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Johann Gottlieb Fichte
Johann Gottlieb Fichte
Der in Rammenau geborene Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) war ein bedeutender Vertreter der klassischen deutschen Philosophie. Er begründete eine Wissenschaftslehre, die dem praktischen Handeln Vorrang vor dem bloßen Denken einräumt. In der Zeit der napoleonischen Besatzung trat er als engagierter Patriot auf ("Reden an die deutsche Nation").


Bild: Johann Gottlieb Fichte (nach einer Radierung von Karl Bauer)
Die Philosophie Fichtes zeichnet sich durch eine enge Beziehung zu politisch-gesellschaftlichen Vorgängen aus. Freiheit und Vernunft wertet sie höher als etablierte gesellschaftliche Strukturen und Traditionen. Fichte schwebte eine sittliche Gemeinschaft aller Menschen auf der Grundlage von Freiheit und Gleichheit vor. Die materiellen Grundlagen sollten ausschließlich auf eigener Arbeit, nicht auf Aneignung fremder Arbeit, also Ausbeutung beruhen. Er glaubte an die Befähigung des vernünftigen Menschen zur aktiven Selbstgestaltung und Selbstveränderung. Wissen und Freiheit waren für ihn identisch. Seine Vorstellungen von der Bestimmung des vernünftigen Menschen als "Weltenlenker" brachten Fichte in Konflikt mit der stark religiös geprägten Weltanschauung seiner Zeit.


Lebenslauf
Durch die Unterstützung des Rammenauer Gutsherrn erhielt der in sehr ärmlichen Verhältnissen geborene Bandwebersohn Fichte eine bessere Schulbildung. Nach der Stadtschule Meißen besuchte er von 1774 bis 1780 die Fürstenschule in Schulpforta. In Jena und Leipzig studierte er Theologie. Wegen großer finanzieller Not musste er das Studium dann aber abbrechen und seinen Lebensunterhalt zwölf Jahre lang als Hauslehrer an verschiedenen Orten Deutschlands verdienen. Hierbei lernte er die sozialen Probleme im Lande kennen, was seine Philosophie dann sehr prägte. Seine Schrift "Versuch einer Kritik aller Offenbarung", die er im Jahr 1791 dem Philosophen Kant in Königsberg vorlegte, begründete seinen Ruhm als Philosoph.

Im Jahr 1794 erhielt Fichte eine Professur für Philosophie an der Universität Jena. Hier arbeitete er insbesondere seine neue Wissenschaftslehre aus, in der er die Prinzipien für einen humanistischen, fortschrittlichen Wissenschaftsbetrieb aufstellte. Weil er in seinen Schriften atheistische Standpunkte vertrat und die Gottesidee mit einer moralischen Weltordnung identifizierte, wurde er auf Betreiben der sehr konservativen kursächsischen Regierung aus dem Lehramt entlassen. Bis 1805 arbeitete er in Berlin als Privatgelehrter, dann erhielt er eine Professur in Erlangen.

Im Jahr 1806 floh Fichte, der sich im Jahr 1793 in zwei Schriften zur französischen Revolution bekannt hatte, vor der heranrückenden napoleonischen Armee nach Königsberg, wo er seine berühmten "Reden an die deutsche Nation" verfasste. Im Jahr 1807 veröffentlichte er sie mutig in der von französischen Truppen besetzten Stadt Berlin. An der Berliner Universität erhielt er im Jahr 1809 eine Professur für Philosophie. Ab 1811 hatte er das Amt des ersten gewählten Rektors der Universität inne. Energisch schritt er gegen die Unsitten der studentischen Burschenschaften ein.

Johann Gottlieb Fichte starb im Jahr 1814 an Typhus. In den Wirren der Befreiungskriege von 1813 hatte er sich durch seine Frau, die im Lazarett arbeitete, mit dieser Krankheit infiziert.



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