Dresden und Sachsen
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Sachsen wird Kurfürstentum, Leipziger Teilung (1423-1517)

Gründung des Kurfürstentums Sachsen
Das Stammesherzogtum Sachsen war im Jahr 1180 (nach dem Sturz Heinrichs des Löwen) durch Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) zerschlagen worden. Die Herzogswürde erhielt Graf Bernhard von Anhalt aus dem Hause der Askanier, der lediglich noch die Herrschaft über die Gebiete um Lauenburg und sein Erbland um Wittenberg ausübte. Im Jahr 1260 löste sich dieses Herzogtum Sachsen in die Herzogtümer Sachsen-Lauenburg (bis 1689) und Sachsen-Wittenberg (bis 1422) auf. Nach den Bestimmungen der Goldenen Bulle war die Kurwürde ab 1356 an das Herzogtum Sachsen-Wittenberg gebunden.

Nach dem Tod des kinderlosen Askaniers Albrecht III. von Sachsen-Wittenberg im Jahr 1422 konnte sich der Meißner Markgraf Friedrich IV. (der Streitbare; reg. 1381-1423 als Markgraf von Meißen und 1423-1428 als Kurfürst von Sachsen) gegen den Braunschweiger, den Pfälzer und den Hohenzollerschen Bewerber - mit Hilfe reichlicher Bestechungsgelder - durchsetzen. Auch die politische Lage, d.h. die Konflikte mit den Brandenburgern und den Hussiten, bei denen die Mark Meißen als Bollwerk der deutschen Lande fungierte, verschaffte den Wettinern Vorrang vor den anderen Bewerbern um die Nachfolge der Askanier.

Belehnungsurkunde von 1423
Am 6. Januar 1423 erhielt der nun mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg, der Pfalzgrafschaft Sachsen, der Grafschaft Brehna und der Burggrafschaft Magdeburg belehnte Meißner Markgraf Friedrich IV. (der Streitbare; 1370-1428) aus der Hand von König Sigmund die Kurwürde. Die förmliche Belehnung erfolgte erst im Jahr 1425.


Bild: Belehnungsurkunde - Verleihung der Kurwürde an Friedrich den Streitbaren im Jahr 1423
Nun waren die Wettiner an der Wahl (Kür) des deutschen Königs beteiligt. Ihr markgräfliches Wappen ersetzten sie durch ein kurfürstliches Wappen mit gekreuzten roten Kurschwertern auf weiß-schwarzem Grund und den Rauten der Askanier. Auf ihren Urkunden benutzten sie nun ein rotes Wachssiegel (rot war die Farbe des Königs). Mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg, dem ranghöchsten Reichslehen für deutsche Fürsten, waren außer der Kurwürde und der sächsischen Herzogswürde auch die Ämter eines Erzmarschalls und eines Reichsvikars verbunden (letzterer übte die Amtsgeschäfte des deutschen Königs in Zeiten eines unbesetzten Thrones aus).

Die Bezeichnung "Sachsen" ging vom Herzogtum Sachsen-Wittenberg bald auf den gesamten wettinischen Besitz über (bis 1547 wurde sie auch für den thüringischen Teil benutzt). Aus der Mark Meißen, dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg und weiteren wettinischen Besitzungen entstand so das Kurfürstentum Sachsen. Für die Territorien des einstigen, von Kaiser Friedrich I. zerschlagenen Stammesherzogtums Sachsen blieb die Bezeichnung Niedersachsen erhalten.

Friedrich der Streitbare
Friedrich der Streitbare regierte bis zu seinem Tod im Jahr 1428 als Kurfürst Friedrich I. von Sachsen, als Herzog von Sachsen sowie als Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen. Seine letzten Regierungsjahre waren vom Kampf gegen die Hussiten geprägt. In der von ihm gestifteten Begräbniskapelle (Fürstenkapelle) des Meißner Doms fand er seine letzte Ruhestätte.


Bild: Friedrich der Streitbare - Grabplatte im Dom zu Meißen

Bruderkrieg infolge der Altenburger Teilung
Kurfürst Friedrich II. (der Sanftmütige; reg. 1428-1464) übernahm zusammen mit seinen Brüdern Herzog Wilhelm III. (1425-1482), Herzog Heinrich (starb dann schon im Jahr 1435) und Herzog Sigismund (wurde im Jahr 1437 Bischof von Würzburg) die Regierung. Im Jahr 1445 trat er seinem Bruder Wilhelm in Altenburg die Landgrafschaft Thüringen und den fränkischen Besitz ab (die Bergwerke blieben gemeinsamer Besitz). Schon im darauf folgenden Jahr kam es wegen dieser Altenburger Teilung zu einem Bruderkrieg, der besonders grausam wütete und das Land verheerte, nicht zuletzt, weil Wilhelm die Böhmen als Verbündete ins Land holte. Nach dem Ende dieses sächsischen Bruderkrieges im Jahr 1451 mit dem Frieden von Naumburg blieb dann alles so, wie es schon im Jahr 1445 festgelegt worden war.


