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Kurfürst Friedrich August III., Rokoko, Klassizismus (1763-1806) Staatsreformen und Wiederbelebung der Wirtschaft nach dem Siebenjährigen Krieg Nach dem Tod von Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (König August III. von Polen) im Jahr 1763 übernahm dessen ältester Sohn Friedrich Christian die Regierung im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. Er leitete die Neuordnung der zerrütteten Staatsfinanzen und die Wiederbelebung der sächsischen Wirtschaft ein. Desweiteren ordnete er eine Untersuchung der Misswirtschaft des kurze Zeit nach seiner Entlassung verstorbenen Staatsministers Brühl an. Auch eine Verbesserung der Beziehungen zu Preußen setzte er sich zum Ziel. Um die Personalunion mit Polen bemühte er sich dagegen nicht mehr. (Im Jahr 1765 verzichtete Kursachsen zugunsten von Stanislaus Poniatowski, des Günstlings der russischen Zarin Katharina II., endgültig auf die polnische Krone. Auch die von der sachsenfreundlichen Partei Polens nach der Ersten Polnischen Teilung im Jahre 1791 angebotene erbliche Königswürde schlug Kursachsen aus.) Kurfürst Friedrich Christian starb schon nach wenigen Wochen (er regierte vom 5. Oktober bis zum 17. Dezember 1763) an den Blattern (Pocken). Nachfolger wurde sein noch unmündiger Sohn Kurfürst Friedrich August III. (der Gerechte; reg. 1763-1827, ab 1806 als König Friedrich August I. von Sachsen). Bis 1768 lag die Regentschaft in den Händen des Bruders von Friedrich Christian, Prinz Xaver, der die von Friedrich Christian eingeleiteten wirtschaftlichen und sozialen Reformen fortführte und das Heer nach preußischem Vorbild reorganisierte. Gemeinsam mit den Landständen stellte die Regierung einen Plan zur Tilgung der Staatsschulden (etwa 30 Mio. Reichstaler) auf. Zu den Sparmaßnahmen des kurfürstlichen Hofes gehörten die Schließung der Oper, die Entlassung des Operndirektors Johann Adolf Hasse und die Auflösung des Balletts. Im Zuge der Staatsreform gelangten fähige Leute wie der geadelte Thomas von Fritsch, Graf Flemming und Graf Einsiedel in die Regierung. Die Reformkräfte um Thomas von Fritsch (1700-1775) bemühten sich ab 1763 besonders um die Wiederherstellung der Wirtschaft (Rétablissement). Aber auch die Beseitigung feudaler Privilegien und die Stärkung der Bürgerrechte gehörten zum Programm, womit erste Schritte hin zu den bürgerlichen Reformen von 1831 eingeleitet wurden. In Sachsen entstanden zahlreiche neue Manufakturen, z.B. in Plauen, Crimmitschau und Chemnitz. Den in Dresden und Leipzig im Jahr 1764 gegründeten Kunstakademien stand nicht nur die Förderung von Wissenschaft und Kunst, sondern auch die des Manufakturwesens zur Aufgabe. In Freiberg eröffnete im Jahr 1765 die Bergakademie als erste montanwissenschaftliche Lehranstalt der Welt. Die im Jahr 1764 nach Plänen von Christian Ludwig Hagedorn gegründete "Akademie der zeichnenden und bildenden Künste zu Dresden" (Dresdner Kunstakademie) veranstaltete ab 1765 auch Kunstausstellungen, vor allem Gemäldeausstellungen. Sachsen unter Kurfürst Friedrich August III. Nachdem sich Prinz Xaver im Jahr 1768, nach Konflikten mit den Landständen wegen seiner Heeresreform, auf sein Gut Zabeltitz bei Riesa ins Privatleben zurückgezogen hatte, übernahm Kurfürst Friedrich August III. die Regierung. Er agiert sehr selbstbewusst und konservativ. Änderungen gegenüber war er sehr ablehnend eingestellt, konnte jedoch nicht alle vom Bürgertum angestrebten Neuerungen in den politischen und wirtschaftlichen Strukturen Sachsens verhindern. Außenpolitisch war er auf Neutralität und Reichstreue bedacht. In der Reichsverfassung sah er den Garant für die Unversehrtheit kleinerer Staaten (zu denen Sachsen nach dem Siebenjährigen Krieg gehörte) gegen Übergriffe der europäischen Großmächte, vor allem Österreichs und Preußens. Die sächsische Landwirtschaft steigerte ihre Produktion nicht zuletzt dank der Tätigkeit der rührigen, 1764 gegründeten "Leipziger ökonomischen Sozietät", die die Verbesserung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Produktion durch die Einführung neuer Techniken anstrebte (in Dresden gründete sich später die Ökonomische Gesellschaft mit gleicher Zielstellung). Das Land führte neue Anbauformen und Gewerbezweige wie z.B. die Merino-Schafzucht ein. Dennoch konnte die schnell wachsende sächsische Bevölkerung nur noch unzureichend versorgt werden. Missernten wie die im Jahr 1771 führten zu Hungersnöten. Im Jahr 1776 