick über das Elbtal belohnt)
  • 2 - Pillnitz, Hosterwitz, Niederpoyritz, Wachwitz, Loschwitz, Neustadt, Trachenberge, Wilder Mann
  • 3 - Wilder Mann, Spitzhaustreppen, Hoflößnitz, Weingüter Karl Friedrich Aust und Frank Förster, Sternwarte, Schloss Wackerbarth, Radebeul-Zitzschewig
  • 4 - Radebeul-Zitzschewig bis Oberau
  • 5 - Oberau, Nassau, Meißen-Zaschendorf, Spaargebirge, Bosel (ein Abstecher zu den Sörnewitzer Weingütern Schuh und Schabehorn ist möglich), Meißen
  • 6 - Meissen, Proschwitz, Winkwitz, Elbweindörfer Zadel, Golk und Löbsal, Diesbar-Seußlitz

Lagen und Sorten
Das sächsische Weinanbaugebiet an der Elbe ist in vier Großlagen (Seußlitzer Schlossweinberg, Meißner Spaargebirge, Radebeuler Lößnitz und Dresdner Elbhänge) und 16 Einzellagen unterteilt. Die größten Einzellagen sind die Seußlitzer Heinrichsburg, der Radebeuler Johannisberg, der Weinböhlaer Gellertberg und der Meißner Kapitelberg. Die jährliche Weinerzeugung aller Lagen beträgt bis zu 14.000 Hektoliter.

Im Elbtal wachsen heute 21 Weinsorten auf etwa 300 ha Anbaufläche. Dies sind vornehmlich weiße Rebsorten wie Müller-Thurgau, Weißburgunder, Traminer, Riesling, Ruländer, Kenner, Scheurebe, Bacchus, Gutedel und Morio Muskat, seit 1993 auch der Graue Burgunder mit vollem Bukett. Die "Perle von Zalä" ist eine Neuzüchtung aus Ungarn. Die Sorte Goldriesling ist nur im Elbtal zu finden. Rotwein (Spätburgunder und Blauer Portugieser) wird im Elbtal seltener angebaut. Der Meißner "Schieler" ist keine Weinsorte, sondern ein Gemisch aus heimischem Rot- und Weißwein.

Sächsische Weine sind trockene, durchgegorene Weine ohne Restzucker. Neben dem Klima bestimmen auch die Mineralien im Boden über ihren Geschmack.

Seit 1995 führt die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft die amtliche Qualitätsweinprüfung durch. Träger der Landesweinprämierung ist der Weinbauverband Sachsen e.V.

Die sogenannte Sachsenflasche ist eine besondere Abfüllung von Prädikatsweinen der Winzergenossenschaft oder des Staatsweingutes in einer braunen keulenartigen Flasche mit 0,75 l Inhalt.

Weinbestellungen sind zu richten an das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth oder an die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen eG. Wer an der Weinlese teilnehmen möchte, erhält hier Auskunft über Lesezeitpunkte und Standorte. Die Tourist-Informationen in Diesbar-Seußlitz, Meißen, Radebeul und Weinböhla vermitteln auch Urlaubsplätze bei Elbtal-Winzern.


Weinherstellung
Noch heute werden allein im Meißner Umland jährlich bis zu 50.000 Weinpflanzen neu gepflanzt. Sie kommen aus einer Rebschule, wo sie bis zu sechs Wochen im Gewächshaus und ein Jahr im Freiland wuchsen. Ab dem zweiten Jahr klettern sie an Gerüsten empor. Im dritten Jahr erfolgt ein Rückschnitt auf etwa 10 Knospen pro Quadratmeter Feldfläche. Im Elbtal bringen die Weinpflanzen bis zu 40 Jahre lang Erträge von etwa 60 hl/ha.