Festlegung der sächsisch-böhmischen (heute tschechischen) Grenze
Kurfürst Friedrich II. versuchte vergeblich, dem Böhmenkönig, der mit den Hussiten beschäftigt war, die Oberlausitz abzunehmen. Im Jahr 1459 sah er sich schließlich zur Verständigung mit Böhmen über den künftigen Grenzverlauf zwischen beiden Ländern gezwungen. Der Vertrag von Eger legte den Erzgebirgskamm als sächsisch-böhmische Grenze fest. Der Kurfürst musste diesem Vertrag zufolge 63 meißnische Städte und Schlösser sowie das Meißnische Vogtland vom böhmischen König Georg Podiebrad (reg. 1457-1471) zum Lehen nehmen. Seine südlich des Erzgebirges gelegenen Besitzungen Brüx und Dux verlor er.

Im Jahr 1459 verheiratete Kurfürst Friedrich II. seinen Sohn Albrecht in Eger mit Sidonie (Zedena, Zdenka), der Tochter des böhmischen Königs Georg Podiebrad (die Ehe wurde erst im Jahr 1464 durch das "Beilager" vollzogen), wodurch die böhmischen Lehen endlich in seinen Besitz fielen.


Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht - Leipziger Teilung des wettinischen Besitzes
Albrecht der Beherzte
Nach dem Tod Kurfürst Friedrichs II. im Jahr 1464 übernahmen seine Söhne gemeinsam als Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht (der Beherzte) die Regierung im Kurfürstentum Sachsen (eine Geißelnahme der beiden im Jahr 1455 ging als Altenburger Prinzenraub in die Geschichte ein). Ihre Residenz verlegten sie von Meißen nach Dresden. Während Kurfürst Ernst die Regierungsgeschäfte führte, war Herzog Albrecht viel auf Reisen (so im Jahr 1476 auf einer Pilgerfahrt im Heiligen Land).


Bild: Albrecht der Beherzte (reg. 1464-1485 gemeinsam mit Kurfürst Ernst)
Die Silberfunde bei Schneeberg um 1470 belebten den erzgebirgischen Bergbau wieder und zogen mehrere Städtegründungen nach sich wie die von Schneeberg (1471), Annaberg (1491) und Marienberg (1521). Die Silberausbeute im Schneeberger Revier erreichte um 1477 ihren Höhepunkt (77.352 Mark Silber). Der größte Silberfund stammte aus der Grube St. Georg (Herzog Albrecht soll in diesem Bergwerk an einem tischförmigen Block aus gediegenem Silber gespeist haben).

Im Jahr 1485 kam es zur Leipziger Teilung des wettinischen Besitzes, mit der die Wettiner eine große historische Chance - die führende Rolle im deutschen Reich und wahrscheinlich die deutsche Königskrone - verspielten. Herzog Albrecht beschuldigte später, in einer Anklageschrift von 1489, den Obermarschall Hugold III. von Schleinitz, ihn mit Ernst entzweit und so die unsinnige Teilung herbeigeführt zu haben.

Die ernestinische und die albertinische Linie der Wettiner entwickelten sich von nun an getrennt weiter. Nach sächsischem Rechtsbrauch durfte Ernst, der ältere, teilen und Albrecht, der jüngere, zwischen den beiden Teilen wählen. Wer den meißnischen Teil erlangt, hatte an den Bruder 50.000 Gulden zu zahlen.

Leipziger Teilung im Jahr 1485
Die Leipziger Teilung wurde am 17. Juni 1485 in Leipzig beschlossen und am 11. November 1485 vollzogen. Herzog Albrecht wählte den meißnischen Teil und erhielt damit auch Dresden, das Pleißner Land und das Gebiet zwischen Leipzig und der Werra. An Kurfürst Ernst fielen die Wittenberger, die vogtländischen und die thüringischen Territorien.

Die ernestinischen Kurfürsten von Sachsen
Kurfürst Ernst (reg. 1464-1486) residierte in Weimar, seine Nachfolger Kurfürst Friedrich III. (der Weise; reg. 1486-1525) und Kurfürst Johann (der Beständige; reg. 1525-1532) saßen ab 1490 auf Schloss Wittenberg. Kurfürst Johann Friedrich (der Großmütige; reg. 1532-1547) verlegte seine Residenz im Jahr 1536 in das Torgauer Schloss Hartenfels.

Die Leipziger Messe wurde im Jahr 1497 zur Reichsmesse mit unbeschränkter Marktfreiheit erhoben.

Ein neuerlicher Aufschwung des Erzbergbaus um 1500, aber auch des Textilgewerbes brachten den sächsischen Ländern Reichtum und sorgten für eine rege Bautätigkeit in den Städten. Sachsen war zu dieser Zeit das wirtschaftlich entwickeltste und reichste Land im deutschen Reich. Politisch spielte es wegen der unseligen Leipziger Teilung dagegen eine vergleichsweise geringe Rolle (eine solche Konstellation sollte sich in der späteren Geschichte Sachsens noch mehrmals wiederholen).

Als ernestinisches Gegenstück zu der auf albertinischem Territorium gelegenen, im Jahr 1409 von den vor der tschechischen Nationalbewegung aus Prag geflohenen Professoren und Studenten gegründeten Universität Leipzig schuf Kurfürst Friedrich III. im Jahr 1502 die Universität Wittenberg.



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