riefen die um ihre reichsunmittelbare Stellung besorgten, bisher von den sächsischen Kurfürsten unabhängigen Herren von Schönburg österreichische Truppen ins Land. Kurfürst Friedrich August III. wehrte sich zunächst auf dem Verhandlungsweg gegen diese Bedrohung. Im Bayrischen Erbfolgekrieg von 1778/79 - nach dem Tod des letzten bayrischen Wittelsbachers Max Joseph im Jahr 1777 - erhob Kaiser Joseph II. (reg. 1765-1790) Ansprüche auf Bayern und besetzte große Teile dieses Landes. Weil die Gemahlin des verstorbenen sächsischen Kurfürsten Friedrich Christian, Maria Antonia, aus dem Hause Wittelsbach stammte, machte auch Kursachsen Ansprüche auf Bayern geltend. Im nun beginnenden "Kartoffelkrieg" (die kämpfenden Parteien jagten sich im wesentlichen nur gegenseitig die Verpflegung ab) besiegten die Sachsen - im Bündnis mit Preußen - die Österreicher. Im Teschener Frieden von 1779 verzichtete Kaiser Joseph II. auf Bayern und trat seine (böhmische) Lehnshoheit über die Schönburger, die unter den kleineren Territorialgewalten im kursächsischen Raum am längsten ihre Souveränität gegenüber den sächsischen Kurfürsten behauptet hatten, an Kursachsen ab. Für den Verzicht auf Allodial-Ansprüche in Bayern wurde Kursachsen mit 6 Mio. Gulden entschädigt. Im Jahr 1785 gründeten Preußen, Hannover und Kursachsen den vor allem gegen die Expansionsbestrebungen Kaiser Josephs II. gerichteten Deutschen Fürstenbund. Im Jahr 1789 hatte Kursachsen den Staatskredit wieder hergestellt (er war wieder kreditwürdig; 1806 waren die Staatsschulden dann nahezu getilgt). In Reaktion auf die von den Grundherren verschuldeten Missstände in der Landwirtschaft und die unerträgliche Verschärfung der Frondienste kam es, auch unter dem Eindruck der Französischen Revolution, im Sommer 1790 ausgehend von der Lommatzscher Pflege zu dem seit 1525 größten deutschen Bauernaufstand. Im Juli rief Christian Benjamin Geißler aus Liebstadt in Flugblättern zum Aufstand auf. (Er wurde verhaftet und als "Narr" bis 1809 in der Festung Torgau eingesperrt.) Weil der Kurfürst versprach, die gröbsten Missstände abzustellen, endete der Aufstand glimpflich. Nur in wenigen Orten wie Rochlitz ging das sächsische Militär gewaltsam gegen die Bauern vor. Etwa 200 Aufständische wurden verhaftet, 34 davon auf die Festung Königstein gebracht und mehrere Monate inhaftiert. Ebenfalls im Jahr 1790 traten Freiberger Bergleute aus Protest gegen Hungerlöhne und Wucher bei den Lebensmittelpreisen in den Ausstand. Krieg gegen das revolutionäre Frankreich Im Jahr 1791 trafen sich Kaiser Leopold II., König Friedrich Wilhelm II. von Preußen und der französische Graf von Artois (regierte später als König Karl X. von Frankreich) in Schloss Pillnitz, um Maßnahmen gegen das revolutionäre Frankreich zu beschließen. Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen war nur Gastgeber des Pillnitzer Treffens und weder an den Verhandlungen noch an der Unterzeichnung der Abschlusserklärung beteiligt. Infolge der Pillnitzer Beschlüsse kam es zum Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich. Im Jahr 1792 beschloss der Immerwährende Reichstag in Regensburg - auf der Grundlage eines Bündnisses zwischen Österreich und Preußen - den Reichskrieg gegen Frankreich (die formelle Kriegserklärung erfolgte am 22. März 1793). Kursachsen nahm an diesem Krieg, anders als die auf Eroberung bedachten Großmächte Österreich und Preußen, nur als Reichsstand teil und stellte etwa 10.000 Soldaten, die vor allem an den Kämpfen bei Mainz und Kaiserslautern beteiligt waren. Im Jahr 1797 endete der Erste Koalitionskrieg mit dem Frieden von Campo Formio, bei dem Frankreich die linksrheinischen Gebiete gewann. (Preußen hatte schon im Jahr 1795 einen Separatfrieden mit Frankreich geschlossen.) Der im Jahr 1798 auf Betreiben Österreichs begonnene Zweite Koalitionskrieg, in dem Kursachsen und Preußen die Neutralität wahrten, endete 1801 mit dem Frieden von Luneville. Das siegreiche Frankreich ließ sich im Friedensvertrag die Vereinbarungen von Campo Formio bestätigen. Auf der Grundlage des Regensburger Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurden die deutschen Fürsten, die ihre linksrheinischen Gebiete an Frankreich verloren hatten, mit Territorien der geistlichen Fürstentümer, der Reichsritterschaft und der Reichsstädte entschädigt, was zu einer Neuordnung des deutschen Reichsgebietes (bei der 112 Reichsstände verschwanden) und letztlich zur Auflösung der Reichsverfassung führte. nach oben |