Die Weinpflanzen werden regelmäßig gedüngt und gegen Schädlinge wie Milben, Heuwurm, Sauerwurm und Mehltau gespritzt. Die Ernte erfolgt wie seit Jahrhunderten mit der Tragebutte. Nach der sortenreinen Anlieferung wird der Wein im Weinkeller abgebeert und gequetscht. Das Schwefeln der Fruchtmasse (Maische) mit schwefliger Säure entzieht den Sauerstoff und verhindert so das Braunwerden und das Bakterienwachstum. Durch Pressen entsteht der Most. Nach der Gärung und dem Absetzen der Hefe wird er umgefüllt ("erster Umstich"). Bei der "Weinschönung" entzieht man Eiweiße und metallische Stoffe, damit später keine Trübungen im Wein entstehen. Beim "zweiten Umstich" wird der Wein gefiltert. Leichte Weine wie der Goldriesling erfordern ein Vierteljahr Lagerung, schwere Weine wie der Ruländer dagegen anderthalb Jahre.

Im Meißner Weinkeller, dessen älteste Teile von Mönchen um 1700 in den roten Granit gehauen worden sind, lagern auf drei Etagen - temperiert bei 12°C - bis zu 1 Mio. Liter Wein in Fässern und Stahltanks.


Weingaststätten und Weinstuben
Einige der an der Weinstraße gelegenen Gaststätten tragen das Gütesiegel "Besonders empfohlen an der Sächsischen Weinstraße". Neben heimischen Weinen und typisch sächsischen Gerichten bieten sie z.T. auch geführte Weinbergswanderungen an.

Im Jahr 1995 eröffneten in Meißen die ersten beiden sächsischen Besenwirtschaften der Neuzeit. Sie bieten von Mai bis Anfang Oktober neben einfachen kalten und warmen Speisen eigene Weine an. Die sogenannten Strauß- oder Besenwirtschaften, in denen Winzer meist nur vier Monate im Jahr Wein ausschenken, sind schon seit Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553-1586) erlaubt, verloren aber nach dem vorübergehenden Zusammenbruch der Weinwirtschaft im Elbtal um 1885 an Bedeutung und werden erst heute allmählich wiederbelebt.

Auch die von Mitte September bis Anfang Oktober in Diesbar-Seußlitz, Meißen, Radebeul und Weinböhla stattfindenden Weinfeste bieten eine Gelegenheit zur Verkostung sächsischer Weine.

Bekannte Weinrestaurants und Weinstuben sind der Gasthof Zum Roß, Merkers Weinstuben, die Gaststätte Rosengarten, der Seußlitzer Hof und die Elbklause Niederlommatzsch in Diesbar-Seußlitz, das Bauernhäus'l, die Historische Weingaststätte Probierstube, die Gaststätte Monasterium, das Tagungszentrum Domherrenhof, das Romantikrestaurant Vincenz Richter und die Weinterrassen Kämpfe in Meißen, das Wald- und Sporthotel in Weinböhla, Försters Stammlokal in Coswig-Sörnewitz, die Schoppenstube Hoflößnitz und der Weinkeller anno 1845 in Radebeul, der Meißner Weinkeller und das Weinrestaurant Bacchus in Dresden und das Hotel Pirnascher Hof, das Romantik Hotel Deutsches Haus und das Restaurant Jacobäer in Pirna.


Fremdenverkehrsverband Sächsisches Elbland e.V., Loosestr. 17/19, 01662 Meißen, Tel. (03521) 725213

Sächsische Winzergenossenschaft Meißen eG, Bennoweg 9, 01662 Meißen, Tel. (03521) 732676 oder -733293, Fax -739321; www.winzergenossenschaft-meissen.de

Schloss Wackerbarth, Sächsische Staatsweingut GmbH, 01445 Radebeul, Wackerbarth-Str. 1, Tel. (0351) 8955200, Fax -8955250, Weinverkauf und Führungen (Wein- oder Sekt-Tour, ca. 45 Min. mit Verkostung), www.schloss-wackerbarth.de

Weinbaumuseum Schlösschen Hoflößnitz, Knohlweg 37, Tel. (0351) 8301322; Renaissance-Schlösschen, historische Weingutanlage, Ausstellung zum Weinbau, www.hofloessnitz.de

www.radebeuler-winzer.de - Präsentation der Radebeuler Steillagenwinzer der drei Winzergenossenschaften, Information über den "Tag des offenen Weinberges", Kontaktmöglichkeit zu den Regionalen Weinbauern

www.saechsische-weinstrasse.de

www.saechsischer-weinwanderweg.de

www.weinfest-radebeul.de

www.elbweindoerfer.info



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